1Nephi 4:2

2 Darum lasst uns hinaufgehen; lasst uns stark sein gleich wie Moses; denn er sprach wahrhaftig zu den Wassern des Roten Meeres und sie teilten sich hierhin und dorthin, und unsere Väter kamen durch, aus der Gefangenschaft, auf trockenem Boden, und die Armeen des Pharaoh folgten und wurden in den Wassern des Roten Meeres ertränkt.

Kommentar

Inhalt

Gleich wie Moses

Nachdem Nephi seine Erzählung nach dem Schema von „Joseph und seine Brüder“ aufbaut, wobei er sich selbst als Joseph darstellt, der auserkoren ist über seine Brüder zu herrschen, die darüber ärgerlich sind und ihn fesseln und umbringen wollen, spricht er sie hier auf Moses an, der für das damalige Establishment in Israel (und für Nephis konformistische Brüder) wichtiger war, als jeder andere Prophet.

Wenn wir nun die Geschichte des Moses mit der von Nephi vergleichen, so finden wir hier ebenso einen Propheten, dessen Volk und Brüder widerwillig und unter viel Murren folgen. Nephi macht hier wiederum deutlich, wer seiner Erzählung Moses nachfolgt, und wer dem murrenden Volk.

Rotes Meer

Im Jahr 1965 publizierte der Alttestamentler Norman H. Snaith (The Sea of Reeds: The Red Sea) seine Vermutung, dass das Volk Israel nicht das Rote Meer überquerten, sondern dass die hebräischen Worte yam sûp besser als „Schilfmeer“ übersetzt werden sollten. Rotes Meer wäre „yam adam“. Die Gleichsetzung von yam sûp wäre erst viel später geschehen.

Von daher meinen nun manche Gegner des Buches Mormon, dass es sich hierbei um einen Fehler handelt, der aus der King James Bibel weitergetragen wurde. In einem von Gott durch Offenbarung gegebenen Buch kann es keinen Fehler geben, und daher wäre das Buch Mormon nicht von Gott durch Offenbarung gegeben.

Sie übersehen dabei aber, dass Snaith selbst schrieb, dass die Gleichsetzung von yam sûp mit dem Roten Meer in deuteronomistischer Zeit passierte, also in der Reform Joschijas. Für Nephi war es daher so oder so selbstverständlich, anzunehmen, dass Moses das Volk durch das Rote Meer führte.

Nephis Worte sind also nicht eine Darlegung des Faktums, wo das Volk Israel das Meer überquerte, sondern nur eine Erklärung des Wunders, so wie es ihm und seinen Brüdern bekannt war.

Eine ähnliche Situation haben wir auch im Neuen Testament, das an vielen Stellen die Septuaginta-Übersetzung des Alten Testamentes voraussetzt und zitiert, auch wenn die meisten Bibeln heute vom Masoretischen Text ausgehen, der von der Septuaginta deutlich abweicht.

Weiters wurde Snaith’s Vermutung widerlegt. Bernard F. Batto weist in seinem Artikel „Red Sea or Reed Sea?: How the Mistake Was Made and What Yam Sûp Really Means“ (Biblical Archaeology Review 10:4 (July/August 1984): 56–63) nach, daß Yam Sûp verwendet wurde, um das Meer zu beschreiben, das die umgebende Geographie abgrenzt, und zwar sowohl für das Rote Meer, als auch für den Persischen Golf und den Indischen Ozean.

Selbst wenn „Rotes Meer“ definitiv falsch wäre und selbst wenn Nephi das gewußt hätte: Wenn Nephi hier „Schilfmeer“ geschrieben hätte, dann hätte von 1830 bis 1965 kein Leser dies verstanden. Es wäre also unsinnig, hier etwas Anderes zu erwarten, als Nephi geschrieben und Joseph Smith übersetzt hat.

Andererseits ist dies auch ein gutes Beispiel für ein Prinzip, das Brigham Young erklärt hat:

„…ich glaube nicht einmal, dass es eine einzige Offenbarung gibt, unter den vielen, die Gott der Kirche gegeben hat, die in ihrer Fülle vollkommen ist. Die Offenbarungen Gottes enthalten korrekte Lehre und Prinzipien, so weit sie gehen; aber es ist unmöglich für die armen, schwachen, niederen, kriechenden, sündigen Einwohner der Erde, eine Offenbarung des Allmächtigen in all ihrer Vollkommenheit zu empfangen. Er muß zu uns in einer Weise sprechen, das dem Ausmaß unserer Fähigkeiten entspricht….
Wenn ein Engel diese Versammlung besuchen würde, oder einen Einzelnen daraus, und die Sprache verwenden würde, die er ihm Himmel verwendet, was würden wir davon profitieren? Gar nichts, denn wir würden nicht ein Wort von dem verstehen, was er sagt.“

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2 Gedanken zu “1Nephi 4:2

  1. Anmerkung Jens Curwy zu 1 Nephi 4:2 vom 11.02.2015:
    Deswegen steht ja auch irgendwo geschrieben, daß der Herr uns Zeile um Zeile und Weisung um Weisung geben tut. Auch zu Zeiten der ersten Apostel konnten viele Anhänger Jesu noch nicht alles verstehen, also nur Milch statt Fleisch bekommen. Ich kann ja auch nicht ein Auto fahren, wenn man es mir nicht erklärt hat. Da hilft dann nur Glaube. 🙂
    Ich fand es auch sehr interessant beim ersten Mal lesen, daß er „wahrhaftig“ zu den Wasser des Roten Meeres sprach. Auch wenn Wissenschaft bvehauptet, dass das Rote Meer damals recht flach gewesen zu sein scheint, so scheint es doch tief genug gewesen zu sein, damit die Ägypter ertrinken konnten.
    Es ist sehr spannend Das Buch Mormon-Ein weiterer Zeuge für Jesus Christus gemeinsam mit der Bibel zu lesen.

