Fortführung Kommentar 1Nephi 3:3-12

Absicht

„Die Geschichte von Laban und den Messingplatten ist eine strukturierte Wiederholung von Versuchen und Fehlschlägen, gefolgt von einem endlichen Erfolg. Der Zweck, dies zu berichten, liegt darin, die Wichtigkeit des Erlebnisses zu doumentieren, nicht einfach nur die Fakten widerzugeben“ (Brant Gardner, Second Witness: Analytical and Contextual Commentary on the book of Mormon: Volume 1a – First Nephi 1-11).

Die Geschichte folgt dem biblischen Prinzip der dreifachen Wiederholung mit einer wesentlichen Veränderung beim dritten Mal. Ein Beispiel für dieses Prinzip aus der Bibel findet sich im Konflikt zwischen Ahasja und Elija. (2Könige 1). Die erste Wiederholung weckt im Leser die Erwartung auf das dritte Mal, das die Geschichte zur Vollendung bringt. Andere Beispiele sind das Gleichnis vom Barmherzigen Samariter oder das Gleichnis von den Talenten.

Zurück zu Nephi. Jeder der drei Teile dieser Geschichte beginnt mit einem Versprechen. Am Anfang steht Nephis „Ich will hingehen und das tun, was der Herr geboten hat“ (1Nephi 3:7). Nach Lamans Versagen folgt „so wahr der Herr lebt und wir leben, wir werden nicht zu unserem Vater in die Wildnis hinabgehen, ehe wir vollbracht haben, was der Herr geboten hat“ (1Nephi 3:15), und als Nephis Brüder vom Engel abgehalten werden Nephi und Sam weiter zu schlagen, folgt „lasst uns glaubenstreu im Halten der Gebote des Herrn sein.“(1Nephi 4:1-2).

Nephi erzählt nicht nur seine Geschichte, sondern er erzählt sie, um Glauben an Gott zu wecken, aber auch, um zu zeigen, wieso er die Familie nach Lehis Tod führt, und nicht einer seiner älteren Brüder.

du sollst begünstigt sein vom Herrn,

Offensichtlich hat Lehi schon mit Nephis Brüdern geredet, bevor er Nephi selbst anspricht. Ebenso offensichtlich haben die Brüder Lehi gar nicht so weit ausreden lassen, bevor sie zu murren begonnen haben.

weil du nicht gemurrt hast.

Sehen wir uns das nochmal aus Lamans und Lemuels Perspektive an. Die beiden haben recht bequem in Jerusalem gewohnt, die Familie war wohlhabend, und die beiden haben sich unter den Juden wohl gefühlt. Plötzlich fängt der Vater an, gegen die religiösen Führer ihrer Zeit zu predigen und sich Feinde zu machen. Und zwar so sehr, dass man ihn umbringen will – was er in einem Traum erfährt. Die Familie muß fliehen und alles zurück lassen. Und kaum sind sie ein paar hundert Kilometer weg, bei der ersten guten Rastmöglichkeit, da träumt der Vater wieder, dass sie zurück gehen sollen und einen Verwandten, der zu den religiösen Führern gehört, die Lehi angegriffen hat, dazu überreden, ihnen das Heiligste und Wertvollste zu überlassen, was er besitzt.

Träume waren damals durchaus als Medium der Offenbarung nicht unbekannt, aber sie wurden gerade auch in dieser Zeit zwiespältig gesehen (Jeremia spricht sehr geringschätzig von prophetischen Träumen, was bemerkenswert ist, wenn man bedenkt, dass gerade Jeremias Predigen Lehis Offenbarungen ausgelöst haben). Es ist auch interessant, dass Nephi nur selten von Lehis Träumen berichtet, ohne diese auch als Visionen zu qualifizieren.

Es ist auch interessant, daß Nephi in seiner Geschichte seine Brüder nie als Götzendiener, Eidbrecher, Lügner, Entweiher des Sabbats, Säufer, Ehebrecher oder Mißachter der mosaischen Reinheitsgebote darstellt. Sie scheinen strenggläubige Juden (im religiösen Sinne) gewesen zu sein, die, wie ihre Zeitgenossen nach der Reform Joschijas, den Tempel weniger wichtig nahmen, den Buchstaben des Gesetzes über den Geist stellten und die Schrift wichtig nahmen, sich aber mit lebenden Propheten schwer taten.

Nephi beschreibt seine Brüder zwar als mörderisch, dabei scheinen sie es aber nicht sehr ernst zu nehmen. Obwohl sie jahrelang auf ihn wütend sind, verletzen sie ihn kein einziges Mal ernsthaft. Weder steinigen noch erstechen sie ihn. Sie drohen ihm, sie binden ihn, aber das war es auch schon.

Ich will gehen..

Nephi erzählt diese Geschichte, ohne viel von direkter Rede Gebrauch zu machen. Er ist fast ein unbeteiligter Erzähler. Wenn er aber doch jemanden zu Wort kommen lässt, dann hat dies besonderes Gewicht. Besonders in diesem Fall, wo er sein eigenes jüngeres Selbst das erste Mal zu Wort kommen lässt. Er tut dies mit einem lauten Glaubensbekenntnis.

