1Nephi 5:3-5

1Ne 5:3 Und nach dieser Art der Sprache murrte meine Mutter gegen meinen Vater.

1Ne 5:4 Und es begab sich, dass mein Vater zu ihr sprach, indem er sagte: Ich weiß, dass ich ein Mann mit Visionen bin; denn wenn ich nicht die Dinge von Gott in einer Vision gesehen hätte, sollte ich nicht die Güte Gottes gekannt haben, sondern wäre ich in Jerusalem geblieben und zugrunde gegangen mit meinen Brüdern.

1Ne 5:5 Aber siehe, ich habe ein Land der Verheißung erhalten, an dessen Dingen ich Freude habe; ja, und ich weiß, dass der Herr meine Söhne aus den Händen Labans befreien wird und sie wieder zu uns herunter in die Wildnis bringen wird.

Kommentar

Textlich

Nach dieser Art Sprache

Diese Redewendung ist uns schon in 1Ne 3:21 untergekommen. Sie ist im Buch Mormon ausschließlich bei Nephi zu finden. Die anderen Vorkommnisse sind in 1Ne 5:3; 5:6; 5:8 und 1Ne 10:15. Er drückt an dieser Stelle damit aus, dass er nicht Ohrenzeuge dieser Worte ist, sondern berichtet, was man ihm erzählt hat.

Mann mit Visionen

Ein Blick in das Webster Wörterbuch von 1828 zeigt für „visionary“ das Folgende:

  • Von Phantomen beeinflusst; dazu neigend, Eindrücke der Einbildung zu erhalten
  • Eingebildet; in der Vorstellung allein existierend; nicht wirklich; keine solide Basis habend.

Es war also durch und durch eine negative Aussage. Dies wird noch deutlicher, wenn man die Beschreibung von „visionary“ als Hauptwort liest:

  • Jemand, dessen Vorstellung gestört ist
  • Jemand, der unpraktische Vorhaben plant; jemand, der zuversichtlich ist in Bezug auf den Erfolg eines Vorhabens, das andere für müßig und abstrus halten.

In 1828 gab es keine positive Bedeutung für „visionary“.

Das Wort hat im Laufe seiner Geschichte mehrere Bedeutungswandel erlebt. Heutzutage ist die Bedeutung bei Weitem nicht so negativ. Ein „Visionär“ ist etwas Positives geworden, und große Firmen bemühen sich, eine „Vision“ ihres zukünftigen Fortschritts zu entwickeln. „Visionary“ heißt heute so etwas wie richtungsweisend.

Chiasmus

Das Zentrum dieses Chiasmus‘ ist Vers 4 beginnnend mit „ich weiß, dass ich ein Mann mit Visionen bin“. Es ist die Kernaussage, die Nephi hier machen will.

Inhaltlich

Ich weiß, dass ich ein Mann mit Visionen bin

Lehi nimmt Sariahs Vorwurf und verwendet ihn positiv. Natürlich ist er ein Mann mit Visionen, denn wie sonst könnte er die Dinge Gottes wissen?

Sollte ich nicht die Güte Gotte gekannt haben

Hier bringt Lehi zum Ausdruck, dass es Gottes Absicht war, Lehi an Seiner Güte Anteil haben zu lassen. Lehi würde nicht nur die Güte gekannt haben, er sollte sie dann auch nicht gekannt haben.

Land der Verheissung

Dies ist das dauernde Thema sowohl des Alten Testamentes, als auch des Buches Mormon: Ein Land der Verheißung, ein Land, das Teil des Bundes ist, den Gott mit Seinem Volk macht. Ein Land, in dem es dem Volk wohl ergeht, solange es Gottes Nähe sucht, aus dem es aber verbannt wird (bzw. auf das Gott den Bannfluch legt), wenn das Volk sich von dem Bund abwendet.

Auch wenn dieses Land, indem sich Lehi gerade befindet, nur eine Zwischenstation ist, so ist es doch ein Land der Verheißung, an dessen Dingen sich Lehi erfreut.