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    • Anmerkung von Jens Curwy vom 17.04.2015 zu 1 Nephi 4:2:
      Ich fand es beim ersten Mal Lesen dieser Schriftstelle interessant, daß Nephi hier sagt: wahrhaftig. Wir sollen ja ein vorbildliches Leben führen, damit wir anderen ein Licht sein können. Dazu gehört auch unbedingt Mut.

      Waren Sie schon einmal mutig? Und wie fühlten Sie sich dabei?

      Nephi war so ein mutiger Mensch. Auch Joseph Smith jun.. Aber wie wir sehen findet Mut die Zustimmung des Herrn. Wir müssen also Mut haben standzuhalten. Mut haben zu gehorchen. Mut wird uns das ganze Leben begleiten. Wir brauchen Mut für Wahrheit einzutreten. Manchmal ist es eben besser anders zu sein, auch wenn wir gemieden werden. Doch so sehen wir, was Gott für uns tun kann, wenn wir diesen Mut aufbringen. Viele bringen leider den Mut nicht auf ihren Glauben zu leben. Sie würden als Märtyrer für ihren Glauben sterben, anstatt nach ihm zu leben. Die Zeichen der Zeit machen es sichtbar. Deswegen: Lasst uns wirklich stark werden wie Mose, denn er hat wahrhaftig Mut gehabt.

      Anmerkung zu „…ich glaube nicht einmal, dass es eine einzige Offenbarung gibt, unter den vielen, die Gott der Kirche gegeben hat, die in ihrer Fülle vollkommen ist. Die Offenbarungen Gottes enthalten korrekte Lehre und Prinzipien, so weit sie gehen; aber es ist unmöglich für die armen, schwachen, niederen, kriechenden, sündigen Einwohner der Erde, eine Offenbarung des Allmächtigen in all ihrer Vollkommenheit zu empfangen. Er muß zu uns in einer Weise sprechen, das dem Ausmaß unserer Fähigkeiten entspricht….

      Das ist auch verständlich. Denn wenn ich die Physik der 8. Klasse in der 3. Klasse nicht verstehen kann, dann hat das Gründe. Deswegen gibt uns Gott ja auch Zeile um Zeile, Weisung um Weisung. Wie schwer die Menschen die Weisungen Gottes verstehen ist allgegenwärtig zu sehen. Du sollst nicht töten. Du sollst nicht Ehebrechen. Aber was wird getan? Schauen wir, was im Mormon 9:32-37 steht:

      9. KAPITEL Moroni ruft jene zur Umkehr, die nicht an Christus glauben—Er verkündet einen Gott der Wundertaten, der Offenbarungen gibt und Gaben und Zeichen über die Glaubenstreuen ausschüttet—Wundertaten hören infolge von Unglauben auf—Zeichen folgen denen, die glauben—Die Menschen werden ermahnt, weise zu sein und die Gebote zu halten. Um 401–421 n. Chr.

      32 Und nun siehe, wir haben diesen Bericht geschrieben gemäß unserer Kenntnis, in der Schrift, die wir unter uns das reformierte Ägyptisch nennen, die überliefert und von uns gemäß unserer Sprechweise abgeändert wurde.

      33 Und wenn unsere Platten groß genug gewesen wären, so hätten wir hebräisch geschrieben; aber auch das Hebräische ist von uns abgeändert worden; und wenn wir hebräisch hätten schreiben können, siehe, so hättet ihr in unserem Bericht keine Unvollkommenheit gehabt.

      34 Aber der Herr weiß all das, was wir geschrieben haben, und auch, daß kein anderes Volk unsere Sprache kennt; und weil es so ist, daß kein anderes Volk unsere Sprache kennt, darum hat er für deren Übersetzung Mittel vorbereitet.

      35 Und dies alles ist geschrieben, damit wir unsere Kleider vom Blut unserer Brüder rein machen, die in Unglauben verfallen sind.

      36 Und siehe, dies alles, was wir in bezug auf unsere Brüder gewünscht haben, ja, nämlich, ihre Wiederherstellung zur Erkenntnis Christi, ist gemäß den Gebeten aller Heiligen, die in dem Land gewohnt haben.

      37 Und möge der Herr Jesus Christus gewähren, daß ihre Gebete gemäß ihrem Glauben erhört werden; und möge Gott, der Vater, des Bundes gedenken, den er mit dem Haus Israel gemacht hat; und möge er sie immerdar segnen durch Glauben an den Namen Jesu Christi. Amen.

      Wir können also das Evangelium noch so verkomplizieren, es ist letztendlich ganz einfach: Haltet die Gebote. Menschen machen wie gesagt Fehler. Und Schreibfehler kommen eben manchmal vor. Es kann aber die Teilung des Roten Meeres nicht widerlegen, möge man es auch Schilfmeer nennen. Und Nephi spricht ja hier auch eindeutig vom Roten Meer, und nicht vom Schilfmeer. Doch Gott weiß was wir geschrieben haben, egal in welcher Sprache und wird es zu seiner ihm am weisesten Zeit für uns offenbaren. Doch dazu müssen wir uns den Heiligen Geist einladen und lernen, lernen, lernen. Glaube versetzt wie gesagt Berge. Im Namen Jesu Christi. Amen.

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