1Nephi 2:16-17

16 Und es begab sich, dass ich, Nephi, der ich äußerst jung war, der ich jedoch von großer Gestalt war, und der ich auch große Sehnsüchte hatte, die Geheimnisse Gottes zu kennen, ich schrie deswegen zum Herrn; und siehe, er besuchte mich, und er erweichte mir das Herz, dass ich all die Worte, die mein Vater gesprochen hatte, glaubte; deswegen lehnte ich mich nicht gleich meinen Brüdern gegen ihn auf.

17 Und ich sprach zu Sam, indem ich ihm die Dinge zur Kenntnis brachte, die der Herr mir bekundet hatte durch seinen Heiligen Geist. Und es begab sich, dass er  an meine Worte glaubte.

Kommentar

Ich, Nephi

Hier beginnt Nephi seine eigene Geschichte, und er leitet sie mit den bekannten Worten „Ich, Nephi“, ein, und er beginnt, den Unterschied zwischen sich und seinen Brüdern aufzuzeigen.

Erweichte mir das Herz

Offensichtlich fiel es Nephi auch nicht einfach zu, seinem Vater zu glauben: Der Heilige Geist mußte ihm das Herz erst erweichen. Aber im Gegensatz zu Laman und Lemuel War es ihm ein Bedürfnis, die Geheimnisse Gottes (siehe dazu den Kommentar „Die Geheimnisse Gottes“ in 1Nephi 1:7,8) kennen zu lernen, und deswegen betete er voller Sehnsucht und offensichtlich auch laut zum Herrn.

Dies scheint Nephis Standardhandlungsweise zu sein: Als er später die Lehren von Lehi über den Messias und über die Ölbäume hört, will er es auch selbst wissen und betet. Er erklärt auch, dass wir das so tun sollen.

Weiters finden wir eine Parallele zu Joseph Smith, der bei allen möglichen Fragen immer zuerst zum Herrn ins Gebet gegangen ist. So wurde zum Beispiel das Aaronische Priestertum wiederhergestellt, weil Joseph und Oliver beim Übersetzen des Buches Mormon auf Vollmacht zur Taufe gestoßen sind und wissen wollten, was es damit auf sich habe. Ein Großteil der Abschnitte in Lehre und Bündnisse sind Ergebnisse von Fragen, die sich dem Propheten gestellt haben.

Und wir wissen, daß Josephs Erste Vision kam, als er zum ersten Mal in seinem Leben allein für sich laut betete.

Die Geheimnisse Gottes

Diese Geheimnisse Gottes waren aber dem jüdischen Establishment seiner Zeit nach eine Irrlehre, die sie aus dem Tempel entfernt hatten.

Und Nephi legt auch hier den Kern der Geheimnisse Gottes dar: „er (Gott) besuchte mich“.

Ähnliches lesen wir auch in LuB 84:19-22, wo ebenso die Geheimnisse Gottes mit den Verordnungen (das Wort, das in der Kirche für das verwendet wird, was in den Orthodoxen Kirchen Mysterion =Geheimnis und in den lateinischen Kirchen Sakrament =Heilszeichen genannt wird) des Melchisedekischen Priestertums verbunden werden, und mit der Idee, Gott zu sehen, sowie mit der Macht des Göttlichen. Die erste Verordnung des Melchisedekischen Priestertums im Tempel ist das Endowment. Auf Deutsch wird auch der Begriff „Begabung“ verwendet.

„To endow“ heißt ausstatten, ausrüsten, und Joseph Smith verwendet in seinen Aufzeichnungen sowohl das Wort „endowment“ als auch „enduement“ für die gleiche Sache. Die beiden Worte sind verwandt, und die gemeinsame Bedeutung ist:

  1. Jemanden oder sich ankleiden oder einkleiden
  2. Die Charakteristiken, Tugenden oder Absichten von jemandem annehmen.Und natürlich denken wir hier auch an den Mantel des Königs oder den Mantel des Propheten und die heiligen Gewänder des Priestertums im Alten Testament, die einerseits den Träger kosher, also für den heiligen Dienst tauglich machen, andererseits ihm (genau so wie dem Propheten) als Zeichen der Vollmacht dienen: Im wahrsten Sinne also Kraft/Macht aus der Höhe.

Sowohl endue als auch endow stamen vom griechischen Wort enduo. Christus verwendet das Wort in Lukas 24:49, wo es in der Einheitsübersetzung mit „erfüllt werden“ übersetzt, Paulus verwendet, als er davon redet, daß wir Christus als Gewand angelegt haben (was wiederum eine Parallele im  Psalm Nephis hat, wo Nephi darum bittet, Jesus möge das Gewand Seiner Rechtschaffenheit um Nephi legen), und dass in unserer Auferstehung das Verwesliche sich mit Unverweslichkeit bekleidet.

Und ich sprach zu Sam

Anscheinend war Sam weder so gestrickt, wie Nephi, dass er auf persönliche Offenbarung drängte, noch so wie Laman und Lemuel, sodass er ablehnte, was man ihn lehrte. Es war ihm genug, dass Nephi ihm Zeugnis und Erklärung gab.

Das entspricht wohl LuB 46:13-14. Nephi war es gegeben, durch persönliche Offenbarung zu wissen, wogegen es Sam gegeben war, Nephis und Lehis Worten zu glauben. Beides führt letztlich zum gleichen Ergebnis.

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