Nephi weiß, obwohl er wohl noch nicht so viel Erfahrung hat, daß der Herr einen Weg bereiten wird. Woher weiß er das? Wir nehmen an, das Wissen ist eine direkte Folge dessen, daß der Herr ihn besucht hat.

Nephi lässt seine Glaubenserklärung nicht einfach stehen, sondern er lässt ihr sofort die Freude Lehis folgen, die prophetische Bestätigung, dass nun auch Lehi weiß, dass Gott Nephi besucht hat.

Und wir warfen Lose

Für uns ist das Werfen von Losen eine Frage des Zufalls. Für die Menschen im altertümlichen Nahen Osten war Gott der Herr über den Zufall. Im alten Arabien war es zB üblich, Pfeile zu nehmen und auf einen zu schreiben: „Gott gebietet“, auf einen anderen „Gott verbietet“ und einen dritten leer zu lassen. Ähnlich, wie beim Strohalme ziehen wurde dann gelost, und was auf dem Pfeil stand, galt als Antwort Gottes.

Auch im Neuen Testament sehen wir das Werfen von Losen als Gottesurteil, als Weg zur Offenbarung (Apg 1:26).

Und es begab sich, das Los fiel auf Laman

Warum ließ Gott zu, dass das Los zuerst auf Laman fiel, der doch scheiterte? Laman war der Erstgeborene. Als solcher hatte er nach seinem Vater die höchste Autorität in der Familie. Die ganze Geschichte zielt aber darauf ab, daß Nephi der Erbe der Autorität Lehis wurde, und das Versagen Lamans untermauert das.

Sicherlich ist Laman nicht einfach zu Laban gegangen und hat gesagt, „Hey, wir bräuchten mal die Platten. Kannst Du sie mir geben?“ Vielmehr wird er versucht haben, Laban zu überzeugen. Vielleicht hoffte er auf eine wundersame Herzenswandlung Labans. Tatsächlich aber hat er wohl Labans Reaktion schon vorher gefürchtet.

Bemerkenswert ist allemal, daß Laman sich nicht weigert, sondern dass er sich demütigt und zu Laban geht. Es ist leicht, ihn für sein Murren zu verurteilen, aber können wir sicher sein, daß wir nicht ähnlich handeln würden? Können wir sicher sein, daß wir unseren Mut zusammennehmen und bei Laban vorstellig werden würden?

1Nephi 3:3-12

3 Denn siehe, Laban hat die Aufzeichnung der Juden, und auch eine Stammtafel von meinen Vorvätern und sie sind eingraviert auf Platten aus Messing

4 Darum, der Herr hat mir geboten dass Du und Deine Brüder zum Haus Labans gehen sollt, und die Aufzeichnungen suchen sollt, und sie herunter bringen sollt hier her in die Wildnis.

5 Und nun, deine Brüder murren, indem sie sagen, dass es eine harte Sache sei, die ich von ihnen verlangt habe; aber siehe, ich habe es nicht von ihnen verlangt, sondern es ist ein Gebot des Herrn.

6 Darum gehe, mein Sohn, und du sollst begünstigt sein vom Herrn, weil du nicht gemurrt hast.

7 Und es begab sich, dass ich, Nephi sagte zu meinem Vater: Ich will gehen und die Dinge, die der Herr geboten hat, denn ich weiß, der Herr gibt keine Gebote den Menschenkindern, ohne dass er auch einen Weg für sie vorbereiten würde, dass sie das Ding vollenden mögen, das er ihnen gebietet.

8 Und es begab sich, dass als mein Vater diese Worte gehört hatte, war er ausserordentlich froh, den er wusste, dass ich vom Herrn gesegnet worden war.

9 Und ich, Nephi, und meine Brüder nahmen unsere Reise in die Wildnis, mit unseren Zelten, um hinauf in das Land Jerusalem zu gehen.

10 Und es begab sich, dass, als wir hinauf in das Land Jerusalem gegangen waren, meine Brüder und ich uns einer mit dem anderen berieten.

11 Und wir warfen Lose – wer von uns sollte in das Haus Labans gehen. Und es begab sich, das Los fiel auf Laman; und Laman ging zum Haus Labans, und er redete mit ihm als er in seinem Haus saß.

12 Und er begehrte von Laban die Aufzeichnungen, welche eingraviert waren auf den Platten aus Messing, welche die Ahnentafeln meines Vaters enthielten. (Chiasmus)

Kommentar

Textvarianten

und auch eine Stammtafel von meinen Vorvätern

In der 1837 Version änderte Joseph Smith den Text auf „von deinen Vorfahren“. Das brächte die Frage auf, ob dieser Teil vielleicht ein direktes Zitat dessen ist, was Gott zu Lehi gesagt hat. Das passt so aber nicht, eine direkte Rede würde nicht mit „denn“ beginnen. In der 1840 Version wurde es wieder auf „meinen“ geändert. Lehi spricht auch immer wieder von „meinen Vorfahren“, nie aber, wenn er mit Nephi redet, von „deinen Vorfahren“, ebenso schreibt Nephi im Vers 12 nicht von „meinen Ahnentafeln“, sondern von den „Ahnentafeln meines Vaters“.

hinauf in das Land Jerusalem gegangen

Der unbekannte Schreiber hat im Original zuerst „hinauf kommen“ geschrieben, dann durchgestrichen und auf „hinauf gehen“ ausgebessert, dies aber nicht ganz eindeutig. Oliver Cowdery hat beim Abschreiben dann „hinauf kommen“ übernommen, und so ist das geblieben bis zur 1981 Ausgabe des Buches Mormon, wo der Fehler ausgebessert wurde. Überall anders im 1. Nephi wird immer nach Jerusalem „hinauf gekommen“, nie „gegangen“.

