1Nephi 4:4

4 Nun, als ich diese Worte gesprochen hatte, waren sie, jeder einzelne von ihnen, noch immer erzürnt, und fuhren noch immer fort zu murren; dennoch folgten sie mir hinauf, bis wir zu den Mauern Jerusalems kamen.

Kommentar

Textvarianten

Waren sie noch immer erzürnt

Im Original steht hier „they was“ (Mehrzahl Subjekt, Einzahl Verb). Es gibt im Buch Mormon einige solche grammatikalisch problematische Vorkommnisse von Mehrzahl und widersprüchlicher Einzahl. In manchen Fällen kann das auf den Dialekt der Schreiber zurückgeführt werden. Es gibt auch Fälle, in denen der Schreiber die grammatikalisch richtige Form schrieb und dann ausbesserte, was entweder auf Josephs Sprechweise zurückzuführen ist, oder aber auf solche Form in der Originalsprache, denn:

Im Hebräischen und in anderen alten Sprachen gibt es diese Form, und sie bedeutet dann, dass jeder einzelne der Gruppe etwas tat.

Ich halte letzeres für die wahrscheinlichste Möglichkeit und habe entsprechend übersetzt.

Nephi will dadurch darauf hinweisen, wie sehr seine Brüder sich im Murren einig waren, gleichzeitig aber auch, dass nicht nur Laman gemurrt hat, und Lemuel (und Sam?) nicht nur einfach still waren.

Inhalt

Die Wirkung von Nephis Worten

Interessanter Weise bewirken Nephis Worte mehr als die eines Engels: Die Brüder kommen mit.

Dennoch murren die Brüder weiter. Mit Nephi neigen wir dazu, dies als einen Beweis für die Widersetzlichkeit der Brüder zu sehen. Aber denken wir an Jesu Gleichnis von den ungleichen Söhnen (Matthäus 21:28-32). Der eine Sohn verspricht, etwas zu tun, tut es aber nicht. Der zweite weigert sich, tut es aber dann doch. Offensichtlich sagt uns Jesus hier, dass widerstrebendes Handeln doch besser ist, als nicht zu handeln und leere Versprechungen zu machen. Andererseits denken wir hier aber auch an LuB 58:26, wo verheißen ist, dass jemand, dem in allem geboten werden muss und dann nur halbherzig handelt, keinen Lohn zu erwarten hat.

Vielleicht ist es gut, wenn wir bei uns selbst nach LuB 58 vorgehen, in der Beurteilung anderer Menschen jedoch nach dem Gleichnis der ungleichen Söhne.

Mauern Jerusalems

Josephs Schreiber für diesen Vers ist Oliver Cowdery. Emma Smith war anwesend. Sie beschreibt die Begebenheit so:

Als mein Ehemann das Buch Mormon übersetzte, schrieb ich einen Teil davon, wie er jeden Satz diktierte, Wort für Wort, und wenn er zu Eigennamen kam, die er nicht aussprechen konnte, oder lange Wörter, dann buchstabierte er sie, und wenn ich sie schrieb, wenn ich in der Rechtschreibung irgendeinen Fehler machte, unterbrach er mich und korrigierte meine Rechtschreibung, obwohl es für ihn unmöglich war, zu sehen, wie ich sie zu diesem Zeitpunkt niederschrieb. Selbst das Wort Sariah konnte er zunächst nicht aussprechen, sondern mußte es buchstabieren, und ich sprach es für ihn aus.

Wenn er aus irgendeinem Grund zu irgendeiner Zeit eine Pause machte und dann wieder fortfuhr, began er dort, wo er aufgehört hatte, ohne zu zögern, und einmal, als er übersetzte, unterbrach er plötzlich, weiß wie eine Wand, und sagte: ‘Emma, hatte Jerusalem Mauern um die Stadt herum?‘ Als ich „Ja“ antwortete, antwortete er: „Oh! Ich wußte das nicht. Ich habe gefürchtet, daß ich getäuscht worden war.” Er hatte zu dieser Zeit ein so eingeschränktes Wissen von Geschichte, dass er nicht einmal wußte, dass Jerusalem von Stadtmauern umgeben war.

David Whitmer erzählt die gleiche Geschichte, offensichtlich jedoch vom Hörensagen, und er fügt ein, dass Joseph erst beruhigt war, als man ihm aus der Bibel zeigte, dass Jerusalem Mauern hatte. Ob Emma nicht alles erzählt hat, oder ob David hier die Erzählung, bewusst oder unbewusst, ausgeschmückt hat, wissen wir nicht.

