1Nephi 4:12-13

1Ne 4:12 Und es begab sich, dass der Geist zu mir wiederum sagte: Töte ihn, denn der Herr hat ihn in deine Hände ausgeliefert;

1Ne 4:13 siehe, der Herr tötet die Schlechten um seine rechtschaffenen Absichten hervor zu bringen. Es ist besser, dass ein Mensch umkommt, als dass eine ganze Nation schwindet und in Unglauben umkommt.

Kommentar

Textvarianten

Dass der Geist zu mir wiederum sagte zu mir

Im Originalmanuskript hat der Schreiber 2 ein zusätzliches „zu mir“ geschrieben  (im Englischen mit zwei unterschiedlichen Präpositionen: unto und to). Wir wissen also nicht mit letztlicher Sicherheit, ob es heißen sollte: „Der Geist zu mir wiederum sagte“ oder „der Geist wiederum zu mir sagte“. Allerdings ist die erste Form im Englisch zur Zeit Joseph Smiths unüblicher, im Buch Mormon jedoch die weitaus häufigere Form. Daher kann man davon ausgehen, dass die erste Form richtig ist, und so habe ich es auch übersetzt.

Inhalt

Der Herr hat ihn in deine Hände ausgeliefert

Das ist das zweite Mal, dass der Geist genau diese Formulierung verwendet. Er bringt eine neuerliche Formulierung aus dem mosaischen Gesetz und aus dem damals aktuellen Rechtsverständnis:

  1. Durch Labans Handeln würde das Volk Lehi in Unglauben verfallen. Insoferne ist hört Laban nicht nur nicht auf die Stimme Gottes, er will auch absichtlich zum Abfall von Gott führen. Das war ein todeswürdiges Vergehen, und wie man an
  2. Besser einer stirbt, als dass ein ganzes Volk vergeht

Es ist besser, dass ein Mensch umkommt, als dass eine ganze Nation schwindet

Dieses Verständnis geht relativ klar gegen modernes Rechtsempfinden, war jedoch für die Juden der damaligen Zeit selbstverständlich.

Beispiele dazu finden sich in Numeri 25:7-18. In dieser Erzählung erschlägt Pinhas ohne Verfahren oder Urteil und ohne Richter zu sein einen Fürsten der Simeoniter, um Unheil vom ganzen Haus Israel abzuwenden und wird dafür gelobt und belohnt.

In 2. Samuel 20:1-22 lesen wir vom Aufstand Schebas gegen David. Er flüchtet sich nach Abel-Bet-Maacha. Joab verfolgt ihn mit einem Heer und droht die Stadt zu vernichten, wenn man ihm den Scheba nicht herausgibt. Daraufhin köpfen die Abeliter den Scheba und liefern seine Leiche aus. Abel war gerettet.

In der Tradition der Juden findet sich eine Geschichte, die für Nephi sehr aktuell war: König Jojakim, der Bruder König Zidkijas, hatte gegen Nebukadnezar rebelliert. Dafür forderte Nebukadnezar die Auslieferung Jojakims, oder er würde Jerusalem vernichten. Der Sanhedrin informierte den König von der Forderung Nebukadnezars, worauf Jojakim fragte: „Ist es recht, mich zu Eurem Nutzen zu opfern?“ Der Sanhedrin erinnerte daraufhin an den Aufstand Schebas. Drei Monate danach setzte NebukadnezarJojakims Bruder Zidkija auf den Thron Davids, und in diesem Jahr begann Lehis Tätigkeit als Prophet.

In den folgenden Jahrhunderten wurde dies kontroversiell diskutiert. Generell vertraten die Sadduzäer die Ansicht, dass einer für das Wohl Vieler geopfert werden durfte, Pharisäer sprachen sich dagegen aus.

Mit der Zeit fand man hier jedoch gemeinsamen Boden. Die rabbinischen Gelehrten reduzierten das Opfern des Einen für das Wohl Vieler auf Fälle, wo der Eine ein anerkannter Führer war, die Person schuldig war und namentlich angefordert war und dass die Gruppe unschuldig, aber bei Weigerung mit Vernichtung bedroht war. All diese Elemente finden sich in der Geschichte von Labans Tod wieder.

Ein letzter biblischer Fall ist der von Jesus Christus, wo der Hohepriester Kajaphas, ein Sadduzäer, dieses bekannte Argument bringt, um Jesu Tod zu fordern (Joh 11:49-51). Der Evangelist schreibt diese Aussage darüber hinaus dem Geist Gottes zu.

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