Parallelismus

A a Denn siehe, Laban hat die Aufzeichnung der Juden,

………b und auch eine Stammtafel von meinen Vorvätern

………….c und sie sind eingraviert auf Platten aus Messing

……B Darum, der Herr hat mir geboten dass Du und Deine Brüder zum Haus Labans gehen sollt, und die

………Aufzeichnungen suchen sollt, und sie herunter bringen sollt hier her in die Wildnis.

…….…C Und nun, deine Brüder murren, indem sie sagen, dass es eine harte Sache sei, die ich von ihnen

…………verlangt habe; aber siehe, ich habe es nicht von ihnen verlangt, sondern es ist ein Gebot des

…………Herrn.

…………D Darum gehe, mein Sohn, und du sollst begünstigt sein vom Herrn, weil du nicht gemurrt hast.

……………Und es begab sich, dass ich, Nephi

……………E sagte zu meinem Vater:

………………F Ich will gehen und die Dinge, die

…………………G der Herr geboten hat, denn ich weiß,

…………………G der Herr gibt keine Gebote den Menschenkindern,

………………F ohne dass er auch einen Weg für sie vorbereiten würde, dass sie das Ding vollenden

…………………mögen, das er ihnen gebietet.

……………E Und es begab sich, dass als mein Vater diese Worte gehört hatte, war er ausserordentlich ………………froh, den er wusste, dass ich vom Herrn gesegnet worden war.

…………D Und ich, Nephi, und meine Brüder nahmen unsere Reise in die Wildnis, mit unseren Zelten,

……………um hinauf in das Land Jerusalem zu gehen.

………C Und es begab sich, dass, als wir hinauf in das Land Jerusalem gegangen waren, meine Brüder

…………und ich uns einer mit dem anderen berieten.

……B Und wir warfen Lose – wer von uns sollte in das Haus Labans gehen. Und es begab sich, das Los

………fiel auf Laman; und Laman ging zum Haus Labans, und er redete mit ihm als er in seinem Haus

………saß.

A a Und er begehrte von Laban die Aufzeichnungen,

………….c welche eingraviert waren auf den Platten aus Messing ,

………b welche die Ahnentafeln meines Vaters enthielten. (Chiasmus)

Das Zentrum, auf das die ganze Erzählung hinausläuft, ist der G-Teil: Gottes Gebote können und müssen gehalten werden.

Hinauf .. hinunter

In allen Versen, die über die Reise auf der arabischen Halbinsel berichten, bleibt Nephi konsistent: In Richtung Jerusalem ist „hinauf“, von Jerusalem weg ist „hinunter“.

Inhaltlich

Messingplatten

Das englische Wort brass wurde zur Zeit Joseph Smiths sowohl für Bronze als auch für Messing verwendet. Es ist durchaus wahrscheinlich, dass die „Messingplatten“ eigentlich „Bronzeplatten“ waren.

Metallplatten, auf die geschrieben wurde, konnten erstmals im Jahr 1980 nachgewiesen werden, als Dr. Gabriel Barkay von der Universität Tel Aviv eine silberne Schriftrolle ausgrub. Diese wurde auf das Jahr 600 v.Chr. datiert. Drei Jahre später war die Schriftrolle ausgerollt und man begann, sie zu entziffern. Dabei handelt es sich um Numeri 6:24-26, was der Priesterliche Segen ist.

Für die Nephiten sind diese Platten wesentlich geworden.

  1. Die Art und Weise, wie Lehis Söhne an sie kamen war ein Beweis dafür, dass Nephi nach Lehi das Volk führen sollte.
  2. Sie waren ein Vorbild, nach dem Nephi seine eigenen Platten machte.
  3. Sie waren die Basis für die nephitische Theologie. Immer wieder zitierten nephitische Propheten daraus.
  4. Durch sie behielten sie ihre Kultur. In Omni 1:17 lesen wir, dass es diese Platten waren, weswegen die nephitische Kultur stabil blieb, wogegen die mulekitische sich in der gleichen Zeit doch deutlich veränderte.
  5. Sie sind ein heiliger Gegenstand, ähnlich dem Manna, Aarons Stab und der Ehernen Schlange, und sie wurden als königliche Gegenstände vom König an seinen Nachfolger weitergegeben (Mosia 1:16)

 

