1Nephi 1:20-2Nephi 2:5

1Nephi1:20 Und als die Juden diese Dinge hörten, wurden sie zornig auf ihn; ja, eben so wie auf die Propheten vor alters, die sie ausgestoßen und gesteinigt und erschlagen hatten; und sie trachteten auch nach seinem Leben, dass sie es ihm nehmen könnten. Aber siehe, ich, Nephi, werde euch zeigen, dass die mitfühlenden Gnaden des Herrn über all denen sind, die er erwählt hat, wegen ihres Glaubens,  um sie mächtig zu machen,  nämlich zur Macht der Befreiung.

1Nephi Kapitel 2

1Nephi2:1 Denn siehe, es begab sich, dass der Herr sprach  zu meinem Vater, ja, nämlich in einem Traum, und sagt zu ihm: Gesegnet bist du, Lehi, wegen der Dinge, die du getan hast; und weil du glaubenstreu gewesen bist und diesem Volk die Dinge verkündet hast, die ich dir geboten habe, siehe, darum trachten sie danach, dir das Leben zu nehmen.

1Nephi2:2 Und es begab sich, dass der Herr meinem Vater befahl, nämlich in einem Traum, dass er seine Familie nehmen und in die Wildnis wegziehen solle.

1Nephi2:3 Und es begab sich, dass er dem Wort Gottes gehorsam war, weswegen er tat, wie Gott ihm gebot.

1Nephi2:4 Und es begab sich, dass er in die Wildnis wegzog. Und er ließ zurück sein Haus, und das Land seines Erbteiles, und sein Gold und sein Silber und seine wertvollen Dinge, und nahm nichts mit sich, außer was seine Familie war, und Vorräte und Zelte, und er zog in die Wildnis weg.

1Nephi2:5 Und er kam hinunter an den Grenzen nahe der Küste des Roten Meeres; und er reiste in der Wildnis, an den Grenzen, die näher dem Roten Meer waren, und er reiste in der Wildnis mit seiner Familie, die bestand aus meiner Mutter, Saria, und meinen älteren Brüdern, die Laman, Lemuel und Sam waren.

Kommentar

Übersetzung

Sprach…und sagt zu ihm

Im Originaltext findet sich hier die Präsensform „sagt“, nicht das Imperfekt „sagte“. Royal Skousen erwähnt in seinem Kritischen Text, dass das Neue Testament in der King James Übersetzung auch in vielen Versen eine Kombination aus „sprach“ und „sagt“ hat, was der griechischen Grammatik entspricht. Ob es dieses grammatikalische Konstrukt auch im Hebräischen gibt, weiß ich nicht. Es geben sich daher zwei Möglichkeiten: Entweder hat Joseph einen Hebraismus übersetzt (=die hebräische Grammatik ins Englische übertragen), oder er war mit dieser Form vertraut, weil sie im Neuen Testament zu finden war, und als er zu der Kombination von „sprechen und sagen“ kam, verwendete er die ihm vertraute Form. In einem Fall hätten wir es mit einer sehr engen Übersetzung zu tun, in der anderen mit einer etwas loseren.

Und es begab sich

Eine weitere Anmerkung zu dieser häufigen Wendung: Sowohl das Hebräische als auch das Ägyptische  kamen ohne Satzzeichen und Absatztrennung aus. „Und es begab sich“ dient im Egyptischen, im Hebräischen und auch bei den Mayas (einem Volk, das möglicher Weise mit den Nephiten Kontakt hatte; Dort lautet das Wort „u-ti“) als Absatztrenner. Auch die Manuskripte des Buches Mormon hatten keine Absätze und Satzzeichen, und der Drucker benutzte „Und es begab sich“ als Absatztrenner.

In der King James Version der Bibel kommt „and it came to pass“ 727 mal vor. Das Wort „wayehi“, das als „und es begab sich“ übersetzt wird, kommt dagegen 1204 mal vor. Im Buch mormon kommt die Phrase 999 mal vor, dabei nur sehr selten in den poetischen und literarischen Teilen, sondern in Erzählungen, Chronologien und Geschichten. Die Verse, die wir gerade behandeln, bilden eine Mischung. Klar erkennen wir hier Chiasmen und Parallelismen, dennoch wird zwei Mal „und es begab sich“ verwendet, und beide sind sogar Marker für den Parallelismus.

