1Nephi 4:15-17

1Ne4:15 Ja, und ich dachte auch, dass sie nicht die Gebote des Herrn halten können würden, gemäß dem Gesetz des Mose, außer, wenn sie das Gesetz hätten.

1Ne4:16 Und ich wusste, dass das Gesetz auf den Messingplatten eingraviert war.

1Ne4:17 Und wiederum, ich wusste, dass der Herr Laban zu diesem Zweck in meine Hand geliefert hatte – dass ich die Aufzeichnungen gemäß seinem Gebot erlangen möge.

Kommentar

Textstruktur

Das Halten der Gebote

Hier sind wir im Zentrum der Parallelstruktur, die Nephi von Vers 5 bis Vers 24 spannt. Das ist der Kern seiner Botschaft: Sein Volk soll die Gebote halten, deswegen muss auch er das Gebot halten, das der Heilige Geist ihm hier gibt. Und was er tut, das ist im Einklang mit dem Gebot des Mose. Darauf legt Nephi eine Betonung.

Inhalt

Heilige Schrift auf Platten

Sicherlich war im alten Israel die bevorzugte Form des Schreibmaterials die Megilla, die Schriftrolle aus Papyrus. Einzelne Papyrusblätter (25 bis 30 cm breit) wurden zu Bahnen von 6-10 Metern zusammengeklebt, an den Enden wurden Holzrollen angebracht.

Im Alten Testament begegnen uns Schriftplatten nur in der Form der Steintafeln mit den Zehn Geboten.

Gut bekannt sind Ton-, Wachs- oder Schiefertafeln, die durchaus auch zu einem Tafelbuch gebunden wurden. Diese wurden allerdings in erster Linie in Mesopotamien und Umgebung in Zusammenhang mit Keilschrift verwendet.

Zur Zeit von Joseph Smith galt die Idee von Inschriften auf Metallplatten zur Zeit des Alten Testamentes als lachhaft.

Hugh Nibley merkte jedoch schon im Jahr 1952 an: „Es wird nicht mehr lange dauern, bevor die Menschen vergessen, dass in den Tagen Joseph Smiths der Prophet für kaum etwas so verspottet und verlacht wurde, als für seine Beschreibung der Platten.“ (Hugh W. Nibley, Lehi in the Desert; World of the Jaredites; There Were Jaredites (Salt Lake City: Deseret Book and FARMS, 1988), 107.)

Schon länger bekannt ist, dass es vom 5. Jahrhundert v.Chr. bis zum 3. Jahrhundert nach Christus eine wahre Inflation von Gold-, Silber- und Bronze-Tafeln im Mittelmeerraum gab, die mit religiösen Inschriften versehen waren, den sogenannten Lamellae Orphicae. Dabei handelt es sich um beschriebene Goldblättchen, die als Grabbeigaben verwendet wurden. Ein schönes Bild von solch einem Blättchen findet sich hier.

Der (nichtmormonische) deutsche Altphilologe Walter Burkert, liefert eine Studie über die Abhängigkeit der griechischen Kultur auf die des Nahen Ostens und verweist dabei darauf, dass das Wissen und die Praxis von Metalltafeln mit Heiliger Schrift von den Phöniziern an die Griechen kam und schreibt: „Der Hinweis auf Deltoi [Platten, von “dlt”] als Bezeichnung [unter den Griechen] für altertümliche Sakralgesetze verweist zurück auf das siebente oder sechste Jahrhundert [v.Chr.]“ (Walter Burkert, Die orientalisierende Epoche in der griechischen Religion und Literatur. Heidelberg 1984. Übersetzung aus dem Englischen von mir, da mir das deutsche Exemplar nicht zur Verfügung steht) Das ist genau die Zeit, in der Lehi gelebt hat, und die Phönizier waren nicht nur die Nachbarn des alten Israels, sondern auch kulturell nahe mit ihnen verwandt.

In den Jahren 1979 und 1980 wurde unter der Leitung von Dr. Gabriel Barkay vom Institut für Archäologie der Universität von Tel Aviv eine Ausgrabung in Jerusalem durchgeführt. Eine Grabkammer wurde geöffnet, die aus dem 6. Bis 7. Jahrhundert vor Christus stammt. Dr. Barkay halt fest: „Unter den reichen Funden … waren auch zwei dünne, aufgerollte Streifen aus Silber.“ Diese enthielten ein Zitat von Numeri 6:24–26.

Diese beiden Platten sind der älteste erhaltene Bibel-Text und damit einer der bedeutendsten Funde der biblischen Archäologie (siehe Michael D. Coogan, „Ten Great Finds,“ Biblical Archaeology Review 21/3 (1995): 36–47).

Wir können also heute sagen: Metallplatten mit religiösem Inhalt, besonders mit Gesetzestexten, sind im Nahen Osten und auch in Israel für die Zeit Lehis nachgewiesen.

Advertisements

3 Gedanken zu “1Nephi 4:15-17

  1. Sehr gut erläutert. Ich habe das zuvor nicht gewusst., habe aber nie einen Zweifel an der Echtheit der Platten Moronis gehegt.
    Da ist ein promovierter Mayaloge aus Mexiko, den ich in der Priesterschaftsversammlung kennenlernte. Er hielt hier Vorträge und zeigte auf einige kleinere Irrtümer auf mormonischer Seite, z.b. das Relief vom Baum des Lebens verweise nicht auf LehisTraum. Aber er sagte,vor allem seien Texte des Buches Ether außerordentlich gut durch Querverweise untersetzt. Zudem passe der Zeitrahmen mit dem der Tolteken zusammen.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s