Was war auf den Messingplatten

Die Messingplatten sind die Aufzeichnungen, die der Geschichtsschreiber der Ephraimiten, die Familie Labans, geführt haben. Erwähnt werden die 5 Bücher Mose, wobei unklar ist, ob das Buch Deuteronomium tatsächlich schon dabei war. Immerhin war dieses erst ein paar Jahre vorher gefunden worden, was zur Reform König Joschijas geführt hatte. Da Jeremia den Schriftgelehrten vorwarf, dieses Buch verändert zu haben (Jeremia 8:8), unterschied sich dieses sicherlich von dem, was auf den Messingplatten war. Interessanter Weise haben die ersten zwei Bücher Nephi klare Gemeinsamkeiten mit dem, was man als die Elohistische Quelle der Bibel ansieht:

  1. Der Bund Davids wird ignoriert
  2. Der Bund Abrahams ist wesentlich
  3. Jakob wird nur selten Israel genannt
  4. Die Einwohner Jerusalems werden stark verurteilt
  5. Joseph in Ägypten ist ein wesentliches Thema, sowie die Rettung Israels durch Joseph
  6. Der Name Jehova wird selten verwendet, dafür kommen El-Gottesnamen dauernd vor (Gott, der Allerhöchste = El Elyon; der Allmächtige Gott = El Shaddai
  7. Personen werden oft nicht besonders charakterisiert, der Fokus liegt auf Geschichten
  8. Träume, Engel und Visionen sind wesentlich

Ebenso erwähnt werden Jesaja und Jeremia, Zenos, Zenock und Neum (Nahum?). Zenos und Zenock sind wahrscheinlich Propheten des Nordreiches, deren Worte in Jerusalem nicht niedergeschrieben worden waren.

Zeitliche Abfolge

Der Traum, in dem Lehi geboten wurde, die Platten holen zu lassen, war anscheinend zeitgleich damit, dass der Herr Nephi erschien. Vielleicht war diese Gleichzeitigkeit absichtlich, als Vorbereitung für Nephi auf das, was kommen würde. Lehi erkennt jedenfalls an der Bereitwilligkeit Nephis, ihm zu folgen, dass der Herr ihm erschienen ist.

1Nephi 3:1-2

1 Und es begab sich, daß ich, Nephi, vom Gespräch mit dem Herrn zum Zelt meines Vaters zurückkehrte.

2 Und es begab sich, dass er zu mir sprach und sagte: Sieh, ich habe einen Traum geträumt, in dem der Herr mir geboten hat, dass du und deine Brüder nach Jerusalem zurückkehren sollen.

Kommentar

Sprachlich

Ich habe einen Traum geträumt

Wie schon angemerkt ist das eine typische hebräische Formulierung. Einem Verb wird ein verwandtes Objekt beigestellt: Ich schlug einen Schlag, ich träumte einen Traum, ich sehe eine Vision. Wenn es sich auch hierbei um einen Hebraismus handelt, kann dieser nicht als klarer Beweis für Hebräisch als Originalsprache des Buches Mormon gelten, weil die Übersetzer der King James Bibel diesen Hebraismus auch so übersetzt haben, und es könnte sein, dass diese Form Joseph Smith aus der Bibel vertraut genug war, um sie instinktiv zu verwenden.

Inhalt

Allgemein

Hier beginnt eine der faszinierendsten Geschichten des Buches Mormon. Ich stütze mich in meinem Kommentar auf Grant Hardys Behandlung. Hardy liest den Text und stellt Fragen darüber. Dazu geht er davon aus, dass wir im Buch Mormon drei primäre Erzähler haben: Nephi, Moroni und Mormon. Jeder von ihnen hat eine eigene Stimme, eigene Absichten und eigene Gedanken. Jeder von ihnen fasst andere Quellen zusammen. Ihre Persönlichkeit zeigt sich in der Art und Weise, wie die Texte ausgewählt wurden, wie die Ereignisse präsentiert werden und wozu sie verwendet werden.

Nephi schöpft aus drei Arten von Schriften:

  1. Die Schriften Lehis
  2. Die Messingplatten
  3. Die Großen Platten Nephis

Hätten seine Brüder die Ereignisse genauso geschildert, wie er?  Hätten sie sie so bewertet, wie er? Wahrscheinlich nicht.

Eine Parodie, die die Ereignisse aus Lemuels Sicht beschreibt, beginnt so:

„Ich, Lemuel, der ich von nervigen Eltern geboren wurde, ich wurde darum in meinem Leben viel drangsaliert, nicht nur von meinen Eltern, sondern auch von meinem jüngeren Bruder Nephi und von meinem älteren Bruder Laman, mit dem ich am Besten auskomme. So! Vielleicht geben meine Eltern jetzt Frieden wegen dem Tagebuchschreiben!“

Nephi macht seine kleinen Platten Jahre nach den Ereignissen. Im Gegensatz zum jungen Nephi, über den er schreibt, weiß er schon, daß Laman und Lemuel nicht nur immer wieder gegen das aufbegehrten, was Lehi und Nephi von ihnen wollten, sondern daß es letztlich zur Trennung zwischen den beiden Gruppen und sogar zu Kämpfen zwischen ihnen gekommen war. Und er beschreibt seine Brüder relativ platt. Sie treten immer als Einheit auf. Uneinigkeit zwischen Laman und Lemuel gibt es scheinbar nicht. Und sie sind ganz klar die Bösen.