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3 Gedanken zu “1Nephi 4:4

  1. Anmerkung von Jens Curwy vom 17.04.2015 zu 1 Nephi 4:4:
    Waren sie noch immer erzürnt

    „Im Original steht hier „they was“ (Mehrzahl Subjekt, Einzahl Verb). Es gibt im Buch Mormon einige solche grammatikalisch problematische Vorkommnisse von Mehrzahl und widersprüchlicher Einzahl. In manchen Fällen kann das auf den Dialekt der Schreiber zurückgeführt werden. Es gibt auch Fälle, in denen der Schreiber die grammatikalisch richtige Form schrieb und dann ausbesserte, was entweder auf Josephs Sprechweise zurückzuführen ist, oder aber auf solche Form in der Originalsprache, denn:

    Im Hebräischen und in anderen alten Sprachen gibt es diese Form, und sie bedeutet dann, dass jeder einzelne der Gruppe etwas tat.“

    Spannend wird es ja noch, was die Übersetzung angeht im Buch Mormon 9:32-37: 32 Und nun siehe, wir haben diesen Bericht geschrieben gemäß unserer Kenntnis, in der Schrift, die wir unter uns reformiertes Ägyptisch nennen, überliefert und von uns gemäß unserer Sprechweise abgeändert. Mormon 9:33 Und wenn unsere Platten groß genug gewesen wären, so hätten wir hebräisch geschrieben; aber auch das Hebräische ist von uns abgeändert worden; und wenn wir hebräisch hätten schreiben können, siehe, so hättet ihr in unserem Bericht keine Unvollkommenheit gehabt. Mormon 9:34 Aber der Herr weiß das, was wir geschrieben haben, und auch, daß kein anderes Volk unsere Sprache kennt; darum hat er für deren Übersetzung Mittel vorbereitet. Mormon 9:35 Und dies ist geschrieben, damit wir unsere Kleider vom Blut unserer Brüder reinigen, die in Unglauben verfallen sind. Mormon 9:36 Und siehe, was wir in bezug auf unsere Brüder gewünscht haben, ja, nämlich daß sie Christus wiederum erkennen, ist gemäß den Gebeten aller Heiligen, die in dem Land gewohnt haben. Mormon 9:37 Und möge der Herr Jesus Christus gewähren, daß ihre Gebete gemäß ihrem festen Glauben erhört werden; und möge Gott der Vater des Bundes gedenken, den er mit dem Haus Israel gemacht hat; und möge er sie immerdar segnen durch festen Glauben an den Namen Jesu Christi. Amen.

    Wir sehen hier also, daß ein Gebet etwa 1400 Jahre später erfüllt wurde, in dem Gott eben Joseph Smith den Urim und Tummim, von dem ja auch in der Bibel berichtet wird, gegeben hat. Und wenn Joseph Smith jun. Die Vollmacht von Gott hatte, das Buch Mormon zu übersetzen, dann ist auch verständlich, wieso er nach Mittagspausen an selber Stelle weitermachte, ohne nochmal nachsehen zu müssen, was er zuletzt übersetzte oder schreiben ließ. Jetzt mag man vielleicht bemerken, daß es ja dann keine Übersetzungsfehler hätte geben dürfen. Aber selbst in der Bibel, Gottes Wort, wurde gelegentlich falsch übersetzt und man erkennt sie an. Entscheidend ist ja, daß, wenn alle Bibeln verbrannt würden, wir trotzdem durch das Buch Mormon die Fülle des Evangeliums haben sowie das Buch der Gebote, Lehre und Bündnisse. Hier kommt es also nicht unbedingt immer auf das einzelne Wort an, sondern um den Wesenskern der sich dahinter verbirgt. Eine Schriftstelle wird von fünf Lesern unterschiedlich gedeutet. Trotzdem können sich die Brüder einig nennen, weil ja die Antwort für jeden einzelnen sich persönlich bezieht, obwohl wir in Christus eins sind oder sein sollen. Schön ist, dass in der Letzten Evangeliumszeit alles geoffenbart wird. Denn auch ich sehe nicht immer gleich die Richtigkeit einer Sache. Deswegen dienen uns Schriftstellen wie im Buch Mormon 9 unsere Zweifel auszuräumen, denn schließlich wird immer wieder geschrieben: Und es begab sich. Aber warum? Weil es sich begab. Zweifeln Sie daher nicht an ihrem Glauben, sondern zweifeln sie zuerst an ihren Zweifeln (Dieter F. Uchtdorf). Im Namen Jesu Christi. Amen.

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