1 Nephi 3:25-28

25 Und es begab sich, dass, als Laban unser Eigentum sah, dass es außerordentlich großartig war, es ihn danach gelüstete, und er sandte seine Diener, uns zu erschlagen, dass er unser Eigentum erhalten möge.

26 Und es begab sich, dass wir vor den Dienern Labans flohen, und wir waren gezwungen, unser Eigentum zurück zu lassen, und es fiel in die Hände Labans.

27 Und es begab sich, dass wir in die Wildnis flohen, und die Diener Labans holten uns nicht ein, und wir versteckten uns in einer Höhle im Stein.

28 Und es begab sich, dass Laman mir zürnte, und auch meinem Vater – und ebenso Lemuel, denn er hörte auf die Worte Lamans. Darum sprachen Laman und Lemuel viele harte Dinge gegen uns, ihre jüngeren Brüder, und sie schlugen uns sogar mit einer Rute.

Kommentar

Textvarianten

als Laban unser Eigentum sah, dass

In der 1830 Ausgabe hat der Drucker hier ein „und“ eingefügt, das nicht nur unnötig ist, sondern auch die Satzstruktur stört.

Laman mir zürnte, und auch meinem Vater – und ebenso Lemuel

Skousen empfiehlt einen Bindestrich statt eines Beistriches oder Strichpunktes nach „Vater“, um klar zu machen, dass es sich hier um einen Nebensatz handelt, eine Ergänzung zum zürnenden Laman.

In den verschiedenen Ausgaben ist von der Grammatik her nicht eindeutig, ob Laman auch Lemuel zürnte, oder ob Lemuel auf Lamans Seite stand. Der Zusammenhang erklärt es zwar, aber es gibt auch Varianten, in denen es heißt, dass Laman Lemuel zürnte – was keinen Sinn macht.

Der Bindestrich erhält die ursprüngliche Wortwahl und Grammatik am Besten, während er deutlichere Klarheit gibt.

Struktur

Und es begab sich, dass, als Laban unser Eigentum sah, dass es außerordentlich großartig war, es ihn danach gelüstete, und er sandte seine Diener, uns zu erschlagen, dass er unser Eigentum erhalten möge.

…Und es begab sich, dass wir vor den Dienern Labans flohen,
…und wir waren gezwungen, unser Eigentum zurück zu lassen,
…und es fiel in die Hände Labans.
…Und es begab sich, dass wir in die Wildnis flohen,
…und die Diener Labans holten uns nicht ein,
…und wir versteckten uns in einer Höhle im Stein.
…Und es begab sich, dass Laman mir zürnte,
…und auch meinem Vater
…– und ebenso Lemuel, denn er hörte auf die Worte Lamans.

Darum sprachen Laman und Lemuel viele harte Dinge gegen uns, ihre jüngeren Brüder, und sie schlugen uns sogar mit einer Rute.

Im Hebräischen gibt es keinen Beistrich, und daher sind Aufzählungen immer mit „und“ verbunden. In der Bibel ist dies oft nicht so übersetzt, da das im Deutschen seltsam klingt.

In diesem Falle bindet das „und“ die Geschichte zusammen.

Inhalt

Flohen.. in eine Höhle im Stein

In Jesaja 2:10 werden die Höhlen im Stein erwähnt. Brant Gardner erwähnt (dabei auf George M. Lamsa verweisend), dass die hebräische Phrase „in einen Stein fliehen“ gleichbedeutend ist mit „um sein Leben fliehen“.

Im Jahr 1961 wurde südwestlich von Jerusalem eine Höhle mit Wandmalerei gefunden, die „Khirbet beit Lei“ genannt wurde („Ruine des Hauses des Lei“). Die Ähnlichkeit des Namens „Lei“ zu „Lehi“ zog das Interesse vieler Mitglieder der Kirche auf sich, vorallem, da die Malerei recht grob drei Menschen und zwei Schiffe darstellt, und darunter findet sich die Inschrift:

„Jahwe ist der Gott der ganzen Erde;

Die Berge Judas gehören ihm, dem Gott Jerusalems.“
„Der (Berg) Moria bevorzugt

Das Heim von Jah, Jahwe“

„Jahwe errette uns!“

Die Inschriften wurden auf ungefähr 587 bzw kurz davor datiert.

Frank Moore Cross schreibt dazu:

„Es ist schwer, die Spekulation zu vermeiden, dass Inschrift A [die ersten zwei Zeilen des Textes] ein Zitat einer verlorenen Prophezeiung sei, und dass die sie begleitenden Inschriften von Flüchtlingen … geschrieben worden sind. Viele Dokumente, und besonere Manuskripte und Papyri, die in Höhlen Palästinas gefunden wurden, wurden hinterlassen von Menschen in solchen Umständen. Dies mag auch für diese Wandmalerein gelten. Vielleicht sind die solche Spekulationen auf zu wenig Tatsachen basiert; jedenfalls sollten wir die Versuchung unterdrücken, vorzuschlagen, dass die Prophezeiung und die Fürbitten das Werk eines Propheten und seines Schreibers seien, die aus Jerusalem flohen.“

Die Höhle und Inschrift kann uns als charakteristisch für die Zeit Lehis dienen, und dass damals viele aus Jerusalem und in Höhlen flohen, es handelt sich aber ziemlich sicher nicht um die Höhle, in die die Brüder flohen. Mehr dazu, inklusive Bildern, hier.

Waren zornig

Offensichtlich war Laman bereit, den ersten Schritt zu tun und mit Laban zu reden. Laman und Lemuel ließen sich auch noch zu einem zweiten Versuch überreden. Aber als auch Nephis Versuch fehlgeschlagen waren, hatte sich für die beiden offensichtlich und deutlich gezeigt, dass Lehi und Nephi keine Propheten waren, sondern ihren Einbildungen folgten.

Noch schlimmer wog für sie wohl, dass sie mit dieser Aktion ihr Erbteil verloren hatten – und das, wie sie meinten, nur für die Phantastereien ihres Vaters. Und wieder waren sie gerade noch mit dem nackten Leben davon gekommen.

Die Brüder wollten aufgeben und Sam, vorallem aber Nephi davon überzeugen, dass ein weitere Versuch sinnlos sei. Das Unglaubliche scheint hier nicht zu sein, dass Laman und Lemuel keinen Glauben an die Worte des Vaters hatten, sondern dass sie so weit mitgekommen waren.

sie schlugen uns sogar mit einer Rute

Zwei Brüder schlugen zwei andere Brüder mit einer Rute. Ist die Einzahl hier absichtlich? Oder hat einer zwei Brüder gehalten, während der andere mit einer Rute schlug?

Diese Erzählung scheint wiederum ein Versuch Nephis zu sein, die klaren Fronten zwischen den rechtschaffenen und den schlechten Brüdern aufzuzeigen, genau so wie ein paar Verse später, als er Laman und Lemuel gemeinsam mit gleichen Worten murren lässt.

Ich nehme an, Laman hier wieder der federführende (oder besser: rutenführende) war, während Lemuel ihn „nur“ unterstützt hat.

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