1Nephi 4:33-35

1Ne 4:33 Und ich sprach zu ihm, nämlich mit einem Eid, dass er sich nicht fürchten müsse; dass er ein freier Mann wie wir sein sollte, wenn er mit uns hinunter in die Wildnis gehen würde.

1Ne 4:34 Und ich sprach auch zu ihm, indem ich sagte: Sicherlich, der Herr hat geboten, dass wir diese Sache tun; und sollen wir nicht eifrig sein im Halten des Gebotes des Herrn? Darum, wenn Du hinunter in die Wildnis gehen wirst zu meinem Vater, sollst Du einen Platz mit uns haben.

1Ne 4:35 Und es begab sich, dass Zoram Mut fasste bei den Worten, die ich sprach. Nun, Zoram war der Name des Dieners; und er versprach, dass er hinuntergehen würde in die Wildnis zu unserem Vater. Ja, und er schwor uns einen Eid, dass er mit uns verbleiben würde von jener Zeit an.

Kommentar

Übersetzung

Hinunter in die Wildnis

Das Originalmanuskript, das Druckermanuskript und alle Ausgaben haben hier „go down in the wilderness“, also eigentlich „In der Wildnis unten gehen“. Der Schreiber hatte jedoch eineTendenz, „in“ statt „into“ zu schreiben und sich danach meist auszubessern, so auch in Vers 34. Es könnte sich also um einen Fehler handeln. Dies wird dadurch erhärtet, dass die Parallelstruktur dieser Verse ein „in die Wildnis“ fordert, und auch der Wortsinn passt so besser. Letztlich ist dies der einzige Fall in 1Nephi 4, wo der Schreiber das „in“ nicht selbst auf „into“ ausgebessert hat. Es ist wahrscheinlicher, dass er dieses hier einfach nur übersehen hat. In den deutschen Ausgaben wurde diese Übersetzungsmöglichkeit auch immer favorisiert.

Eifrig im Halten des Gebotes

Im Original steht hier „des Gebotes“, Oliver hat es im Druckermanuskript auf „der Gebote“ ausgebessert. Wie schon bei 1Ne 4:5 besprochen hat der Schreiber oftmals irrtümlich Einzahl statt Plural geschrieben, aber der Text lässt hier die Einzahl zu: Anstatt dass Nephi generell sagt, dass wir eifrig die Gebote halten sollen, spricht er hier vom einen konkreten Gebot, die Messingplatten zu erlangen.

Zoram

Der Schreiber 3 des Originalmanuskriptes schrieb hier „Zoram“, aber die nächsten zwei Male, wo der Name vorkam, schrieb er Zorum. Oliver Cowdery schrieb im Druckermanuskript so undeutlich, dass alle Vorkommen des Namens sowohl Zoram als auch Zorum heißen könnten. In allen Druckausgaben steht „Zoram“. Wie wir es verstehen, hat der Schreiber sich beim ersten Vorkommen des Namens bemüht, die richtige Schreibweise zu haben, danach nicht mehr so. Im Buch Mormon gibt es drei Personen namens Zoram und zwei unterschiedliche Völker, die als Zoramiten bekannt sind. Diese werden häufig erwähnt. In zwei Fällen ist aus Olivers Handschrift nicht klar, ob das a oder das u richtiger wäre. In allen anderen Fällen ist das a eindeutig zu erkennen. Diese Hinweise deuten darauf hin, dass die Schreibweise „Zoram“ richtig ist.

Zu unserem Vater

Im Originalmanuskript steht „unser Vater“, Oliver schrieb im Druckermanuskript „mein Vater“, besserte dies aber wieder aus. In der 1837 Ausgabe steht „mein Vater“. In der 1981 wurde wieder auf „unser Vater“ ausgebessert. „Unser Vater“ ist hier auch inhaltlich besser und daher richtig.

Ja, und

Im Druckermanuskript hat Oliver das „Ja“ ausgelassen. Erst in der 1981 Ausgabe wurde das „Ja“ hier wieder ergänzt. Im Buch Mormon finden sich 300 Fälle von „Ja, und…“, sowie drei Fälle von „Ja, und er auch“. Üblicherweise wird das „Ja“ im Buch Mormon verwendet, um zu kommentieren, zu verstärken oder zu revidieren, was gerade gesagt wurde. In diesem Sinne passt das „ja“ hier gut dazu: Zu Zorams Eid wird mehr Information gegeben: Er verspricht nicht nur, dass er mit ihnen in die Wildnis hinunter gehen würde, sondern auch, dass er bei ihnen bleiben würde.

Parallelismus

A Und ich sprach zu ihm, nämlich mit einem Eid,
….B dass er sich nicht fürchten müsse;
……..C dass er ein freier Mann wie wir sein sollte,
…………D wenn er mit uns hinunter in die Wildnis gehen würde.
…………….E Und ich sprach auch zu ihm, indem ich sagte: Sicherlich, der Herr hat geboten,
……………….F dass wir diese Sache tun;
……………….F und sollen wir nicht eifrig sein
…………….E im Halten des Gebotes des Herrn?
…………D Darum, wenn Du hinunter in die Wildnis gehen wirst zu meinem Vater,
……..C sollst Du einen Platz mit uns haben.
….B Und es begab sich, dass Zoram Mut fasste
A bei den Worten, die ich sprach.

Wiederum wird der Eid in eine Parallelstruktur gepackt. Im Zentrum steht das Halten der Gebote.

Inhalt

Ein freier Mann .. ein Platz mit uns

Als der Diener Labans die Bühne des Buches Mormon betritt, wird er nur als „Diener Labans“ bezeichnet. Als Diener wurden entweder hochrangige Regierungsmitglieder bezeichnet, oder Sklaven. Ein Diener in einem Haushalt war jedoch meistens ein Sklave. Da es den Israeliten verboten war, israelitische Sklaven zu haben (bzw. diese alle Sabbathjahre freigelassen werden mussten), ist anzunehmen, dass Zoram kein Israelit war. Zoram könnte „ihr Fels“ bedeuten, und könnte als eine Kurzform eines theophorischen Namens (Gott ist ihr [der Israeliten] Fels) gesehen werden. Allerdings ist bis heute kein solcher Name bezeugt. Das ist kein starkes Argument, da wir durch archäologische Funde immer wieder auch neue hebräische Namen kennengelernt haben. Es gibt aber noch eine andere Erklärung: Die Israeliten nannten die Statt Tyros „Zor em Sidonim“. Es ist gut möglich, dass Zoram eine Kurzform ist, die für „Der aus Tyros stammt“ steht. Dies würde noch deutlicher dafür sprechen, dass Zoram kein Isrealit und damit ein Sklave war.

Als nicht nur irgendein Diener, sondern der Diener Labans, der über die Schatzkammer wachte, war er ein Vertrauter Labans, und es ist anzunehmen, dass er über den Zustand Israels und die Gefahr, die von den umgebenden Großreichen drohte, gut informiert war.

Versetzen wir uns in seine Lage: Er hätte Nephis Angebot ausschlagen können, mit Nephi und seinen Brüdern kämpfen und vielleicht entkommen können. Dann wäre er Sklave in einer Stadt geblieben, von der er wusste, dass sie dem Untergang geweiht war. Eine sehr ungewisse Zukunft.

Auf der anderen Seite bot Nephi mit seinem Eid an, dass Zoram nicht länger Sklave, sondern ein freier Mann sein sollte, mit gleichen Rechten auf Eigentum und Schutz, wie sie selbst.

Zoram entschied sich für das Zweite.

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