1Nephi 4:8,9

1Ne 4:8 Und als ich zu ihm kam, fand ich heraus, dass es Laban war

1Ne 4:9 Und ich sah sein Schwert, und ich zog es heraus aus dessen Scheide, und das Heft davon war aus purem Gold, und die Verarbeitung davon war außerordentlich erlesen, und ich sah, dass die Klinge davon aus dem kostbarsten Stahl war.

Kommentar

Textvarianten

Und…ich

Der Schreiber 2 schrieb ursprünglich:

& als ich zu ihm kam, & fand heraus, dass es Laban war, & sah sein Schwert, & ich zog es heraus aus dessen Scheide….

Dies ist zwar fürchterliches Englisch, könnte wäre aber syntaktisch richtige Grammatik:

Ein „als“-Satz mit zwei Prädikaten – jeweils eingeleitet durch „und“-, gefolgt von einem Hauptsatz.

Tatsächlich hat das Buch Mormon eine ganze Reihe von Versen, wo genau diese hebräische Grammatik verwendet wurde, zum Beispiel in 3Nephi 8:19, 3Nephi 12:1 und Mormon 6:11. In der 1830-Ausgabe konnte man noch deutlich mehr solcher Beispiele finden, diese wurden aber in folgenden Ausgaben eliminiert. Auch die deutsche Übersetzung der obigen Beispiele macht es schwer, die Konstruktion zu erkennen.

In den meisten dieser Fälle ist der „als“ Satz lang und komplex, mit mehreren eingeschlossenen Nebensätzen. Dagegen scheint 1Nephi 4:8-9 ziemlich einfach. Alle eingeschlossenen Prädikate sind kurz.

Allerdings passt das an dieser Stelle nicht, weil die Nebensätze die Geschichte weitertreiben, etwas, das so nicht sein dürfte. Die wesentliche neue Information müsste im Hauptsatz stehen, nicht in den Nebensätzen. Aus diesem Grund wird angenommen, dass es sich hier nicht um eine „als-und“ Konstruktion handelt.

Nachträglich hat Schreiber 2 verändert:

& als ich zu ihm kam, & (durchgestrichen) fand ich heraus, dass es Laban war, & sah sein Schwert, & ich zog es heraus aus dessen Scheide….

Das macht den Text zwar besser, aber nicht viel, und das führte zu einer weiteren Änderung: Als Oliver Cowdery das Originalmanuskript in das Druckermanuskript abschrieb, fügte er ein weiteres „ich“ ein, und zwar vor das Verb „sah“. Ebenso ersetzte er „&“ durch „und“:

Und als ich zu ihm kam, fand ich heraus, dass es Laban war, und ich sah sein Schwert, und ich zog es heraus aus dessen Scheide….

Es gibt andere Fälle, in denen der Schreiber 2 offensichtlich das „ich“ ursprünglich nicht im Text hatte und es nachträglich eingefügt wurde. Fälle, in denen kein Hebraismus „schuld“ daran sein kann. Insoferne ist die nachträgliche Ergänzung wahrscheinlich.

Eine letzte Möglichkeit wäre, dass Schreiber 2 einen Fehler bemerkte, aber das falsche „&“ gestrichen hat, dass der Text also eigentlich lauten sollte:

Und als ich zu ihm kam und herausfand, dass es Laban war, sah ich, sein Schwert und zog es heraus aus dessen Scheide.

Laut Skousen passt dies wiederum nicht zur Logik des Textes und der Erzählung. Deswegen ist die Variante des Druckermanuskript dem Originalmanuskript hier vorzuziehen.

Literarisches

Viele Und

Wir haben in den Versen 8 bis 10 viele (7) Satzanfänge mit „und“. Diese Redefigur bindet Teile einer Erzählung zusammen zu einer Auflistung, viele parallele Handlungsteile werden zu einem zentralen Gedanken, einer vereinenden Idee zusammengefügt. Im Griechischen nennt man das Polysyndeton. Im Alten Testament kommt diese Figur sehr häufig vor, meist wird jedoch das „und“ durch einen Beistrich ersetzt. Ein Beispiel dafür ist Josua 7:24.

Nephi will hier die Spannung steigern. Jedes „und“ weist weiter hin auf das unausweichliche Geschehen, das folgt.

Inhalt

Labans Schwert
Aus Stahl

Oft wird kritisiert, dass „Stahl“, wie wir ihn heute kennen, vor dem 19. Jahrhundert nicht bekannt war. Tatsächlich findet sich in der Bibel aber durchaus das Wort „Stahl“. Das hebräische Wort, das hier übersetzt wird, heißt eigentlich „hart“. Wir können daher davon ausgehen, dass es sich um besonders hartes Metall handelte. Und wenn es auch richtig ist, dass heutiger Stahl erst seit der Mitte des 18. Jahrhunderts hergestellt wird, so ist mittlerweile einfach gehärteter Stahl schon seit 3500 v.Chr. nachgewiesen.

Größe

Damalige Schwerter waren zwischen 0.75 und 1m lang. Die Beschreibung Nephis deutet auf eine Spezialanfertigung hin, mit der der Träger seine Vormachtstellung in der Gesellschaft demonstrierte.

Labans Schwert wird möglicherweise eher 1m lang gewesen sein. Mit einem kurzen Schwert ist es schwieriger, jemand zu köpfen.

Goldheft

Das Heft bestand üblicherweise aus Holz, das um die Angel (den Teil der Klinge, der das „Innenleben“ des Griffs ausmacht) gelegt wird. Dieses wird mit einem Geflecht aus Leder, Stoff oder Metall umwickelt. Diese Wicklung hält einerseits das Holz zusammen, andererseits sorgt sie dafür, dass das Schwert gut und sicher in der Hand liegt.

Ein Foto eines Schwertes mit Goldheft findet sich hier. Dieses Schwert stammt aus dem Iran, 7. Jahrhundert nach Christus.

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Ein Gedanke zu “1Nephi 4:8,9

  1. „Steel“ was difficult to make in large quantities, in ancient times, and tended to be brittle. An all-steel sword, were it possible, would be easy to break. Even up to fairly modern times, swords were often made with an iron core, for flexibility, and either a steel edge forge-welded on, or a tempered (hardened) iron edge. The „Mary Rose Rapier,“ of 1545, found on the wreck of the Mary Rose, was made this way. An iron-steel sword, in the hands of a very large, very strong man, like Nephi, would be a devastating weapon.

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