1Nephi 3:16

Somit lasst uns glaubenstreu sein im Halten der Gebote Gottes; deshalb lasst und hinunter in das Land der Erbteils unseres Vaters gehen, denn siehe, er hat Gold und Silber und aller Art Reichtümer zurückgelassen. Und all dies hat er getan wegen des Gebotes.

Kommentar

Textvarianten

Wegen des Gebotes

Der unbekannte Schreiber Nummer 2, der diesen Text im Originalmanuskript geschrieben hat, schrieb „wegen des Gebotes“.

Im Druckermanuskript änderte Oliver Cowdery „Wegen der Gebote des Herrn“. Diese Ergänzung ist zum Textverständnis nicht notwendig.

Statistisch gesehen haben wir im Originalmanuskript viel häufiger „die Gebote“ als „das Gebot“, und wenn in der Einzahl,  finden wir meist „das Gebot des X“. Ansonsten ist „das Gebot“ gefolgt von einem Nebensatz.

„das Gebot“ ohne irgendeine Ergänzungen finden wir sonst nur in 3. Nephi 27:20, wo das Gebot, um das es geht, direkt darauf folgt.

Die aktuelle Schriftstelle jedoch wäre einzigartig, da „das Gebot“ ohne jegliche Ergänzung stehen würde.

Schreiber 2 hat aber auch an anderen Stellen das Abschluß-s, das im Englischen die Mehrzahlendung ist, weggelassen, sodass wir nicht sicher sein können, ob „wegen des Gebotes“ oder „wegen der Gebote“ beabsichtigt war. „Wegen der Gebote“ würde allgemein ausdrücken, dass Reichtum etwas ist, das zurückgelassen werden soll, weil er nicht wesentlich ist, „wegen des Gebotes“ würde dagegen erklären dass Lehi explizit geboten worden war, seine Reichtümer zurück zu lassen (1Nephi 2:4).
Letzteres macht meiner Meinung nach mehr Sinn, und auch Skousen gibt in seinem kritischen Text diese Variante als Empfehlung.

Parallelismus

Mit Vers 16 beginnt eine Struktur, die bis zum Vers 22 geht. Ich werde die ganze Struktur dann im Kommentar zu Vers 22 darlegen.

Inhalt

Das Land des Erbteils unseres Vaters

Dieses Land ist nicht in und um Jerusalem, auch wenn Lehis Haus in der Jerusalemer Neustadt stand. Lehi war, wie wir später noch hören, Mannassit. Und um Lehis Erbland zu erreichen, mussten sein eSöhne von Jerusalem (wo sie zu diesem Zeitpunkt waren) „hinunter“ gehen. Wir wissen nicht genau, wo im Gebiet von Manasse Lehis Erbland war, es ist aber wahrscheinlich, dass Lehi aus der Gegend westlich des Jordan, nördlich von Taffu,  zwischen Tirzah (heute Tel el-Farah) und dem heutigen Jenin stammt, da seine Vorfahren höchst wahrscheinlich mit der zweiten Einwanderungswelle (724 c.Chr.) aus Manasse gekommen sind. Chadwick schließt das aus mehreren Indizien:

  1. Lehi hatte noch ein Land im Stammland von Manasseh. Wären seine Vorfahren mit der ersten Welle – also zur Zeit König Asas (300 Jahre vor Lehi) – zugewandert, hätte er wohl von keinem Erbland mehr gewußt.
  2. Die Zuwanderer der ersten Welle waren Flüchtlinge, aber Manasse und Juda waren zu der Zeit verfeindet. Durch die Flucht nach Jerusalem hätten sie wohl jeden Anspruch auf Erbland verloren.

Nehmen wir dagegen an, dass Lehis Großeltern oder Urgroßeltern der Verschleppung durch die Assyrer entgangen waren, indem sie nach Jerusalem geflüchtet waren, dann ergeben sich diese Probleme nicht. Wir finden in der Bibel nur  wenig über diese Einwanderung, zB. in 2Chron 30:6.

Unter dieser Annahme ist das Land des Erbteils Lehis etwas über 100km von Jerusalem entfernt. Eine Tagesstrecke sind etwa 25km. Der Weg zum Land des Erbteils und zurück dauerte also wahrscheinlich 8 Tage.

Damit wird auch erklärt, wieso Saria später annahm, ihre Söhne seien gestorben, da sie diesen „Umweg“ wohl nicht erwartet hatte.

Gold und Silber und aller Art Reichtümer

Nephi spricht aus dem Wissen von persönlicher Offenbarung. Er weiß, dass sie mit den Platten zurückkehren werden. Er weiß nur noch nicht, wie das Ziel zu erreichen ist, und er sucht nach einer Lösung. Nachdem es nicht möglich war, Laban vom persönlichen Gebot Gottes zu überzeugen, schlägt er nun vor, Geschenke zu machen – etwas, das – wie wir schon gehört haben – damalige Statthalter erwarteten. Nephi wollte nicht die Platten kaufen, sondern durch Geschenke Laban moralisch verpflichten, ihm zu helfen. Als Laban dies ausschließt und die Geschenke behält, bricht er kein Gesetz, auch wenn er gegen die guten Sitten handelt.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s