Parallelismus

Und als die Juden diese Dinge hörten, wurden sie zornig auf ihn; ja, eben so wie auf die Propheten vor alters, die sie ausgestoßen und gesteinigt und erschlagen hatten;

A und sie trachteten auch nach seinem Leben, dass sie es ihm wegnehmen könnten. Aber siehe,

B ich, Nephi, werde euch zeigen, dass die mitfühlenden Gnaden des Herrn über all denen sind, die er erwählt hat, wegen ihres Glaubens, um sie mächtig zu machen, nämlich zur Macht der Befreiung.

C Denn siehe, es begab sich, dass der Herr sprach zu meinem Vater, ja, nämlich in einem Traum,

C und sagt zu ihm: Gesegnet bist du, Lehi, wegen der Dinge, die du getan hast;

B und weil du glaubenstreu gewesen bist und diesem Volk die Dinge verkündet hast, die ich dir geboten habe, siehe,

A darum trachten sie danach, dir das Leben weg zu nehmen.

Das Zentrum dieses Chiasmus ist der Segen für Lehi, weil er getan hatte, was der Herr ihm geboten hatte, ein Segen, der darin besteht, dass Gott weiterhin mit ihm spricht. Lehi bleibt in der Gegenwart Gottes, er wird davon nicht abgeschnitten. Deswegen bleibt auch sein Leben bewahrt, weil der Herr ihn führt – im gegensatz zu dem, was das Volk von Jerusalem plant, nämlich ihn zu töten, weil er Gottes Gebot treu war.

Und es begab sich, dass der Herr meinem Vater befahl, nämlich in einem Traum, dass er seine Familie nehmen

A und in die Wildnis wegziehen solle.

B Und es begab sich, dass

C er dem Wort Gottes gehorsam war,

C weswegen er tat, wie Gott ihm gebot.

B Und es begab sich, dass

A er in die Wildnis wegzog.

Und er ließ zurück sein Haus, und das Land seines Erbteiles, und sein Gold und sein Silber und seine wertvollen Dinge, und nahm nichts mit sich,

A außer was seine Familie war,

B und Vorräte und Zelte, und er zog in die Wildnis weg.

C Und er kam hinunter an den Grenzen nahe der Küste des Roten Meeres;

D und er reiste in der Wildnis,

C an den Grenzen, die näher dem Roten Meer waren,

B und er reiste in der Wildnis

A mit seiner Familie,

die bestand aus meiner Mutter, Saria, und meinen älteren Brüdern, die Laman, Lemuel und Sam waren.

Hier zielt der Chiasmus auf die Wildnis ab, in die Lehi nach Gottes Gebot gehen soll und auch geht. Ebenso betont ist der zweite A-Teil: Lehis Familie. Diese war ihm wichtig, nicht aber sein Haus, sein Land, sein Reichtum, den er offensichtlich hatte.

Inhalt

Wie lange predigte Lehi in Jerusalem?

Dies ist die dritte Vision Lehis, die berichtet wird, und wir wissen nicht genau, wie viel Zeit zwischen den ersten beiden und dieser lag. Zwischen der ersten Vision Lehis und der Zerstörung Jerusalems im Jahr 586 v.Chr. vergingen neun Jahre. 1Nephi 7:14 grenzt den Zeitrahmen noch weiter ein. Dort lesen wir, dass die Kinder Lehis wussten, dass Jeremia ins Gefängnis geworfen worden. Dies war im Jahr 587 v.Chr, als die Ägypter in Judäa einmarschierten. Lehis neuer prophetischer Auftrag ist, sein „Volk“, seine Familie aus Jerusalem zu führen, kam also im letzten Jahr vor der Zerstörung Jerusalems, Lehi hatte acht Jahre gepredigt.

Prophetische Träume

Sowohl das Alte (Joseph, der Sohn Jakobs) und das Neue Testament (Joseph, der Ziehvater Jesu), als auch die Neuzeit (Frau eines chilenischen Missionspräsidenten) kennt prophetische Träume.

Träume sind jedoch oft nicht eindeutig, sondern reich an Symbolen. Vielleicht hatte deswegen Lehis Familie solche Schwierigkeiten, seine Anweisungen zu befolgen: Laman und Lemuel lehnten sie ab. Sariah nennt ihren Mann einen „Mann mit Visionen“, und sie tut das nicht bewundernd. Und selbst Nephi sagt, dass der Herr ihm das Herz erweichen musste, damit er seinem Vater glauben konnte und nicht rebellierte (1Ne 2:16).

