1Nephi 4:21-22

1Ne 4:21 Und er – annehmend ich sei sein Meister, Laban, denn er sah die Gewänder und auch das Schwert um meine Lenden gegürtet –

1Ne 4:22 und er sprach zu mir in Bezug auf die Ältesten der Juden, er wissend dass sein Meister, Laban, bei Nacht draußen war bei ihnen.

Kommentar

Text

Und er  – annehmend

Es gibt mehrere Möglichkeiten, diesen Satz grammatikalisch zu verstehen. Im Original steht hier „and he soposing me tob e his master Laban… and he spake…“. Oliver Cowdery nahm beim Übertragen vom Originalmanuskript zum Druckermanuskript an, dass es sich hierbei um einen Nebensatz ohne Hauptsatz handelte. Dementsprechend besserte er auf „and he supposed“ aus, also: „und er nahm an…“. Dieser Ansicht sind alle Ausgaben des Buches Mormon gefolgt.

Eine andere Erklärung wäre, dass sich Hebräische und Ägyptische Satzstrukturen deutlich von der Englischen (und Deutschen) unterscheiden. Im Hebräischen gibt es sehr lange Sätze, bei denen die Nebensätze Partizip-Sätze sind. Ein schönes Beispiel dafür finden wir in Genesis 1:1-3, das man wörtlicher wohl so übersetzen könnte:

Als Gott begann, Himmel und Erde zu schaffen –

Und die Erde ungeformt und leer seiend

Und Dunkelheit über der Oberfläche der Tiefe seiend

und der Geist Gottes schwebend über das Wasser –

sagte Gott, „Es werde Licht“; und es war Licht.

Üblicher Weise wird diese un-deutsche Struktur jedoch in mehrere Hauptsätze zerlegt.

Im Buch Mormon gibt es sehr viele solche verketteten Partizip-Nebensätze, weit mehr, als auch im 19. Jahrhundert in Joseph Smiths Umgebung typisch war, und viele davon sind unangenehmes Englisch – aber sehr gutes Hebräisch. In Alma 9:19-23 finden sich zum Beispiel 13 im Englischen solche Partizip-Nebensätze.

Olivers Korrektur hat den Text definitiv „englischer“ und lesbarer gemacht, ohne den Sinn zu verändern, vielleicht aber dabei einen Hinweis auf die Originalsprache verschleiert.

Geht man aber von einem Partizip-Nebensatz aus, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Dem Nebensatz fehlt der Hauptsatz
  2. Durch Olivers Korrektur wurde die Interpunktion beeinflusst.

Ich gehe von Letzterem aus. Das heißt: Der Satz endet nicht mit Vers 21, sondern das wiederholte „und er“ in Vers 22 führt den Satz fort.

In diesem Sinne habe ich auch „er wissend“ übersetzt, statt „denn er wusste“.

Abhandlungen zu diesem Thema gibt es von Brian D. Stubbs, Larry G. Childs und nochmals Larry G. Childs.

die Ältesten der Juden

Nephis Wortspiel geht im Deutschen etwas verloren. Im Griechischen, Lateinischen und Englischen sind die Ältesten nicht Älteste sondern Ältere. Im Hebräischen sind die „Ältesten“ die „Bärtigen“.

Inhalt

Täuschung

Nephi zieht Labans Gewänder an, er verstellt seine Stimme und er verwendet Worte in einer Weise, dass der Knecht Labans den Eindruck erhält, es mit Laban zu tun zu haben. Das passiert nicht einfach, sondern Nephi handelt absichtlich. Ist das nicht unehrlich? Heiligt hier der Zweck die Mittel? Manchmal, wenn  wir alte Heilige Schrift lesen, stossen wir auf Dinge, die uns unbequem sind, die uns übel aufstoßen. In solchen Fällen ist es sinnvoll, daran zu denken, dass die handelnden Personen einer anderen Zeit und einer anderen Kultur entstammen und wir sie nicht nach unseren Maßstäben richten dürfen.

Ein schönes Beispiel aus der Bibel findet sich in Genesis 34. Es ist eine harte Geschichte, die da erzählt wird, von Dina, der Tochter Jakobs, die vergewaltigt wird, ihr Peiniger, Sichem, verliebt sich aber in sie und will sie heiraten. Israels Söhne stimmen dem zu, unter der Bedingung dass der Täter und sein ganzes Haus sich beschneiden lassen. Die Einheitsübersetzung nennt die Antwort der Söhne Israels „hinterhältig“ und sagt, dies sei berechtigt, weil Sichem Dina vergewaltigt habe. Und als diese darauf eingehen und dann von der Wunde geschwächt sind, bringen die Söhne Jakobs die anderen um. So weit könnte man vielleicht noch folgen. Doch wie reagiert Jakob? Ist er verstört darüber, dass seine Söhne einen hinterhältigen Massenmordbegangen haben?

Er sagt: „Ihr stürzt mich ins Unglück. Ihr habt mich in Verruf gebracht bei den Bewohnern des Landes, den Kanaanitern und Perisitern. Meine Männer kann man an den Fingern abzählen. Jene werden sich gegen mich zusammentun und mich niedermachen. Dann ist es vorbei mit mir und meinem Haus.“

So ist ihm weder das Hinterhältige noch der Mord ein Problem. Aus seiner Weltsicht kann er das Handeln seiner Söhne nachvollziehen. Doch er fürchtet, dass die Menschen, unter denen er lebt, dies nicht so sehen würden und ihn und sein Haus bekämpfen würden.

Die Geschichte ist ein Beweis dafür, dass Genesis ein altertümlicher Text ist: Sie verstört uns und verletzt unsere Sensibilitäten. Ein christlicher Autor aus dem 21. Jahrhundert hätte sie anders erzählt und eine Moral gefunden, die das Handeln der Söhne Jakobs entweder erklärbar macht und rechtfertigt, oder aber eine Verurteilung der Söhne Jakobs eingebaut, weil sie gemordet haben. Weil dieses „heutige“ Verständnis aber fehlt, weil der Autor erst gar nicht versteht, dass seine heutigen Leser ein Problem damit haben könnten, ist dies ein Beweis für den Ursprung dieses Textes.

Das Gleiche lässt sich für die Erzählung von Nephis Täuschungsmanöver sagen.

Ältesten der Juden.. bei Nacht draußen war bei ihnen

Der Historiker Gustav Hölscher führte 1952 aus, dass König Zidkijah eine Marionette in der Hand des jüdischer Establishments war. Die eigentliche Politik wurde nicht vom 21jährigen König gemacht, sondern von den Ältesten.

Die Stimmung war angeheizt. Die Sakkara-Briefe (gefunden 1942) zeigen die Panik, die damals im Land herrschte. Der Philister-König Adon schreibt darin an die Ägypter: „Die Armeen des Königs von Babylon sind gekommen, sie haben Aphek erreicht … lasst mich nicht im Stich!“ Die Lachisch Ostraka legen dar, dass informierte Kreise ganz genau wussten, welche Gefahr drohte. Gleichzeitig versuchte man dem Volk einzureden, dass alles wohl sei, dass man wisse, was man tue. Jede Kritik an den Sarim, den Ältesten, wurde unterdrückt.

Es klingt absolut glaubhaft, dass die Ältesten sich mit einem militärischen Führer in diesem Klima nicht offen trafen, sondern im Geheimen, bei Nacht.

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