Titelseite

DAS BUCH MORMON

EIN BERICHT, VON MORMON MIT EIGENER HAND AUF PLATTEN GESCHRIEBEN, DEN PLATTEN NEPHIS ENTNOMMEN

Darum ist dies ein Auszug der Aufzeichnung des Volkes Nephi und auch der Lamaniten—Geschrieben an die Lamaniten, die ein Überrest des Hauses Israel sind, und auch an die Juden und die Nichtjuden—Geschrieben auf ein Gebot hin und auch durch den Geist der Prophezeiung und der Offenbarung—Geschrieben und versiegelt und dem Herrn verborgen, dass sie nicht zerstört werden— Um durch die Gabe und Macht Gottes hervorzukommen zu ihrer Auslegung—Versiegelt durch die Hand Moronis und dem Herrn verborgen, um zur bestimmten Zeit auf die Weise der Anderen hervorgebracht zu werden—Die Auslegung davon durch die Gabe Gottes.

Weiters ein Auszug dem Buch Ether entnommen, das ein Bericht über das Volk Jareds ist, das zu der Zeit zerstreut wurde, da der Herr die Sprache der Menschen verwirrte, als sie einen Turm bauten, um zum Himmel zu kommen— Was dem Überrest des Hauses Israel zeigen soll, was der Herr Großes für ihre Väter getan hat; und dass sie die Bündnisse des Herrn erkennen mögen, dass sie nicht für immer verstoßen sind—Und auch, um die Juden und die Andern davon zu überzeugen: Jesus ist der Christus, der Ewige Gott, der sich allen Nationen kundtut—Und nun, wenn Mangel darin sei, wäre es der Fehler von Menschen; deswegen verwerft nicht, was von Gott kommt, damit ihr makellos befunden werden mögt vor dem Richterstuhl Christ.

Übersetzt von Joseph Smith jun.

Kommentar

Allgemein

Das Titelblatt hat die antike Form eines Kolophons.

Titel

Es gibt Absplitterungen der Kirche, die das Buch Mormon unter einem anderen Titel verbreiten, wie zum Beispiel „Nephitischer Bericht“. Die ältesten Manuskripte zeigen, daß der Titel „The Book of Mormon“ (inklusive Artikel) von Anfang an verwendet wurden und Teil des Titelblattes waren. Die Formulierung „Book of Mormon“ ist an und für sich schon ein „Hebraismus“, eine hebräische grammatikalische Form. In gutem Englisch müsste man von „Mormon’s Book“ reden.

Autor

„Ich möchte hier erwähnen, daß die Titelseite des Buches Mormon eine buchstäbliche Übersetzung ist, dem letzten Blattt auf der linken Seite der Sammlung von Büchern oder Platten entnommen, die die Aufzeichnung enthalten, die übersetzt worden ist, da die Sprache [Schrift] des Ganzen in die selbe Richtung läuft, wie Hebräisch generell, und dass die Titelseite in keiner Weise eine moderne Zusammenstellung ist, nicht von mir, noch von jemand anderem, der in dieser Generation lebt oder gelebt hat“ (Joseph Smith, Jr., History of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, ed. B. H. Roberts, 7 vols. (Salt Lake City: Deseret News, 1932–1951), 1:71.

Während wir aber wissen, daß Joseph Smith nicht der Autor dieses Titelblattes ist, gibt es Diskussionen darüber, ob Mormon einen Teil davon geschrieben haben könnte. Die Diskussion kommt daher, dass folgende zwei Textzeilen sehr ähnlich sind:

  1. Geschrieben und versiegelt und dem Herrn verborgen, dass sie nicht zerstört werden – Um durch die Gabe und Macht Gottes hervorzukommen zu ihrer Auslegung
  2. Besiegelt durch die Hand Moronis und dem Herrn verborgen, um zur bestimmten Zeit auf die Weise der Anderen hervorgebracht zu werden—Die Auslegung davon durch die Gabe Gottes.

In dieser Lesart werden Morm 8:34-35 und Morm 8:5 (wo Moroni davon redet, daß Mormon den Zweck (engl. „intent“, also eigentlich Absicht) des Berichts niedergeschrieben hat, was als direkte Beschreibung des Titelblattes gesehen werden kann.

