1Nephi 1:7-8

1Ne 1:7 Und es begab sich, daß er zu seinem eigenen Haus bei Jerusalem zurückkehrte; und er warf sich auf sein Bett, überwältigt vom Geist und den Dingen, die er gesehen hatte.

1Ne 1:8 Und so vom Geist überwältigt, wurde er in einer Vision entrückt, so dass er sogar die Himmel offen sah, und er dachte er sähe Gott auf seinem Thron sitzen, umgeben von zahllosen Scharen von Engeln, in der Haltung des Singens und Lobpreisens für ihren Gott.

Kommentar

Das Haus Lehis bei Jerusalem

In der englischen Ausgabe wird davon gesprochen, daß das Haus Lehis „at“ Jerusalem ist, nicht „in“ Jerusalem. Ich habe versucht, dies hier mit „bei“ zu übersetzen.

Zur Zeit von Lehi hatte Jerusalem etwa 20.000 Einwohner. Die Manassiten hatten sich in einem Stadtteil namens „Mischneh“ angesiedelt, am Stadtrand, aber innerhalb der Stadtmauern. Mischneh wird in der Einheitsübersetzung mit „Neustadt“ übersetzt (2Kön 22:14). Da es sich um ein (damals) neues Stadtviertel handelt, das bebaut wurde, um die Manassiten und Ephraimiten aufzunehmen, die zwei Generationen vorher zugezogen waren, ist es für die damalige Zeit richtiger, von „bei Jerusalem“ zu sprechen, als von „in Jerusalem“.

Die Thronvision

Nachdem Lehi eine Feuersäule gesehen hat und Dinge gehört und gesehen hat, kehrt er in sein Haus zurück und hat noch eine Vision. Diese Vision ist eine sogenannte „Thronvision“. Sie folgt einem strikten Muster. Sie wird eingeleitet mit einem Verb, daß mit „sehen“ zu tun hat, gefolgt davon, daß der Prophet Gott auf seinem Thron sitzen sieht (manchmal sogar selbst darauf mit Gott sitzt), umgeben von himmlischen Wesen. Zu Gottes Füßen ist Saphir oder Gold. Der Prophet nimmt Teil an oder ist Zeuge der himmlischen Ratsversammlung. Eventuell erhält er auch eine Schriftrolle mit dem göttlichen Beschluß und liest sie. Er wird mit Vollmacht (Kraft/Macht aus der Höhe/den Himmeln) ausgestattet und dann als Herold Gottes zu den Menschen geschickt, wo er sofort mit seiner Tätigkeit als Bote Gottes anfängt.

Im Alten Testament werden aus der Zeit vor dem babylonischen Exil sechs solche Thronvisionen geschildert:

Auch in nachexilischer Zeit und auch im Neuen Testament kommen solche Thronvisionen vor. Das Thema zieht sich durch die ganze Bibel.

Die Bundeslade im Tempel wurde als Thron Gottes gesehen. So sind Thronvisionen auch immer Visionen über den Tempel, und Tempelsymbolik spielt eine besondere Rolle. Besonders deutlich wird das in Jesaja 6, da der Prophet Jesaja ausdrücklich darauf hinweist, dass diese Vision im Tempel stattfindet.

Gott sehen – Theophanie

Kann der Mensch Gott sehen? Im traditionellen Christentum wird Gott oft als unsichtbar bezeichnet. Gott hat keinen Körper, nicht einmal einen Geistkörper, und deswegen kann man Ihn gar nicht sehen. Dies steht im Widerspruch zu Joseph Smiths Erster Vision (die in gewisser Weise auch eine Thronvision ist, auch wenn ihr der Thron selbst fehlt. Die meisten anderen Elemente sind enthalten), weswegen manche Christen diese Erste Vision auch ablehnen. Andererseits bezeugt die Bibel, daß Menschen Gott gesehen haben. Ihre Reaktion ist oftmals Furcht: Gott sehen heißt sterben. So erwartet Jesaja zu Beginn seiner Thronvision auch seinen sofortigen Tod, weil er unrein ist. Gott sehen heißt vor Gott zu stehen und zu bestehen. Deswegen heißt es auch in den Seligpreisungen im Neuen Testament, daß die im Herzen Reinen Gott sehen werden. Gott ist in der Bibel nicht „unsichtbar“ sondern, Er darf nicht gesehen werden (Ex 33:20) – außer Er erlaubt es. Ein Engel Gottes nimmt vom Altar des Tempels ein Stück Kohle. Alles, was mit dieser Kohle in Berührung kommt, ist nach isreaelitischem Verständnis heilig. Der Engel berührt damit symbolisch die Lippen Jesajas und reinigt und heiligt ihn damit. Deswegen muß er nicht sterben. In der Kirche reden wir davon, daß man durch den Heiligen Geist verklärt sein muß, um Gott sehen zu können und zu leben.

Die Geheimnisse Gottes

Der Rat Gottes im Himmel, der rund um den Thron Gottes zusammen kommt (siehe auch Ps. 82:1), seine Besprechungen, Beschlüsse und die Prinzipien wurden im Hebräischen „sod“ genannt („Mysterion“ auf Griechisch, „Geheimnis“, bzw. „Geheimnisse Gottes“ auf Deutsch). Es ist bezeichnend, daß im Neuen Testament der Apostel Paulus die Apostel als „Verwalter der Geheimnisse Gottes“ bezeichnet (1Kor 4:1), und mit dem griechischen Wort mysterion werden bis auf den heutigen Tag in den Östlich-Orthodoxen Kirchen die errettenden Verordnungen bezeichnet (im westlichen Christentum nennt man diese „Sakramente“). Diese Geheimnisse Gottes zu kennen und an ihnen Teil zu haben, gibt Kraft, Vollmacht und Weisheit.

So lesen wir zum Beispiel in Jeremia 23:18

„Doch wer hat an der Ratsversammlung (sod) des Herrn teilgenommen, / hat ihn gesehen und sein Wort gehört? Wer hat sein Wort vernommen / und kann es verkünden?“

Weiter…

Advertisements

Ein Gedanke zu “1Nephi 1:7-8

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s