1Nephi 4:11

1Ne 4:11 Und der Geist sagte zu mir wiederum: Siehe der Herr hat ihn in deine Hände ausgeliefert. Ja, und ich wusste, dass er gesucht hatte, mein eigenes Leben zu nehmen; ja, und er wollte nicht auf die Gebote Gottes hören; und er hatte auch unser Eigentum weggenommen.

Kommentar

Textvarianten

Und der Geist sagte zu mir

Der Schreiber 2 hat das führende „und“ nicht geschrieben, doch hat dieser Schreiber eine Tendenz, das anführende „und“ auszulassen und später selbst zu ergänzen. Oliver Cowdery hat das „und“ als Ergänzung über den Text geschrieben. Diese Ergänzung scheint plausibel, da im 1. Nephi sonst immer, wenn der Geist spricht, dies mit einem „und“ eingeleitet wird.

Da im Original (sowohl in Hebräischen/Ägyptischen Texten als auch im Originalmanuskript) (Ab-)Satzzeichen fehlen und im Hebräischen das Und als (Ab-)Satztrenner verwendet wird, ist es unwahrscheinlich, dass Joseph hier kein „und“ diktiert hatte.

Inhalt

Der Herr hat ihn in deine Hände ausgeliefert

Das Nehmen eines unschuldigen Lebens, Mord, ist in allen Kulturen, besonders aber unter dem Volk des Herrn, eine der schlimmsten Sünden, wenn nicht gar die schlimmste Sünde. Dementsprechend ist oft klar in Gesetzestexten geregelt, was Mord ist, und was nicht. So auch im Gesetz des Moses. Es ist interessant, dass der Geist hier Nephi das Gesetz des Mose zitiert, und zwar nicht in der deuteronomistischen, sondern in der ursprünglichen Fassung von Exodus 21:12-14.

Dies hat drei Elemente:

  • Der Täter handelt ohne Vorsatz
  • Der Herr gibt das Opfer in seine Hand (in der Einheitsübersetzung steht hier: „Gott lässt es durch seine Hand geschehen“, aber die King James Version hat hier den gleichen Text, wie das Buch Mormon: „Der Herr hat ihn in seine Hände ausgeliefert“.
  • Der Täter flüchtet aus dem Land an eine von Gott bestimmte Zufluchtsstätte

John W. Welch führt aus, dass Nephi vorsichtig ist, in seiner Schilderung zu schreiben, wie sehr er sich an das Gesetz hält:

  • Ich wusste nicht im voraus, was ich tun sollte (Vers 6) – kein Vorsatz
  • der Herr hat ihn in deine Hände ausgeliefert (Vers 11 und 12) – Es ist das Handeln des Herrn
  • Nephi verlässt Jerusalem zu dem Ort, an den Gott ihn führen würde (letztlich auf einen anderen Kontinent)

Nach dem Gesetz des Mose war Nephis Handeln also nicht Mord, sondern Tötung, die damit bestraft wurde, dass man zumindest eine Zeit lang aus dem Land verwiesen wurde.

Der Talmud führt aus, dass es verschiedene Abstufungen der Tötung gibt: fahrlässig, unfallartig, beinahe unvermeidbar, unter Zwang und gerechtfertigt.

Unter gerechtfertigt wird angeführt, wenn der zu tötende selbst schwer gesündigt hatte und wenn eine ganze Gruppe leiden würde, wenn der einzelne nicht getötet würde.

Laban hatte Laman fälschlich schwer beschuldigt, in einer Weise, die nicht nur Rufmord war, sondern unter den gegebenen Umständen zum Tod Lamans geführt hätte. Nach Deut 19:16-19 (die Einheitsübersetzung schränkt dies auf die falsche Beschuldigung der Anstiftung zum Aufruhr ein) ist eine gesetzeswirksame falsche Zeugenaussage so ein todwürdiges Verbrechen.

Weiters wird hier angemerkt, dass eine ganze Gruppe unter dem Weiterleben Labans zu leiden hätte, nämlich Lehis Nachkommen.

Insofern war eindeutig, dass es sich bei der Tötung Labans um eine gerechtfertigte Tötung handelte. Und dennoch macht Nephi auch klar, wie sehr ihm diese Handlungsweise widerstrebte. Der Geist musste ihn nicht nur einmal dazu zwingen, sondern gleich zwei Mal dazu drängen.

Gleichzeitig stellt sich Nephi hier auch wieder als Moses seiner Zeit dar: Auch Moses hatte gerechtfertigt einen Mann getötet und war dann für eine Zeit geflohen (siehe Ex 2:11-12)

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