Wenn man jedoch zwischen den Zeilen liest, so treten da schon Fragen auf. So zum Beispiel murren die zwei andauernd, aber als Lehi sagt, „Wir ziehen in die Wildnis“, da sagen die beiden nicht, „Macht mal, wir bleiben hier“, sondern sie kommen mit. Als Lehi sie nach Jerusalem zurückschickt, gehen sie mit Nephi. Als Laman den Kürzeren zieht und als Erster mit Laban sprechen soll, tut er das. Als sie nochmals zurückgeschickt werden, um Ischmaels Familie zu holen, tun sie auch da mit. Und wir reden da jeweils von 700km Fußmärschen! Als Nephi ein Schiff baut, bauen sie – widerstrebend aber doch – mit. Sie reden zwar dauernd davon, Lehi und Nephi umzubringen, tun es aber nicht. Es ist klar: Nephi schreibt nicht als „liebender Vater“ (wie Lehi es wohl getan hätte), sondern als enttäuschter, geprügelter Bruder. Während Lehi damals noch auf Umkehr seiner Söhne hoffte, wußte der Nephi, der die kleinen Platten schrieb, dass seine Brüder kurz nach dem Tod Lehis so weit sein würden, ihn wirklich umzubringen.

Und in der Art, wie Nephi seine Geschichte präsentiert, stellt er sich selbst wahlweise als Moses und als Joseph dar. Er zeigt uns eine geeinte Front von Lehi und ihm gegenüber seinen älteren Brüdern, doch gerade die Geschichte von den Messingplatten wirft hier auch interessante Fragen auf.

Durch diese Fragen und kritisches Lesen werden wir mehr über die Person Nephi, seine Sorgen und seine Hoffnungen erfahren.

1. Nephi 2:20-22

20 Und insofern ihr meine Gebote halten werdet, soll es euch wohl ergehen, und ihr sollt in ein Land der Verheißung geführt werden, ja, selbst ein Land, das ich für euch vorbereitet habe, ein Land, das erwählt ist über allen anderen Ländern.

21 Und insofern deine Brüder sich gegen dich auflehnen, sollen sie von der Gegenwart des Herrn abgeschnitten werden.

22 Und insofern Du meine Gebote hältst, sollst Du zu einem Herrscher und einem Lehrer über deine Brüder gemacht werden.

Kommentar

Übersetzung

Textvarianten

ja, selbst ein Land, das ich für euch vorbereitet habe, ein Land

Als Oliver Cowdery diesen Text vom Originalmanuskript auf das Druckermanuskript abschrieb, fügte er irrtümlich ein zweites „ja“ ein: „vorbereitet habe, ja, ein Land“.

Für den Text ist es nicht erforderlich, der Originalwortlaut ist daher Basis meiner Übersetzung.

Textstruktur

Und insofern ihr meine Gebote halten werdet, ….soll es euch wohl ergehen, ….und ihr sollt in ein Land der Verheißung geführt werden, ….….ja, selbst ein Land, das ich für euch vorbereitet habe, ….….….ein Land, das erwählt ist über allen anderen Ländern.

Und insofern deine Brüder sich gegen dich auflehnen, ….sollen sie von der Gegenwart des Herrn abgeschnitten werden.

Und insofern Du meine Gebote hältst, ….sollst Du zu einem Herrscher und einem Lehrer über deine Brüder gemacht werden.

Durch den gemeinsamen Satzanfang und die gemeinsame Struktur sind diese drei Verse eng verknüpft. Zuerst wird von der ganzen Gruppe gesprochen, die die Gebote halten soll, dann von den Brüdern, und dann von Nephi selbst.

Wir sehen auch in Vers 20 eine Steigerung von einem Land der Verheißung, über ein Land das vorbereitet ist, hin zu einem Land das erwählt ist.

Kapitelende

In der ausgabe von 1830 war hier kein Kapitelende.

Inhalt

Antwort auf Nephis Sorge um seine Brüder

Die Antwort des Herrn ist vielschichtig. Er sagt nicht einfach: „Mach Dir keine Sorgen“, sondern er verheißt ihm, dass zwar die Brüder von der Gegenwart Gottes abgeschnitten werden, wenn sie sich von Gott abwenden, aber Nephi wird, nur abhängig von seinem eigenen Verhalten, Herrscher und Lehrer über seine Brüder werden.

Soll es euch wohlergehen im Land

Ein häufiges Missverständnis ist, dass Menschen, die Gottes Gebote halten, von Schwierigkeiten in ihrem Leben bewahrt bleiben. Das ist mit dieser Verheißung aber nicht gemeint. Dies zeigt sich auch immer wieder an Situationen im Buch Mormon, wo die Lamaniten die Nephiten, die gerade rechtschaffen waren, angriffen. Ein Krieg ist niemals eine Zeit ohne Schwierigkeiten. Aber durch ihre Nähe zu Gott können sie ihre Schwierigkeiten und Bedrängnisse besser ertragen und bewältigen.