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2 Gedanken zu “1Nephi 5:3-5

  1. Den meisten Leuten mögen solche „Kleinigkeiten“ nichts sagen. Aber gerade in ihnen steckt der Kern. So ist beispielsweise der Nebensatz im 1. Nephi 18 von unschätzbarer Bedeutung, doch nur für den Insider, der weiß oder sich erinnen kann, dass um 430 ein heftiger Kirchenstreit ausbrach. Er entzündete sich an der Frage ob Maria als Christusgebärerin (Mutter Christi) oder Gottesgebärerin (Mutter Gottes) verehrt werden soll. Heute interessiert dies Thema niemanden, aber damals rangen die aufkommenden Patriarchate Konstantinopel und Alexandria um den Vorrang. Nestorus auf der einen, Cryll von Alexandria auf der anderen Seite. Cyrill warf Nestoriius vor er würde Maria die Ehre abschneiden wenn er Maria nicht den Titel einer „Gottesgebärerin“ zugestehen würde.
    Kaplan Fendt hat sich vor über 100 Jahren in einer Dissertation mit dem Geamtproblem befasst und sehr ehrlich und sachlich in seiner Arbeit herausgestellt, dass Cyrills Attacken unsinnig waren,
    Der sonst von mir hochgeschätzte Benedikt XVI, wäre gut beraten gewesen, wenn er zuvor Dr. Fendts Arbeit in Betracht gezogen hätte. Dann hätte er nicht formuliert: „Der neue Bischof von Konstantinopel (Nestorius) erregte in der Tat bald Widerstand, weil er in seinen Predigten für Maria den Titel »Mutter Christi« (Christotókos) anstelle des der Volksfrömmigkeit schon sehr lieb gewordenen Titels »Mutter Gottes« (Theotókos) vorzog.“ (Dann hätte er sicherlich in seiner Genalaudienz vom 3. Oktober 07 Cyrill gepriesen.
    Nephi indessen schreibt: “ (Maria) ist die Mutter des Sohnes Gottes nach der Weise des Fleisches“.
    Welche Kleinigkeit, mit tiefem Inhalt.
    Kein Autor (Pseudoautor) wäre auf diese Idee gekommen, aber vor dem Hintergrund der Verfluchung Nestorius durch Cyrills Machenschaften, erlangt ein winziger Einschub richterlichen Rang.
    Verreckt ist er in einer Wüste Lybiens…

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  2. Korrektur 1. Nephi 11:18 ist gemeint, statt 1. Ne 18

    2. Korrektur: denn hätte Benedikt XVI, Cyrill nicht gepriesen.

    Bitte obigen Kommentar löschen: Dieser gilt:

    Den meisten Leuten mögen solche “Kleinigkeiten” nichts sagen. Aber gerade in ihnen steckt der Kern. So ist beispielsweise der Nebensatz im 1. Nephi 11: 18 von unschätzbarer Bedeutung, doch nur für den Insider, der weiß oder sich erinnen kann, dass um 430 ein heftiger Kirchenstreit ausbrach. Er entzündete sich an der Frage ob Maria als Christusgebärerin (Mutter Christi) oder Gottesgebärerin (Mutter Gottes) verehrt werden soll. Heute interessiert dies Thema niemanden, aber damals rangen die aufkommenden Patriarchate Konstantinopel und Alexandria um den Vorrang. Nestorus auf der einen, Cryll von Alexandria auf der anderen Seite. Cyrill warf Nestorius vor er würde Maria die Ehre abschneiden wenn er Maria nicht den Titel einer “Gottesgebärerin” zugestehen würde.
    Kaplan Fendt hat sich vor über 100 Jahren in einer Dissertation mit dem Geamtproblem befasst und sehr ehrlich und sachlich in seiner Arbeit herausgestellt, dass Cyrills Attacken unsinnig waren,
    Der sonst von mir hochgeschätzte Benedikt XVI, wäre gut beraten gewesen, wenn er zuvor Dr. Fendts Arbeit in Betracht gezogen hätte. Dann hätte er nicht formuliert:
    „Der neue Bischof von Konstantinopel (Nestorius) erregte in der Tat bald Widerstand, weil er in seinen Predigten für Maria den Titel »Mutter Christi« (Christotókos) anstelle des der Volksfrömmigkeit schon sehr lieb gewordenen Titels »Mutter Gottes« (Theotókos) vorzog.“ (Dann hätte er sicherlich in seiner Genalaudienz vom 3. Oktober 07 Cyrill nicht gepriesen.)
    Nephi indessen schreibt: ” (Maria) ist die Mutter des Sohnes Gottes nach der Weise des Fleisches”.
    Welche Kleinigkeit, mit tiefem Inhalt.
    Kein Autor (Pseudoautor) wäre auf diese Idee gekommen, aber vor dem Hintergrund der Verfluchung Nestorius durch Cyrills Machenschaften, erlangt ein winziger Einschub richterlichen Rang.
    Verreckt ist Nestorius in einer Wüste Lybiens…

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