1Nephi 4:10

1Ne 4:10 Und es begab sich, dass mich der Geist bedrängte, dass ich Laban töten sollte; aber ich sagte in meinem Herzen: Niemals zu irgendeiner Zeit hatte ich Menschenblut vergossen. Und ich zog mich erschreckt zurück und wünschte, dass ich ihn vielleicht nicht töten würde.

Kommentar

Übersetzung

Dass mich der Geist bedrängte

Im Englischen steht hier „I was constrained by the spirit”, das wörtlich bedeutet: „Ich war gefesselt/gehemmt/zwingend belegt/mit Zwang belegt/bedrängt“. Die Redewendung kommt in der Bibel in der King James Übersetzung vor, und zwar in Hiob 32:18. Die Einheitsübersetzung übersetzt es als „mich drängt der Geist“, Luther übersetzt: „weil mich der Geist … bedrängt.“, ebenso die Elberfelder („der Geist … bedrängt mich“). Das „Drängen“, wie es in der derzeitigen offiziellen Übersetzung der Kirche steht, scheint mir zu schwach und drückt den Konflikt Nephis zu wenig aus.

Menschenblut

Im Deutschen gibt es zusammengesetzte Worte, die einen Besitz ausdrücken, zum Beispiel „Königshaus“. Das ist das Haus des Königs. Im Hebräischen drückt man das „Haus König“ aus. Der Besitzer wird hintangestellt. Auch die Formulierung „Buch Mormon“ könnte man daher eigentlich als „Mormonsbuch“ übersetzen, was auch tatsächlich im Fall des Buches der Könige eine alternative ist. In manchen Texten liest man vom Königsbuch. In der englischen Bibel und im Buch Mormon wird diese Konstruktion mit dem Wort „of“ übersetzt: „Book of Kings“ oder „house of the king“ oder eben „Book of Mormon“.

In diesem Vers lesen wir von „blood of man“, dem Blut des Menschen. Es ist nicht „Blut eines Menschen“ (engl: blood of a man), sondern hier meint „man“ die ganze Klasse der Menschen. Dies ist, meiner Meinung nach, am Besten durch „Menschenblut“ übersetzt.

Ich zog mich erschreckt zurück

Im Englischen steht hier „I shrank“. To shrink kann, wenn gefolgt von „from something“, die Bedeutung „von etwas zurückschrecken“ haben. Diese Form haben wir hier jedoch nicht. Das restliche Bedeutungsfeld von „shrink“ handelt davon, dass etwas kleiner wird oder sich zusammenzieht, z.B. bei Stoff, der eingeht. Es drückt räumliche Distanz aus, aber auch das Kleinerwerden oder Verschwinden. Nephi schreckt nicht nur vor dem Gedanken zurück, er schafft auch räumliche Distanz. Er windet sich bei dem Gedanken, er nimmt aber auch eine entsprechende Körperhaltung ein.

Inhalt

Wann hat der Geist gedrängt?

Es scheint ein Wenig seltsam, dass Nephi zuerst beschreibt, dass er das Schwert zieht, und dann erst vom Geist gedrängt wird, dieses auch zu verwenden. Warum hat er es denn eigentlich zuerst gezogen? Um es zu bewundern?

Andererseits ist diese Erzählung Jahre nach dem Erlebnis geschrieben worden, und es kann einfach ein Versehen Nephis sein, dass die Reihenfolge vertauscht. Brant Gardener schlägt vor, dass der Geist Nephi zuerst dazu bewegte, das Schwert zu ziehen („ich wusste im Vorhinein nicht, was ich tun würde“), und dann den Gedanken aufdrängte, Laban zu töten.

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Ein Gedanke zu “1Nephi 4:10

  1. Die Tatsache,das Nephi zuerst das Schwert des Laban aus der Scheide gezogen hat und ihm dann erst Zweifel kamen, oder er erschrocken darüber war was er da macht. Sehe ich nicht als so widersprüchlich an.
    Ich verstehe das so: Nephi zog seinem zu allem fähigen Onkel Laban schnell sein Schwert aus die Scheide, um ihn zu entwaffnen. Der hätte ja auch ebenso gut munter werden können und ihn damit umbringen. Außerdem ist in einem Nahkampf doch derjenige der Sieger,der seinen Gegner entwaffnen kann. Dieser Akt des Herausziehens der Waffe muss nicht zwingend bedeuten, dass er zog um sofort seinen Gegner damit zu töten. Er zog die Waffe, um sie zu besitzen, als Sieger. Er beschreibt ja die Schönheit dieser Waffe und den materiellen Wert. Der Laban wäre ohne Waffe ja machtlos gegen ihn gewesen im Zweikampf.
    Erst als der Geist ihn drängte den Laban damit zu töten, schreckte er zurück, oder wurde ihm klar, was er da eigentlich tut.
    So verstehe ich diese Zene.

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