1Nephi 1:4-6

1Ne 1:4 Denn es begab sich zu Beginn des ersten Jahres der Regierungszeit Zidkijas, des Königs von Juda (mein Vater, Lehi, hatte in all seinen Tage bei Jerusalem gelebt), und in demselben Jahr kamen viele Propheten, die dem Volk prophezeiten, es müsse umkehren, oder die große Stadt Jerusalem werde zerstört werden müssen.

1Ne 1:5 Aus diesem Grund begab es sich: Mein Vater Lehi ging hinaus und betete zum Herrn, ja, nämlich aus ganzem Herzen, für sein Volk.

1Ne 1:6 Und es begab sich: Als er zum Herrn betete, da kam eine Feuersäule und verweilte vor ihm auf einem Felsen; und er sah und hörte vieles; und wegen der Dinge, die er sah und hörte, zitterte er außerordentlich.

Kommentar

Allgemein

es begab sich

„und es begab sich“ ist wohl die häufigste Phrase im Buch Mormon, und viele Leser haben sich gefragt: Wenn so wenig Platz auf den Platten war und das Schreiben so mühsam, warum haben die Schreiber dann so viel Zeit und PLatz darauf verwendet, jeden zweiten Vers mit „Und es begab sich“ zu beginnen? Mark Twain meinte sogar scherzhaft, wenn man „und es begab sich“ aus dem Buch nehmen würde, ware es nur halb so lang.

In der ersten deutschen Ausgabe des Buches wurde auch tatsächlich „Und es begab sich“ durch „Und [..]“ ersetzt.

Im Hebräischen braucht man für „und es begab sich“ nur ein einziges Wort: Wayehi. Es bedeutet, daß die Geschichte weitergeht. „Es geschah“, oder eben „es begab sich“. Da im Buch Mormon, mehr noch als im Alten Testament, sehr viel Geschichte zusammengefasst ist, ist es nur natürlich, daß es so oft vorkommt. Auch das Alte Testament verwendet das Wort etwa 1300 Mal, aber es wird nur selten mit „und es begab sich“ übersetzt.

Mehr darüber hier.

zu Beginn des ersten Jahres der Regierungszeit Zidkijas

Nach einem kurzen Abriß über die Zeit und den Ort der Handlung sowie ihre Hintergründe schildert Nephi die erste Vision seines Vaters Lehi.

Der historische Zusammenhang ist das Auftreten vieler Propheten zur Zeit des Königs Zidkija. Das Jahr ist 597 v.Chr., Zidkija ist 21 Jahre alt. Sein Vater war Joschija, der die Religion der Juden reformiert hatte.

König Joschijas Reform beginnt mit der Renovierung des Tempels, bei der eine Schriftrolle gefunden wird, wahrscheinlich das heutige Buch Deuteronomium, bzw. eine Urform davon. In der Folge wird der Tempelkult umgestellt. Weiters erhalten die Bücher Mose, die Bücher Josua, Samuel, Chronik und Könige ihre heutige Form.

Die Schriftgelehrten und Tempelpriester bekommen mehr Macht, was nicht nur gut ist. So wird zum Beispiel die Schrift deutlich über die Propheten gestellt. Ein Prophet muß erst beweisen, daß er Prophet ist, indem er etwas vorhersagt, das auch eintrifft (Deut 18:22).

Der Tempelmystizismus, also der Tempel als Ort der Belehrung, in dem man lernt, vor Gott zu stehen, weil man Bündnisse mit ihm eingeht, wo man lernt, so zu werden, wie Er ist, und dann mit seiner Macht ausgestattet als sein Bote zu den Menschenkindern zurückgeschickt zu werden, um die Welt zu heiligen und zu Gott zu ziehen, wird zurückgedrängt. Das Halten des Gesetzes und der Opferkult sind allein seligmachend.

Die Auslegung der Schrift wird Sache der Priester und Gelehrten, die nur eine Auslegungsmöglichkeit zulassen: Ihre. Anklänge dieses Problems zeigen sich u.a. in Jer 8:8, wo Jeremia den Gelehrten entgegenwirft, daß sie die Schrift absichtlich verfälschen:

„Wie könnt ihr sagen: Weise sind wir / und das Gesetz des Herrn ist bei uns? Ja! Aber der Lügengriffel der Schreiber / hat es zur Lüge gemacht.“

Unschwer erkennt man, daß Lehi und Nephi diesen Vorwurf wiederholen:

„Und nachdem sie durch die Hand der zwölf Apostel des Lammes von den Juden zu den Andern gelangt sind, siehst du die Entstehung jener großen und greuelreichen Kirche, die vor allen anderen Kirchen höchst greuelreich ist; denn siehe, herausgenommen haben sie aus dem Evangelium des Lammes viele Teile, die klar und höchst kostbar sind; und auch viele Bündnisse des Herrn haben sie herausgenommen.“ (1Ne 13:26)

Es ist also zu erkennen, daß sich die Kritik der Propheten gegen die Kinder von Joschijas Reform richtet, speziell gegen die, die meinen, besonders rechtschaffen zu sein. Und auch das findet sich in Nephis Schriften:

„Und wir wissen, daß das Volk im Land Jerusalem ein rechtschaffenes Volk gewesen ist; denn sie haben die Satzungen und Richtersprüche des Herrn und alle seine Gebote befolgt, gemäß dem Gesetz des Mose; darum wissen wir, daß sie ein rechtschaffenes Volk sind; und unser Vater hat sie verurteilt und hat uns weggeführt, weil wir auf seine Worte gehört haben“ (1Ne 17:22)

in demselben Jahr kamen viele Propheten

Zu dieser Zeit gibt es zumindest vier in der Bibel namentlich genannte Propheten:

  • Zefanja. Er predigte in erster Linie in den Synagogen, also den Priestern, den Gelehrten und denen, die sich für besonders gläubig hielten. Sein Name bedeutet „Gott hat (schützend) geborgen / verborgen“
  • Jeremia. Er war ein Schüler Zefanjas und möglicher Weise auch Jesajas. Er ist (rabbinischer Tradition zu Folge) ein Nachfahre von Josua, dem Nachfolger des Moses, und Rahab. Er predigt den Männern auf der Straße. Sein Name bedeutet „Gott erhöht“.
  • Die Prophetin Hulda. Auch sie stammt von Josua und Rahab. Ihre Predigt geht in erster Linie an die Frauen auf der Straße, die jüdischen Tradition behauptet aber, daß sie auch an einer Schule unterrichtet hat.
  • Urija, der Sohn Schemajas, aus Kirjat-Jearim. Er weissagte gegenJerusalem mit ganz ähnlichen Worten wie Jeremia (Jer 26:20-24).

Aus diesem Grund begab es sich: Mein Vater Lehi ging hinaus und betete zum Herrn

Hier finden wir ein zentrales Thema des Buches Mormon:

  • Lehi hört Propheten predigen
  • Er glaubt ihnen
  • Er betet zum Herrn
  • Gott offenbart sich Lehi. Er wird also selbst Prophet

Diese Geschichte wird mit Nephi wiederholt (1Ne 11), später mit Enos (Enos 1) und so weiter. Das Buch Mormon endet mit der Verheißung, dass diejenigen, die dieses Buch glaubensvoll lessen, selbst durch Offenbarung wissen können, ob es wahr ist (Moro 10:3-5).

ja, nämlich aus ganzem Herzen, für sein Volk.

Lehis Gebet ist etwas Besonderes, weil er nicht für sich selbst und seine Errettung betet, sondern für sein Volk. Später wird Enos das Gleiche tun – und nach ihm Alma und Nephi, der Jünger. Wahre Nachfolger Jesu sind dadurch ausgezeichnet, dass sie sich nicht so sehr um die eigene Errettung sorgen, wie um die Errettung Anderer. Jesus selbst ist uns hier ein Vorbild, da er für alle sein Leben gegeben hat, damit sie errettet werden können.

da kam eine Feuersäule und verweilte vor ihm auf einem Felsen

Daß Gott Lehi als Feuersäule erscheint, ist eine Erinnerung an das Volk Israel, das von einer Rauchwolke bei Tag und einer Feuersäule bei Nacht geführt wurde (Ex 13:21).

Hiermit wird angedeutet, daß Lehi, wie Moses, ein Volk weg in ein gelobtes Land führen sollte, was Nephi immer wieder erwähnt.

Wir erinnern uns aber auch an den jungen Joseph, der Gott in einer Säule aus Licht sieht.

Weiter….

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Ein Gedanke zu “1Nephi 1:4-6

  1. Anmerkung von Jens Curwy vom 18.04.2015 zu 1 Nephi 4-7 und „und es begab sich“:

    Auch ich hörte Seufzer von Geschwistern die meinten: Da wird so viel von Kriegen berichtet und immer: Und es begab sich. Doch warum steht es so oft dort drinne? Weil es sich eben begab. Und die Wiederholung ist ja die Mutter gegen das Vergessen.

    7 Und es begab sich: Er kehrte in sein eigenes haus zu Jerusalem zurück; und er warf sich auf sein Bett, denn er war überwältigt vom Geist und von dem, was er gesehen hatte.

    Auch ich war überwältigt, als ich das Buch Mormon das erste Mal las. Ich sagte, auch wenn ich nicht alles gleich verstand, dass dies doch das sei, wonach sich die Menschen sehnen. Hier steht es doch alles erklärt. Ganz einfach. Mein Herz war glücklich, daß ich solch ein Buch in der Hand halten durfte.

    Es mag jetzt für den einen oder anderen jetzt etwas widersprüchlich klingen, doch Jesus sagte ja, dass wir in diesen Schriften forschen sollen. Forschen heißt ja nicht nur lesen.

    Wenn wir also die Bibel hinzunehmen und sie mit den Querverweisen aus dem Buch Mormon vergleichen, dann wird erst vieles für uns verständlich, was beim ersten Mal noch nicht verständlich war.

    So setzten sich die einzelnen Goldfädchen zu einem Gesamtbild zusammen. Und es begab sich: Meine Freude wurde überaus groß, denn sie begann mir köstlich zu schmecken (siehe auch Alma 32:28).

    Im Namen Jesu Christi. Amen. 😉

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