1Nephi 6:1-2

1Nephi 6:1 Und nun: Ich, Nephi, gebe keine Ahnentafel meiner Väter in diesem Teil meines Berichtes an; auch werde ich nicht zu irgendeiner anderen Zeit sie auf diesen Platten angeben, die ich schreibe; denn sie sind in dem Bericht gegeben, den mein Vater geführt hat; darum schreibe ich sie nicht in dieses Werk.

1Nephi 6:2 Denn es genügt mir zu sagen, dass wir ein Nachkomme Josephs sind.

Kommentar

Text

Varianten

Meiner Väter

Oliver Cowdery schrieb ursprünglich “meines Vaters”, besserte sich aber sofort auf “meiner Väter” aus.

Ein Nachkomme

Grammatikalisch würden wir hier die Mehrzahl erwarten, also „Nachkommen“, jedoch findet sich diese Variante (wir sind ein Nachkomme) mehrmalig im Originaltext, nämlich in 1Ne 6:2, 2Ne 3:40, Alma 56:3 und 3Ne 10:4. Erstmalig in der Ausgabe von 1851 wurden diese Stellen auf „wir sind Nachkommen“ ausgebessert. Wir können daher davon ausgehen, dass die unübliche Einzahlform beabsichtigt ist und keinen Schreibfehler darstellt.

Im Hebräischen kann diese Form verwendet werden, um auszudrücken: „Wir sind Nachkommen – jeder einzelne von uns“ oder „Wir sind ein Volk von Nachkommen“.

Wenn wir die erste Variante heran ziehen, dann muss davon ausgegangen werden, dass es sich um etwas Besonderes, etwas Unerwartetes handelt.

Eine mögliche Erklärung wäre, dass sich sowohl das Volk Nephi als auch die Lamaniten mit ortsansässigen vermischt haben, und dass dadurch die Verheißungen Josephs auch auf diese „Neu-Lehiten“ ausgedehnt wurden. Ein Beispiel dafür findet sich in der Praxis im Judentum zur Zeit des Talmuds, dass nämlich jemand, der durch Beschneidung und Taufe den Bund mit Gott eingegangen war, einem Stamm Israels zugezählt wurde, und man durfte nicht mehr erwähnen, dass er einmal ein Fremder gewesen war.

 

Parallelismus

A Und nun: Ich, Nephi, gebe keine Ahnentafel meiner Väter in diesem Teil meines Berichtes an;

…B auch werde ich nicht zu irgendeiner anderen Zeit sie auf diesen Platten angeben,

……C die ich schreibe;

………D denn sie sind in dem Bericht gegeben,

……C den mein Vater geführt hat;

…B darum schreibe ich sie nicht in dieses Werk.

A Denn es genügt mir zu sagen, dass wir ein Nachkomme Josephs sind.

Inhalt

Kapitelbeginn

Hier beginnt im Original das Kapitel 2 des 1. Buches Nephi.

in dem Bericht …, den mein Vater geführt hat

Oft lesen wir die Bücher Nephis, als wäre es eine Art Tagebuch. Tatsächlich handelt es sich aber um einen zweiten Bericht, den Nephi schreibt, nachdem der Bericht seines Vaters abgeschlossen ist. Er hat also im Bisherigen auf seine eigenen „Großen Platten“ und auf das „Buch Lehi“ zurückgegriffen. Jetzt verlässt er also diesen Bericht und macht deutlich, dass er Vieles auslässt, was passiert ist, weil es an anderer Stelle niedergeschrieben ist.

Aus der Zeitangabe, die Nephi hier andeutet (nachdem Lehi seinen Bericht beendet hat), können wir davon ausgehen, dass Nephi hier einen langjährigen Rückblick macht. Er weiß schon, dass Laman und Lemuel sich nicht nur gegen Gott wenden, er weiß, dass sie ihn und seine Nachkommen töten wollen.

Es wird angenommen, dass Nephi diesen zweiten Bericht, die Kleinen Platten, nach seiner Einsetzung als Herrscher des Volkes Nephi beginnt, was auch auf die politische Dimension dieses Berichtes hinweist.

Die Großen Platten sind die Platten der weltlichen Herrscher, der Könige. Die Kleinen Platten sind die der geistigen Herrscher, der Priester, und sie werden im Tempel aufbewahrt. Sie dienen auch dazu, dass die Priester das Volk richtig führen können, auch wenn die Könige vom Glauben abfallen.

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