Von der Gegenwart Gottes abgeschnitten

Diese Drohung kommt im Buch Mormon 19 Mal vor, üblicher Weise im Zusammenhang damit, dass Lehis und Nephis Verheißung zitiert wird. Besonders häufig tritt diese Redewendung in Alma auf. Wie wir in 2Nephi 5:20 und Alma 9:14 sehen, ist dieses Abschneiden nicht so sehr auf die ewige Bestimmung der Lamaniten bezogen, sondern mehr auf das irdische Leben. Wer sündigt, nimmt sich die Möglichkeit, Gottes Gegenwart zu erfahren und von ihm geführt zu werden.

Der Bund mit Nephi

Zu allen Zeiten führt, lehrt und schult Gott Menschen durch persönliche Bündnisse. Und er beruft Menschen, dass sie sein Volk führen, belehren und zu Bündnissen mit Gott führen. Diese Bündnisse umschließen einerseits die persönliche Rechtschaffenheit, als auch die Errettung anderer. Denken wir zum Beispiel an Abraham, durch dessen Nachkommen alle Geschlechter der Erde gesegnet sein sollen.

Ein ganz wesentlicher Bestandteil des alten Bundes, wie wir ihn bei Noah, Abraham und Mose sehen, schließt das Land mit ein. Für einen Juden zur Zeit Lehis war das Leben des Volkes Gottes im Heiligen (erwählten) Land, in dessen Mitte der Tempel steht, zentraler Teil des Bundes. Der Bund war ein Teil der Familiengeschichte. Durch den Bund ist das Land geheiligt. Daher ist es bedeutsam, dass Gott hier dem Nephi nicht nur verheißt, dass er der weltliche und geistige Führer der Nachkommen seines Vaters sein soll, sondern auch, dass sie ein Land erhalten sollen, das, so wie Israel, Teil des Bundes ist.

Auch in der Wiederherstellung ist das Land Teil des Bundes: Einerseits geht es um den Ort und das Land Zion, andererseits um diese Welt als Ort des celestialen Reiches. Im Zentrum der Verheißung steht das Heilige Volk im Heiligen Land.

1Nephi 2:18,19

18 Aber siehe, Laman und Lemuel wollten nicht auf meine Worte hören; und bekümmert wegen der Härte ihrer Herzen schrie ich zum Herrn um ihretwegen.

19 Und es begab sich, dass der Herr zu mir sprach, indem er sagte: Gesegnet bist du, Nephi, wegen deines Glaubens, denn du hast mich eifrig gesucht, mit Herzensdemut.

Komentar

Härte ihrer Herzen

Dieser Ausdruck kommt im Buch Mormon 24 Mal vor, davon 8 Mal im 1. und 2. Nephi, weitere 6 Mal in Alma. Im Neuen Testament sind es  vorallem Math 19:8, Mark 3:5, Mark 10:5 und Mark 16:14.

Ein hartes Herz ist vielleicht ein liebloses Herz (Math 19:8) mit Sicherheit aber eines, das nicht umkehrwillig und nicht gläubig ist.

Im Alten Testament wird das harte Herz nur einmal direkt erwähnt, und zwar in Hiob 41:15,16. Aus dem Chiasmus dieser zwei Verse lässt sich lesen, dass ein hartes Herz unveränderlich ist, was das Gegenteil eines reuigen, umkehrwilligen Herzens ist. Es ist ein Herz aus Stein. Und darüber schreibt Sacharja, dass die Menschen ihr Herz verhärten (also unveränderlich, unbeweglich), damit sie das Wort des Herrn nicht hören – bzw. verstehen (Sach 7:12). Und Ezechiel prophezeiht, dass der Herr seinem Volk das Herz aus Stein aus der Brust nehmen will und statt dessen ein Herz aus Fleisch geben wird: Ein Herz, das dem Volk hilft, nach Seinen Statuten zu wandeln und Seine Verordnungen zu halten (da ist er wieder, der Hinweis auf die Verordnungen des Tempels), während diejenigen, die kein geändertes Herz haben, verachtenswerte Dinge tun. (Ez 11:19,20)

Lamans und Lemuels Herzenshärte ist also eine Unwilligkeit, umzukehren. Sie wollen die Herzenswandlung nicht erleben, von der auch Alma spricht. Sie glauben nicht an den Messias, sondern sie glauben, dass das sture Einhalten aller Regeln zur Errettung führt. Sie glauben nicht an lebende Propheten. Sie sind dem Glauben treu, den sie in Jerusalem angenommen hatten. Den Glauben, den Lehi und Nephi kritisieren.

Sie wollen nicht den Herrn befragen, denn „der Herr tut uns so etwas nicht kund“ (diese Aussage Lamans und Lemuels ist gefolgt vom zweiten Mal, wo Nephi von der Herzenshärte seiner Brüder redet).

schrie ich zum Herrn um ihretwegen

Wie so viele Propheten im Buch Mormon schreit Nephi nicht zum Herrn, damit der die Ungerechten bestrafe und ihn räche, sondern damit das Herz seiner widersetzlichen Brüder erweicht werde und sie nicht vernichtet werden.