Bei dieser Wiederholung kann es sich auch um einen absichtlichen Parallelismus handeln:

Geschrieben und

Versiegelt und dem Herrn verborgen, dass sie nicht zerstört werden

Um durch die Macht Gottes
hervorzukommen zu ihrer Auslegung

Versiegelt und dem Herrn verborgen

um ….. hervorgebracht zu werden
Die Auslegung davon durch die Gabe Gottes

So betrachtet wäre es eine Bekräftigung des Prinzips, weil das Versiegeln, das Verbergen, das Hervorkommen und Übersetzen durch die Gabe Gottes eine zentrale Botschaft darstellt.

Dr. Sidney Sperry hält es aber für möglich, daß Moroni einen Teil des Titelblattes um etwa 400 n.Chr. geschrieben hat und einen zweiten zwanzig Jahre danach.

Ein überzeugendes Argument für die Autorenschaft von Moroni lässt sich daraus sehen, dass die Worte „versiegelt“ und „Auslegung“ (engl. interpretation) nur bei Nephi und bei Moroni vorkommen, sonst bei keinem Autor im Buch Mormon, und bei Moroni deutlich häufiger als bei Nephi.

Formelles

Was der Prophet Joseph diktierte, wurde von seinen Schreibern geschrieben. Danach schrieb Oliver Cowdery den Text ab. Diese Abschrift wurde der Druckerei E.B. Grandin, gegeben. Da der ursprüngliche Text keine Satzzeichen und keine Großschreibung  hatte, fügte der Vorarbeiter in der Druckerei, John H. Gilbert,  diese ein. (So weit wir feststellen können hat Oliver Cowdery beim Abschreiben (vom Originalmanuskript hin zum sogenannten Druckermanuskript) etwa 140 Fehler gemacht – eine pro Seite. 37 Veränderungen waren absichtliche Verbesserungen der Grammatik – aber zumindest 17 davon haben die Sprache verschlechtert. Nur in 7 Fällen ist das Druckermanuskript besser. Und in diesen Fällen handelt es sich um typisch hebräische Formen, die durch die Verbesserung unkenntlich gemacht wurden. ) Eine ausführlichere Abhandlung des Themas findet man hier.

Es gibt auch noch weitere frühe Abschriften. Eine davon wurde verwendet, um das Copyright für das Buch Mormon zu sichern. In dieser Abschrift hat der Prophet Joseph Smith den ganzen Text, den wir heute als Titelblatt haben, angeführt. Es gibt ein paar Großschriften und eine Menge Satzzeichen, aber ohne Absätze.

Veränderungen

Den Copyright-Gesetzen der damaligen Zeit folgend steht in den ersten Varianten des Titelblattes ganz unten nicht „Übersetzt von Joseph Smith jun.“, sondern „von Joseph Smith, Autor und Eigentümer“. Diese eine Zeile ist also nicht Übersetzung, sondern Hinzufügung. Gegner der Kirche verwenden das gerne, um zu behaupten, daß Joseph Smith selbst nicht glaubte, eine Übersetzung zu liefern, sondern sich als Autor bezeichnete. Diese Behauptung kommt aus einer Unkenntnis der Gesetze der damaligen Zeit und ist haltlos. Joseph konnte als Autor oder Eigentümer des Textes ein Copyright erwerben, und Eigentümer konnte er nur sein, wenn er den Text vom Autor käuflich erworben hatte. Weiters war es damals durchaus üblich, den Übersetzer eines Textes auch als Autor zu bezeichnen. So wurde zum beispiel in der 1834 Ausgabe der King James Bibel ein „Reverend B. Boothroyd“ as „der Autor“ bezeichnet.

Ebenso finden wir im Vorwort zur 1. Auflage des Buches Mormon folgenden Text:

„Ich möchte Sie informieren, daß ich [das Buch Mormon] durch die Gabe und Macht Gottes übersetzt habe und bewegt wurde zu schreiben.“ In den 35 Zeilen des Vorwortes sagt der Prophet nicht weniger als 6 Mal, dass es eine Übersetzung ist.

Um aber Verwirrung zu vermeiden hat Joseph Smith in der 1837 Version diese Zeile auf „übersetzt durch Joseph Smith jun“ geändert.[iv]

Inhaltliches und Übersetzung

Darum ist dies ein Auszug der Aufzeichnung des Volkes Nephi

Die Goldenen Platten waren offensichtlich aus Metall, aber nicht alle Aufzeichnungen der Nephiten waren auf Metallplatten. Zum Beispiel verbrannten die Einwohner der Stadt Ammoniha Schriften(siehe Alma 14:8, vgl. Mosia 2:8; 29:4; und Alma 63:12)– diese können wohl nicht auf Metall geschrieben gewesen sein. Da Metall nur schwer zu bekommen und noch schwerer zu bearbeiten war, ist anzunehmen, dass Schriften für den Alltagsgebrauch auf vergänglicherem Material abgefasst waren. Die Aufzeichnungen des Volkes umfassten die Schriften der Propheten, die Aufzeichungen der Könige und vieles mehr.

