1Nephi 2:13-15

13  Auch glaubten sie nicht, dass Jerusalem, diese große Stadt, zerstört werden könne, wie es die Propheten gesagt hatten. Und sie waren wie die Juden zu Jerusalem, die danach strebten, meinem Vater das Leben zu nehmen.

14  Und es begab sich, dass mein Vater im Tale Lemuel zu ihnen sprach, mit Macht, erfüllt vom Geist, bis ihre Gestalt vor ihm bebte. Und er brachte sie so durcheinander, dass sie nicht wagten, gegen ihn zu reden; darum taten sie, wie er ihnen gebot.

15  Und mein Vater wohnte in einem Zelt.

 

Kommentar

Auch glaubten sie nicht, dass Jerusalem, diese große Stadt, zerstört werden könne

Zumindest 6 Gründen trugen dazu bei, dass Laman und Lemuel, so wie die Juden in Jerusalem, nicht glaubten, daß die Stadt zerstört werden könnte:

  1. Die Juden verstanden, wie historische Unterlagen zeigen, Jerusalem, „diese große Stadt“, als einen heiligen Platz, den Gott nicht zerstören und entweihen lassen würde.
  2. Sie verstanden den Bund Davids als Versprechen, dass die davidische Dynastie immer auf dem Thron in Jerusalem sitzen würde
  3. Die erlebte wundersame Befreiung in den Tagen Hiskijas (2Kön 18-19) bestärkte sie in der Annahme, Gott werde Seine Stadt bewahren.
  4. Die Stadt war in den Tagen Hiskijas heftig befestigt worden und verfügte auch über eine eigene Wasserquelle. Deswegen dachten die Juden, sie könnten einer Belagerung länger standhalten, als die Belagerer.
  5. Aufgrund der kürzlich erfolgten Reform sahen sich die Juden als rechtschaffen und deswegen unbesiegbar.
  6. Falsche Propheten bestärkten diese Ansicht noch.

(Siehe Woods und Seely )

Und sie waren wie die Juden zu Jerusalem

Das ist wieder ein Hinweis darauf, dass Laman und Lemuel nicht einfach unreligiös waren, sondern sich eher mit der Jerusalemer Elite solidarisiert hatten, was den Glauben angeht. Daher verunglimpften sie Lehi und Nephi und wollten Nephi dann auch töten. Diese Tötungsabsicht könnte aber weniger von Mordlust gekennzeichnet, sondern vielleicht mehr von der Absicht, einen Irrlehrer, einen falschen Propheten, der das Volk von Gott wegführen will, hinzurichten, wie es das Gesetz des Moses, vorallem in der Sichtweise der Deuteronomisten, fordert.

Und mein Vater wohnte in einem Zelt

Drei Mal wird in der Geschichte darauf hingewiesen, daß Lehi in einem Zelt wohnte: 1Nephi 2:15, 1Nephi 9:1 und 1Nephi 16:6. In jedem dieser Fälle beendet dieser Satz den vorherigen Abschnitt. In diesem Fall vermutet Brant Gardner, dass Nephi bis dahin die Aufzeichnungen seines Vaters kurzgefasst hat, ab dann jedoch seine eigene Geschichte erzählt. Hugh Nibley weist darauf hin, dass es für den Bewohner der arabischen Halbinsel zwei Möglichkeiten gibt: Stadt-/Dorfbewohner und Beduine. Lehis Familie zieht zunächst ans Rote Meer. Dort aber lassen sie sich für längere Zeit mit ihrem Zelt nieder. Mit der Erklärung Nephis wird klar, dass sie sich nicht als Stadtbewohner auf einem kurzen Trip in die Wildnis sehen, sondern als Nomaden, Zeltbewohner. Für den Beduinen ist sein Zelt ein Mikrokosmos, Sinnbild für die Schöpfung. Das hebräische Wort für „Zelt“ und das arabische Wort für Familie haben eine gemeinsame Wurzel.

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