1 Nephi 3:23,24

23 Und nachdem wir diese Dinge zusammengesammelt hatten, gingen wir wieder hinauf zum Haus Labans.

24 Und es begab sich, dass wir zu Laban hinein gingen, und wünschten von ihm, dass er uns die Aufzeichnungen geben würde, die auf den Messingplatten eingraviert waren, für die wir ihm unser Gold und unser Silber und all unsere kostbaren Dinge geben würden.

25 Und es begab sich, dass, als Laban unser Eigentum sah – dass es außerordentlich großartig -, er danach gelüstete, so sehr, dass er uns ausstieß, und sandte seine Diener, uns zu erschlagen, dass sie unser Eigentum erlangen mögen.

Kommentar

Textvarianten

sah – dass

zwischen diesen beiden Worten fügte der Setzer in der ersten Ausgabe des Buches Mormon irrtümlich ein “und” ein. Dies verändert die Satzstellung. Der Text funktioniert ohne dieses „und“ besser.

Historisches

Dem Beispiel von Brant Gardner folgend möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, daß Hugh Nibley diese Erzählung mit der „Geschichte von Wenamun“ aus Byblos vergleicht, die etwa 500 Jahre vor Lehis Zeit aufgezeichnet ist. Darin geht es um einen ägyptischen Gesandten, der von Zekar Baal, einem Potenaten, etwas ausgehändigt bekommen will. Er geht zu Zekar Baal, der in seiner Kammer sitzt (wie Laban in seinem Haus sitzt) und trägt seine Bitte vor. Zekar Baal wird wütend und beschuldigt ihn, ein Dieb zu sein (Laban beschuldigt Laman, ein Räuber zu sein). Daraufhin weist Wenamon Dokumente vor (Lehis Söhne versuchen es mit Wertgegenständen). Zekar Baal schickt Wenamon fort, angeblich um ihm zu helfen, statt dessen überlässt er den Ägypter dann der Gnade von Piraten.

Technisch gesehen haben die Söhne Lehis wahrscheinlich nicht ein Kaufangebot gemacht – das wäre untypisch für die Zeit und Gegend gewesen – sondern eher versucht, Laban mit Geschenken günstig zu stimmen und das Argument zu entkräften, dass sie Räuber seien. Damit hat sich Laban auch technisch nicht schuldig gemacht, als er die Geschenke ohne Gegenleistung behielt und die Söhne Lehis mit Gewalt vertrieb. Moralisch jedoch wäre er nach nahöstlicher Sitte verpflichtet gewesen, sie gut zu behandeln und ihnen zumindest irgendeinen Gegenwert zu geben.

Nephi zeigt damit, wie er diese Geschichte erzählt, daß Laban nicht nur gegen das Gebot Gottes (erster Versuch, die Platten zu erlangen), sondern auch gegen die guten Sitten, besonders das Gebot der Gastfreundschaft (zweiter Versuch) verstieß, was Nephi nach damaligem Verständnis das Recht gab, ihn zu töten.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s