Und es begab sich, dass der Herr zu mir sprach

Wie später auch bei Enos ist das, was zu weiterer Offenbarung führt, nicht der Wunsch des Propheten nach mehr Offenbarung, nach persönlicher Heiligung, sondern der Wunsch, andere mögen gerettet werden. Liebe sorgt sich nicht zuerst um das eigene Heil, sondern darum, dass die Menschen, die man liebt, gerettet werden mögen.

wegen deines Glaubens, denn du hast mich eifrig gesucht, mit Herzensdemut.

Wir haben hier den deutlichen Gegenpol zu Lamans und Lemuels Hartherzigkeit:

  1. Den Herrn suchen, direkt und nicht nur durch das sture Halten von Regeln.
  2. Eifrig sein im Suchen des Herrn.
  3. Demut des Herzens. Bereitschaft, anzunehmen, was Gott sagt. Glaube, dass Er antwortet und der Wunsch umzukehren.

Das sind auch Elemente, die wir aus Moro 10:3-5 kennen. Wer sich dem Herrn nahen will und Offenbarung von ihm wünscht, muss das demütig, eifrig, geduldig und voller Liebe für andere tun, mit voller Herzensabsicht, zu tun, was Gott von ihm will.

1Nephi 2:16-17

16 Und es begab sich, dass ich, Nephi, der ich äußerst jung war, der ich jedoch von großer Gestalt war, und der ich auch große Sehnsüchte hatte, die Geheimnisse Gottes zu kennen, ich schrie deswegen zum Herrn; und siehe, er besuchte mich, und er erweichte mir das Herz, dass ich all die Worte, die mein Vater gesprochen hatte, glaubte; deswegen lehnte ich mich nicht gleich meinen Brüdern gegen ihn auf.

17 Und ich sprach zu Sam, indem ich ihm die Dinge zur Kenntnis brachte, die der Herr mir bekundet hatte durch seinen Heiligen Geist. Und es begab sich, dass er  an meine Worte glaubte.

Kommentar

Ich, Nephi

Hier beginnt Nephi seine eigene Geschichte, und er leitet sie mit den bekannten Worten „Ich, Nephi“, ein, und er beginnt, den Unterschied zwischen sich und seinen Brüdern aufzuzeigen.

Erweichte mir das Herz

Offensichtlich fiel es Nephi auch nicht einfach zu, seinem Vater zu glauben: Der Heilige Geist mußte ihm das Herz erst erweichen. Aber im Gegensatz zu Laman und Lemuel War es ihm ein Bedürfnis, die Geheimnisse Gottes (siehe dazu den Kommentar „Die Geheimnisse Gottes“ in 1Nephi 1:7,8) kennen zu lernen, und deswegen betete er voller Sehnsucht und offensichtlich auch laut zum Herrn.

Dies scheint Nephis Standardhandlungsweise zu sein: Als er später die Lehren von Lehi über den Messias und über die Ölbäume hört, will er es auch selbst wissen und betet. Er erklärt auch, dass wir das so tun sollen.

Weiters finden wir eine Parallele zu Joseph Smith, der bei allen möglichen Fragen immer zuerst zum Herrn ins Gebet gegangen ist. So wurde zum Beispiel das Aaronische Priestertum wiederhergestellt, weil Joseph und Oliver beim Übersetzen des Buches Mormon auf Vollmacht zur Taufe gestoßen sind und wissen wollten, was es damit auf sich habe. Ein Großteil der Abschnitte in Lehre und Bündnisse sind Ergebnisse von Fragen, die sich dem Propheten gestellt haben.

Und wir wissen, daß Josephs Erste Vision kam, als er zum ersten Mal in seinem Leben allein für sich laut betete.

Die Geheimnisse Gottes

Diese Geheimnisse Gottes waren aber dem jüdischen Establishment seiner Zeit nach eine Irrlehre, die sie aus dem Tempel entfernt hatten.

Und Nephi legt auch hier den Kern der Geheimnisse Gottes dar: „er (Gott) besuchte mich“.

Ähnliches lesen wir auch in LuB 84:19-22, wo ebenso die Geheimnisse Gottes mit den Verordnungen (das Wort, das in der Kirche für das verwendet wird, was in den Orthodoxen Kirchen Mysterion =Geheimnis und in den lateinischen Kirchen Sakrament =Heilszeichen genannt wird) des Melchisedekischen Priestertums verbunden werden, und mit der Idee, Gott zu sehen, sowie mit der Macht des Göttlichen. Die erste Verordnung des Melchisedekischen Priestertums im Tempel ist das Endowment. Auf Deutsch wird auch der Begriff „Begabung“ verwendet.

„To endow“ heißt ausstatten, ausrüsten, und Joseph Smith verwendet in seinen Aufzeichnungen sowohl das Wort „endowment“ als auch „enduement“ für die gleiche Sache. Die beiden Worte sind verwandt, und die gemeinsame Bedeutung ist:

  1. Jemanden oder sich ankleiden oder einkleiden
  2. Die Charakteristiken, Tugenden oder Absichten von jemandem annehmen.Und natürlich denken wir hier auch an den Mantel des Königs oder den Mantel des Propheten und die heiligen Gewänder des Priestertums im Alten Testament, die einerseits den Träger kosher, also für den heiligen Dienst tauglich machen, andererseits ihm (genau so wie dem Propheten) als Zeichen der Vollmacht dienen: Im wahrsten Sinne also Kraft/Macht aus der Höhe.

