1Nephi 1:16-18

16  Und nun: Ich, Nephi, mache nicht einen  vollen Bericht von den Dingen, die mein Vater geschrieben hat; denn er schrieb viele Dinge, die er sah, in Visionen und in Träumen, und er hat auch viele Dinge geschrieben, die er seinen Kindern prophezeite und sagte, von denen ich nicht einen vollen Bericht machen werde.

17  Aber ich werde einen Bericht machen von meinen Vorgangsweisen in meinen Tagen. Siehe, ich mache eine Kurzfassung aus den Aufzeichnungen meines Vaters, auf Platten, die ich gemacht habe mit meinen eigenen Händen; darum: Nachdem ich die Aufzeichnungen meines Vaters kurzgefasst habe, dann werde ich von meinem eigenen Leben einen Bericht machen.

18  Darum möchte ich, daß ihr wissen sollt, dass nachdem der Herr gezeigt hatte meinem Vater Lehi so viele wunderbare Dinge, ja, betreffend die Zerstörung Jerusalems, siehe, da ging er aus unter das Volk und begann, zu prophezeien und zu verkünden, ihnen gegenüber, betreffend der Dinge, die er sowohl gesehen als auch gehört hatte.

Kommentar

Übersetzung

dass nachdem der Herr gezeigt hatte meinem Vater Lehi

Hier habe ich die englische Wortstellung beibehalten, weil nur dadurch der Chiasmus im Deutschen abgebildet werden kann.

Chiasmus

Und nach dieser Weise war die Sprache meines Vaters im Lobpreis seines Gottes;
denn seine Seele frohlockte, und sein ganzes Herz war erfüllt

A wegen der Dinge, die er gesehen hatte,

B ja, die der Herr ihm gezeigt hatte.

C A Und nun: Ich, Nephi, mache nicht einen  vollen Bericht

D B von den Dingen, die mein Vater geschrieben hat;

C denn er schrieb viele Dinge,

D die er er sah, in Visionen

D und in Träumen,

C und er hat auch auch viele Dinge geschrieben,

B die er seinen Kindern prophezeite und sagte,

E A von denen ich nicht einen vollen Bericht machen werde.

E A Aber ich werde einen Bericht machen von meinen Vorgangsweisen in meinen Tagen.

D B Siehe, ich mache eine Kurzfassung aus den Aufzeichnungen meines Vaters,

C auf Platten, die ich gemacht habe C mit meinen eigenen Händen;

B darum: Nachdem ich die Aufzeichnungen meines Vaters kurzgefasst habe,

C A dann werde ich von meinem eigenen Leben einen Bericht machen. Darum möchte ich, daß ihr wissen sollt,

B A dass nachdem der Herr gezeigt hatte

B meinem Vater Lehi so viele wunderbare Dinge, ja, betreffend die Zerstörung Jerusalems,

C siehe, da ging er aus unter das Volk

D und begann, das zu prophezeien

D und zu verkünden,

C ihnen gegenüber,

B betreffend der Dinge,

A die er sowohl gesehen als auch gehört hatte.

Inhaltlicher Kommentar

Siehe, ich mache eine Kurzfassung aus den Aufzeichnungen meines Vaters

Die ersten 116 Manuskriptseiten, die Joseph Smith übersetzte, mit Martin Harris als Schreiber, stammten von den Großen Platten Nephis. Sie enthielten das „Buch Lehi“, sowie weitere Bücher, die den  Zeitraum bis König Benjamin abdecken. Tatsächlich ist das, was wir heute als 1. Kapitel des Buches Mosia kennen, im Druckermanuskript als „Kapitel 3“ bezeichnet. Das Buch Mosia beginnt ohne Kolophon, und es ist auch nicht nach Benjamin, der ersten Hauptperson des Buches benannt. Es beginnt sozusagen in der Mitte des Buches.

Nach Verlust dieser ersten 116 Seiten fahren die Manuskripte mit dem Buch Mosia fort, und erst nachdem das Buch Moroni übersetzt war, geht es mit 1.Nephi bis Worte Mormons weiter.

Im Internet kursieren einige angebliche Fassungen der verlorenen 116 Seiten, keine davon deckt sich aber mit dem, was Augenzeugen über das Buch zu sagen haben, keine endet mit einer passenden Vorgeschichte zum heutigen Mosia 1.

Es gibt aber gelehrte Versuche (hier und hier), aus dem heutigen Buch Mormon Zitate und Hinweise zu lesen, was auf den 116 Seiten gestanden sein könnte.

begann, das zu prophezeien…

In diesem Vers finden wir den Auftrag Lehis und seine Erfüllung, wenn auch durch Nephis Überarbeitung etwas verdeckt. Im 1. Nephi 2:1 lesen wir: „Gesegnet bist du, Lehi, um deswillen, was du getan hast; und weil du treu gewesen bist und diesem Volk das verkündet hast, was ich dir geboten habe“.

Es ist dies daher der Abschluss, die Folge von Lehis Vision. Wir haben hier den Kern des Tempelmystizismus, wie er um 600 n.Chr. in Jerusalem noch bekannt war: Wer teilnimmt am Rat Gottes, wird zu Seinem Boten, der Ihn mit Vollmacht vertritt und Seine Worte dem Gottesvolk bringt.

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2 Gedanken zu “1Nephi 1:16-18

    • Es gibt Dichtformen, in denen Reime verwendet werden:

      Die Bekannteste ist der Endreim (Hänschen klein ging allein).
      Dann gibt es den Stabreim, wo ein Anfangslaut wiederholt wird (Wo ist mein SCHwert, mein STarkes SCHwert?)
      Es gibt Gedichte, wo es in erster Linie auf den Rhythmus der Worte ankommt.
      Parallelismus und Chiasmus sind ebenso Dichtformen.

      Parallelismus stellt zwei Sätze mit gleichem oder ähnlichem Gedanken hintereinander:

      „Schön leucht die Sonne, Schön leucht der Monde“.
      Diese Gedankengänge können einander bestätigen, wie im obigen Beispiel, oder sie können einander widersprechen:

      Denn Reden bringt Ehre,
      aber Reden bringt auch Schande.

      Ein Chiasmus ist die Auskreuzung des Parallelismus:

      Die Waffe (A) der Kritik (B) kann allerdings
      die Kritik (B) der Waffen (A) nicht ersetzen

      oder

      Die Welt (A) ist groß (B)
      klein (B‘) ist der Verstand (A‘)

      Das sind sehr einfache Chiasmen. Einen komplexeren finden wir zum Beispiel in Galater 2:

      „Doch weil wir wissen,
      A:dass der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird,
      B:sondern durch den Glauben an Jesus Christus
      C (Wendepunkt, keine Wiederholung): sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen
      B: damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus
      A:und nicht durch Werke des Gesetzes;
      denn durch Werke des Gesetzes wird kein Mensch gerecht.“

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