1Nephi 5:11

1Ne 5:12 Und er sah, dass sie die fünf Bücher Moses enthielten, die einen Bericht von der Erschaffung der Erde enthielten und auch von Adam und Eva, die unsere ersten Eltern waren.

Kommentar

Inhalt

Er sah, dass sie die die fünf Bücher Moses enthielten

Wenn wir heute eine Bibel zur Hand nehmen, dann erwarten wir, die Schöpfungsgeschichte darin zu finden. Wir würden das nicht kommentarwürdig finden.

Dass Nephi dies aber kommentiert, zeigt, dass Lehi und er es nicht vorausgesetzt hatten. Dennoch ist es nur ein kurzer Kommentar, was darauf schließen lässt, dass Nephi mit diesen Geschichten vertraut war.

Eine mögliche Erklärung liegt darin, dass die Bücher Mose erst eine Generation vorher ihre heutige Form erhalten hatten. Besonders das Buch Deuteronomium ist erst in der Reform König Josias im Tempel gefunden worden. In der Folge, so nimmt man heute an, wurden die anderen 4 Bücher überarbeitet.

Viele Wissenschafter gehen heute davon aus, dass es mehrere Redaktionen gegeben hat.

Der älteste Kern der Bücher Mose ist in diesem Modell der sogenannte “Jahwist” (so benannt, weil hauptsächlich Jahwe/Jehovah als Gottesnamen verwendet wird). Der zweitälteste Erzählungsstrang ist der des „Elohisten“ (Elohim als Gottesname ist hier das Kennzeichen). Diese beiden wurden recht bald kombiniert. Die Priesterschrift ist die zweite Überarbeitung, und als nächste (um 622 vor Christus) die Deuteronomistische Überarbeitung, die eben aus Reform König Josias stammt. Die letzte große Bearbeitung, die uns zum heutigen Text führt, war dann durch Esra.

Für das Alte Testament gibt es heute drei Texttraditionen, die zum Teil noch immer deutlich von einander unterschieden sind, nämlich:

  1. Der Masoretische Text
    Er ist in hebräisch und aramäisch und ist der jüdische Standard-Text. Die frühesten Textzeugen stammen aus dem 15. Und 16. Jahrhundert. Das liegt daran, dass unter den Juden es eine Tradition gibt, Schriftrollen von Torah-Texten, wenn sie nicht mehr zu gebrauchen sind, zu begraben. Die Rabbis ab dem 2. Jahrhundert nach Christus legten sehr viel Wert darauf, den Text exakt zu erhalten, eine Schriftrolle mit einem Abschreibfehler wurde sofort vernichtet. Die Masoreten haben dem Text Masuren (Vokalzeichen) hinzugefügt, um das Lesen zu erleichtern.
  2. Die Septuaginta
    Angeblich wurde hat im 3. Jahrhundert vor Christus Pharao Ptolemäus II eine Übersetzung ins Griechische in Auftrag gegeben. Der Legende nach haben 70 Älteste diese Übersetzung unabhängig von einander gemacht, und jede Übersetzung war gleich. Daher auch der Name „Septuaginta“ (siebzig). Sie war die häufigste Übersetzung zur Zeit Jesu, aber nicht die einzige. Andere Übersetzungen stammten von Aquila, Symmachos und Theodotion. Origenes machte im 2. Jahrhundert einen Vergleich der 6 häufigsten Bibelübersetzungen ins Griechisch, genannt „Hexapla“. Außer der Septuaginta ist heute kein griechischer Text vollständig erhalten. Wo von den anderen Übersetzungen noch etwas da ist, handelt es sich um kleine Fragmente.
    Die Septuaginta (in wissenschaftlichen Texten auch als LXX abgekürzt) unterscheidet sich zum Teil deutlich vom masoretischen Text. Und obwohl ein christlicher Gelehrter des 2. Jahrhunderts n.Chr., Justin der Märtyrer, klar sagt, dass die damaligen Rabbis ihre Bibel „überarbeitet“ haben, um sie zu „entchristianisieren“, war lange unklar, ob es sich um Übersetzungsprobleme oder um echte Textvarianten handelte. Die Unterschiede sind groß genug, dass so manches AT-Zitat im NT sich nur im griechischen Text findet.
  3. Die Qumran-Rollen
    Mit den Funden aus Qumran im 20. Jahrhundert konnte erstmals gezeigt werden, dass zur Zeit Jesu es mehrere gleichwertige Texttraditionen gab. Oftmals sind Qumran-Texte und Septuaginta übereinstimmend, manchmal Qumran und Masoretischer Text.

Hier könnte man nun eine vierte Texttradition annehmen, nämlich die der Messingplatten. Sie enthalten nicht die jüdischen Überarbeitungen, sondern entsprechen den Aufzeichnungen der 10 Stämme, ergänzt um Deuteronomium. Das bedeutet, sowohl die Überarbeitung des Esra, als auch die der Deutoronomisten der Reform Josias fehlen. Auf der anderen Seite lesen wir von Propheten mit den Namen Zenoch, Zenos und Ezias, die wir aus der Bibel nicht kennen, sowie Jesaja und Neum (möglicherweise Nahum).

Diese vierte Texttradition wäre damit älter als die drei uns bekannten. Es ist interessant, zu vergleichen, was unsere heutigen Bibeln in den ersten vier Büchern Mose enthalten, und was das Buch Mormon uns über diese Bücher sagt.

Ein ausführlicherer (englischer) Text dazu findet sich hier: http://publications.maxwellinstitute.byu.edu/fullscreen/?pub=1129&index=6

die einen Bericht von der Erschaffung der Erde enthielten und auch von Adam und Eva, die unsere ersten Eltern waren.

Interessant ist hierbei, dass wir uns bei dem finden, was laut der methodistischen Alttestamentlerin Margaret Barker Tempelthemen des Ersten Tempels (und damit der Periode Lehis) sind: Der Tempel ist in dieser Lesart in konzentrische Kreise der Heiligkeit geteilt, wobei das Allerheiligste dem Tag 1 der Schöpfung entspricht, der Gegenwart Gottes.

Jeder weitere Kreis wird durch den innenliegenden Kreis geheiligt und entspricht sowohl einem Schöpfungstag als auch einem „Raum“ der Geschichte von Adams Fall. So entspricht der siebenarmige Leuchter, der im Heiligen steht, dem Baum des Lebens. Ziel des salomonischen Tempels, so Barker, ist die Teilnahme des Hohenpriesters, des Gesalbten, an der Ratsversammlung Gottes, wo er den Platz des Menschen in der Schöpfung erfährt und beauftragt wird, hinaus zu gehen, um alle Menschen zu heiligen und in die Gegenwart Gottes zu bringen.

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