Sowohl endue als auch endow stamen vom griechischen Wort enduo. Christus verwendet das Wort in Lukas 24:49, wo es in der Einheitsübersetzung mit „erfüllt werden“ übersetzt, Paulus verwendet, als er davon redet, daß wir Christus als Gewand angelegt haben (was wiederum eine Parallele im  Psalm Nephis hat, wo Nephi darum bittet, Jesus möge das Gewand Seiner Rechtschaffenheit um Nephi legen), und dass in unserer Auferstehung das Verwesliche sich mit Unverweslichkeit bekleidet.

Und ich sprach zu Sam

Anscheinend war Sam weder so gestrickt, wie Nephi, dass er auf persönliche Offenbarung drängte, noch so wie Laman und Lemuel, sodass er ablehnte, was man ihn lehrte. Es war ihm genug, dass Nephi ihm Zeugnis und Erklärung gab.

Das entspricht wohl LuB 46:13-14. Nephi war es gegeben, durch persönliche Offenbarung zu wissen, wogegen es Sam gegeben war, Nephis und Lehis Worten zu glauben. Beides führt letztlich zum gleichen Ergebnis.

1Nephi 2:13-15

13  Auch glaubten sie nicht, dass Jerusalem, diese große Stadt, zerstört werden könne, wie es die Propheten gesagt hatten. Und sie waren wie die Juden zu Jerusalem, die danach strebten, meinem Vater das Leben zu nehmen.

14  Und es begab sich, dass mein Vater im Tale Lemuel zu ihnen sprach, mit Macht, erfüllt vom Geist, bis ihre Gestalt vor ihm bebte. Und er brachte sie so durcheinander, dass sie nicht wagten, gegen ihn zu reden; darum taten sie, wie er ihnen gebot.

15  Und mein Vater wohnte in einem Zelt.

 

Kommentar

Auch glaubten sie nicht, dass Jerusalem, diese große Stadt, zerstört werden könne

Zumindest 6 Gründen trugen dazu bei, dass Laman und Lemuel, so wie die Juden in Jerusalem, nicht glaubten, daß die Stadt zerstört werden könnte:

  1. Die Juden verstanden, wie historische Unterlagen zeigen, Jerusalem, „diese große Stadt“, als einen heiligen Platz, den Gott nicht zerstören und entweihen lassen würde.
  2. Sie verstanden den Bund Davids als Versprechen, dass die davidische Dynastie immer auf dem Thron in Jerusalem sitzen würde
  3. Die erlebte wundersame Befreiung in den Tagen Hiskijas (2Kön 18-19) bestärkte sie in der Annahme, Gott werde Seine Stadt bewahren.
  4. Die Stadt war in den Tagen Hiskijas heftig befestigt worden und verfügte auch über eine eigene Wasserquelle. Deswegen dachten die Juden, sie könnten einer Belagerung länger standhalten, als die Belagerer.
  5. Aufgrund der kürzlich erfolgten Reform sahen sich die Juden als rechtschaffen und deswegen unbesiegbar.
  6. Falsche Propheten bestärkten diese Ansicht noch.

(Siehe Woods und Seely )

Und sie waren wie die Juden zu Jerusalem

Das ist wieder ein Hinweis darauf, dass Laman und Lemuel nicht einfach unreligiös waren, sondern sich eher mit der Jerusalemer Elite solidarisiert hatten, was den Glauben angeht. Daher verunglimpften sie Lehi und Nephi und wollten Nephi dann auch töten. Diese Tötungsabsicht könnte aber weniger von Mordlust gekennzeichnet, sondern vielleicht mehr von der Absicht, einen Irrlehrer, einen falschen Propheten, der das Volk von Gott wegführen will, hinzurichten, wie es das Gesetz des Moses, vorallem in der Sichtweise der Deuteronomisten, fordert.

Und mein Vater wohnte in einem Zelt

Drei Mal wird in der Geschichte darauf hingewiesen, daß Lehi in einem Zelt wohnte: 1Nephi 2:15, 1Nephi 9:1 und 1Nephi 16:6. In jedem dieser Fälle beendet dieser Satz den vorherigen Abschnitt. In diesem Fall vermutet Brant Gardner, dass Nephi bis dahin die Aufzeichnungen seines Vaters kurzgefasst hat, ab dann jedoch seine eigene Geschichte erzählt. Hugh Nibley weist darauf hin, dass es für den Bewohner der arabischen Halbinsel zwei Möglichkeiten gibt: Stadt-/Dorfbewohner und Beduine. Lehis Familie zieht zunächst ans Rote Meer. Dort aber lassen sie sich für längere Zeit mit ihrem Zelt nieder. Mit der Erklärung Nephis wird klar, dass sie sich nicht als Stadtbewohner auf einem kurzen Trip in die Wildnis sehen, sondern als Nomaden, Zeltbewohner. Für den Beduinen ist sein Zelt ein Mikrokosmos, Sinnbild für die Schöpfung. Das hebräische Wort für „Zelt“ und das arabische Wort für Familie haben eine gemeinsame Wurzel.