1Nephi 4:31-32

1Ne 4:31 Und nun ich, Nephi, der ich ein Mann in großer Gestalt bin und auch große Stärke vom Herrn empfangen habe, weswegen ich ihn überwältigte, und ich hielt ihn, dass er nicht fliehen sollte.

1Ne 4:32 Und es begab sich, dass ich mit ihm sprach, dass wenn er hören würde auf meine Worte, so wie Gott lebt, und wie ich lebe, eben so dass wenn er hören würde auf unsere Worte, würden wir sein Leben verschonen.

Kommentar

Text

In großer Gestalt

Als Oliver Cowdery diesen Vers in das Druckermanuskript kopierte, schrieb er „von großer Gestalt“, besserte dies dann aber sofort auf „in großer Gestalt“ aus. Diese Formulierung findet sich auch in anderen Versen, wie 1. Nephi 2:16 und Mormon 2:1. Ether 14:10 dagegen hat „von großer Gestalt“. So sind beide Varianten im Buch Mormon bezeugt, aber die Manuskripte weisen für diesen Vers die Variante „in“ aus, die auf Deutsch und auf Englisch gleich ungewöhnlich ist.

Partizipialkonstruktion mit „weswegen“

Wie auch im 1.Nephi 1:1 haben wir hier eine Partizipialkonstruktion. Wörtlich: „Und nun ich, Nephi, ein Mann in großer Gestalt seiend und auch große Stärke vom Herrn empfangen habend, weswegen ich …“. Das Partizipium drückt die Gleichzeitigkeit zur Geschichte aus. Insoferne wäre „der ich ein Mann von großer Gestalt war“ zu übersetzen. Allerdings ist Nephi zum Zeitpunkt der Niederschrift noch am Leben, und an seiner Gestalt hat sich nichts geändert, daher habe ich hier „der ich … bin“ übersetzt.

Weswegen

Das Wort leitet im Englischen den Hauptsatz ein. Dies wäre im Deutschen mit „deswegen“ beizubehalten gewesen. Allerdings ist „wherefor“ besser mit „weswegen“ übersetzt. Ich habe hier dem „weswegen“ den Vorzug gegeben.

Parallelismus

A dass wenn er hören würde auf meine Worte,
….B so wie Gott lebt,
….B und wie ich lebe,
A eben so dass wenn er hören würde auf unsere Worte, würden wir sein Leben verschonen.

Einerseits haben wir hier einen Chiasmus (dass Gott lebt und dass Nephi lebt, eingebettet in auf die Worte Nephis und seiner Brüder zu hören), andererseits eine Entwicklung: Das Überleben des Dieners als neuer Gedanke, der sich aus dem Hören der Worte (und dem Gehorchen), aber auch dem Leben Gottes und Nephis ergibt.

überwältigte

„To seize“ heißt jemanden ergreifen. „To seize upon something“ heißt an etwas zerren. Im englischen steht hier „I seized upon him“. Beides passt nicht exakt. Ich habe daher in der englischen King James Version nach „seize upon somebody“ gesucht und diese Formulierung in Psalm 55:15 (in deutschen Übersetzungen: Vers 16!) gefunden. Im Deutschen wird es in diesem Vers so übersetzt:

“überfallen“ (Einheitsübersetzung und Schlachter)
„übereilen“ (Luther)
„überraschen“ (Elberfelder)

Mit „überwältigte“ habe ich versucht, einerseits den offensichtlichen Überraschungseffekt des (möglicherweise im Hebräischen zugrunde liegenden) Wortes zu erhalten, andererseits aber auch die physische Bewegung.

Inhalt

Nephis Gestalt

Um den Diener allein festhalten zu können, mußte Nephi tatsächlich deutlich stärker sein, selbst wenn er die Schrecksekunde und Zorams Überraschung auf seiner Seite hatte.

So wie Gott lebt, so wie ich lebe

Wir haben es hier mit einem klassischen nahöstlichen Eid zu tun. Dieser ist, wie üblich, in eine Bündnis/Fluch-Form eingebettet. Nephi sagt hier nicht: „Wenn Gott lebt, und Du weißt dass er lebt“, sondern: „Ich rufe den lebenden Gott als Richter an, dass Er auf die Einhaltung des Bündnisses achte und denjenigen, der seinen Teil nicht hält, strafe“. Diese Eidformel ist im Alten Testament häufig bezeugt.
Ebenso sagt Nephi nicht: „Wenn ich lebe, und Du weißt dass ich lebe“, sondern: „Ich setze mein Leben und meine Stammeszugehörigkeit dafür ein, dass ich meinen Teil halte.“ Oder: „Möge ich von meiner Familie verbannt und getötet werden, wenn ich meinen Teil nicht halte.“ Diese Formel ist im Alten Testament nicht bezeugt, ist aber auf der Arabischen Halbinsel üblich und auch in altertümlicher arabischer Literatur bezeugt.

Damit hat Nephi den stärkstmöglichen Nachdruck auf seine Worte gelegt. Einen solchen Eid zu brechen war der antiken Welt kaum denkbar – selbst nicht, wenn es sich um jemanden handelt, der einen Mann getötet, dessen Kleider angezogen und einen Diener getäuscht hat.

Siehe dazu diese Zusammenfassung.

Der offizielle Charakter dieses Eides wird dadurch bekräftigt, dass er in einen Chiasmus eingebettet ist.

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