Sein Haus, sein Land seines Erbteils, seine wertvollen Dinge

Das typische Haus eines wohlhabenden Mannes in der damaligen Zeit war ein Pillared, ein Haus mit vier Räumen. Der Grundriß ist seit dem 12. Jahrhundert v.Chr. üblich und wurde sechshundert Jahre beibehalten. Drei äußere rechteckige  Räume bildeten ein U um den mittleren Raum, der ein offener Hof war. Wahrscheinlich war das Gebäude, wie bei wohlhabenderen Bürgern damals üblich, zweistöckig. Diese Residenz war in der Neustadt, innerhalb der 2. Stadtmauer. Diese Mauer hatte Könik Hiskija zwischen 705 und 701 v.Chr. bauen lassen.

Das Land seines Erbteils war höchstwahrscheinlich nicht im Königreich Juda, sondern in Manasse, wahrscheinlich westlich des Jordans, nördlich von Tappuah, zwischen Tirzah und Jenin (Jeffrey R. Chadwick, “Lehi’s House at Jerusalem and the Land of His Inheritance,” in Glimpses of Lehi’s Jerusalem, edited John W. Welch, David Rolph Seely, and Jo Ann H. Seely (Provo, Utah: Foundation for Ancient Research and Mormon Studies , 2004), 118.

Die Aufzählung der Reichtümer zeigt, dass Lehi kein armer und auch sicher kein Unbekannter war. Hugh Nibley findet im Buch Mormon Hinweise, daß Lehi ein Händler war, der die Reiserouten auf der Arabischen Halbinsel gut kannte. Andere Gelehrte halten dagegen, dass es für damalige wohlhabende Israeliten unüblich war, weite Strecken zu reisen. John Tvedtnes argumentiert, dass Nephis metallurgisches Wissen darauf hindeutet, dass Lehi Schmied war, was sehr wahrscheinlich ist, wenn man bedenkt, daß Lehis Urgroßeltern als Flüchtlinge nach Jerusalem gekommen waren und Lehi ohne Landwirtschaft und anderes ererbtes Einkommen dennoch sehr wohlhabend war.

Den erworbenen Reichtum, Gold und Silber, bewahrte man damals in Tonkrügen auf, die man dann an geheimen Stellen vergrub.

In die Wildnis

Auf seinem Weg aus Jerusalem folgte Lehi dem Vorbild anderer Juden. Um der Verfolgung durch Nebukadnezar zu entgehen, flüchteten 75.000 Juden in die Wildnis nach Edom und wandten sich dann nach Süden, bis sie nach Jemen kamen. Die Erzählung des Zosimus (Geschichte der Rechabiter) erzählt von einem anderen Teil des Volkes Juda, das die Worte Jeremias Ernst nahm und auswanderte.

Zur Küste des Roten Meeres

Zwei Wege führten von Jerusalem zum Roten Meer. Die eine war bekannt als „Die Straße des Königs“, die andere als „Weg der Wildnis“.

Sariah

Während der Name „Sarah“ im Alten Testament bekannt ist, war „Sariah“ lange Zeit als Frauenname unbekannt. „Seraiah“ dagegen war ein gut bekannter israelitischer Männername. Im Jahr 1906 jedoch wurden die sogenannten Elephanine-Papyri gefunden. Auf Papyrus Nummer 22 dieser Sammlung wird eine Sariah barat Hoschea bar Harman (Sariah, Tochter des Hosea, Sohn des Harman – Barat ist Hebräisch „Tochter“) erwähnt wird.  Sariah ist wahrscheinlich eine Kurzform von Saryahu (Jahwe/Jehovah ist Fürst).

Als Matriarchin hatte Sariah eine wesentliche Rolle im täglichen Leben. Sie war die Herrin des Hauses und des Hausgesindes, eine Haushaltsmanagerin, die das Reisen sicher nicht gewohnt war.

Die Grenzen

Dieser Ausdruck wird von Potter und Wellington als die Bergkette an der Küste verstanden, als Hinweis darauf nehmen sie, dass in manchen Sprachen, die damals in Arabien und Ägypten gesprochen wurden, es ein Wort gegeben haben soll, das sowohl „Berg“ als auch „Grenze“ geheißen habe. Potter und wellington sind keine Linguisten, die Behauptung über „Berg“ und „Grenze“ ist ein Irrtum. Dennoch ist es natürlich möglich, die Berge als natürliche Grenze zwischen der Küstenregion und der Wildnis zu sehen.

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