Geschrieben an die Lamaniten,… und auch an die Juden und die Nichtjuden

Mormon und Moroni haben nicht für ihre Zeitgenossen geschrieben, sondern für die Menschen der Neuzeit. Von der Auswahl der Quellen, der Ereignisse und Reden bis hin zur Wortwahl richtet sich das Buch Mormon an die Menschen unserer Zeit, nicht an die Nephiten, die in diesem Buch beschrieben warden.

was der Herr Großes für ihre Väter getan hat

Interessanter Weise finden wir im Buch Mormon kaum etwas darüber, was die Vorväter heutiger Juden angeht. Wir können aber annehmen, dass Genealogie im Buch Mormon ursprünglich wichtig war, wie wir auch in 1.Ne 5:14,16 lesen können. Die ausführlichen Genealogien finden sich in den Schriften Lehis, die bei den verlorenen 116 Seiten waren.

um … davon zu überzeugen: Jesus ist der Christus, der Ewige Gott

Hier wollte ich in der übersetzung die eingliedrige Bekenntnisformel erhalten, die in der aktuellen deutschen Übersetzung nicht so klar ist. Das Buch Mormon ist voll von eingliedrigen Bekenntnisformeln, die klar bezeugen: Jesus ist der Christus, Jesus ist der Ewige Gott. Dies findet sich z,B, auch in Moroni 5:14 beinahe mit gleichem Wortlaut, wie hier im Titelblatt, und im gleichen Zusammenhang: Dem Hervorkommen des Buches zu den Juden und den Anderen. Damit zeigt sich, wie Mormon die Materialauswahl getroffen hat: Das, was zeigt, daß Jesus der Christus und der Ewige Gott ist, das hat er gewählt. Es ist kein umfassender historischer Bericht, der alles beleuchtet. Es ist religiöse Geschichtsschreibung, die zum Glauben an Christus bewegen soll.

„Dem zentralen Thema treu und mit christozentrischer Konsequenz reden, predigen und prophezeihen die nephitischen Propheten von ihm, und freuen sich an ihm, sodass jeder von uns wissen kann, zu welcher Quelle wir für die Sündenvergebung aufblicken mögen.“ (Robert J. Millet, „Another Testament of Jesus Christ,“ in The Book of Mormon: First Nephi, 173 Robert J. Millet, „Another Testament of Jesus Christ,“ in The Book of Mormon: First Nephi, 173)

Wenn Mangel darin sei..

Im Originalmanuskript und der 1. Auflage von 1830 steht dieser Satz in Einzahl und Konjunktiv Präsens („and now if there be fault, it be the mistake of men“). In der 1837 Version änderte der Prophet diesen Satz von Singular auf Plural und von Konjunktiv auf Indikativ. Diese editorielle Änderung ist seither der Standard, ich habe hier die ursprüngliche Form übersetzt.

verwerft nicht, was von Gott kommt, damit ihr makellos befunden werden mögt vor dem Richterstuhl Christ.

Für mich ist hier ein Querverweis auf 1Kor 14:37-39 angebracht. Hier wie dort wird dazu aufgefordert, selbst mit Gott in Kontakt zu treten und prophetisch zu reden, dabei aber Acht zu geben, dass man Gottes Propheten nicht verwirft bzw. anerkennt. Nur, wer die Propheten Gottes anerkennt, wird nicht verworfen, und wer das, was von Gott kommt verwirft, der kann nicht makellos befunden werden im Jüngsten Gericht.

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2 Gedanken zu “Titelseite

  1. “Interessanter Weise finden wir im Buch Mormon kaum etwas darüber, was die Vorväter heutiger Juden angeht.”

    Stimmt das? Es gibt etliche Verse über Mose. Er ist doch ein Vater der heutigen Juden, sogar wenn wir nur von einem Vater im geistigen Sinne sprechen, oder?

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  2. Danke für den Hinweis. Ich habe darauf hin die Stellen im BM über Moses untersucht. Insgesamt wird Moses in 63 Versen angesprochen. 42 davon reden aber nur vom „Gesetz des Moses“. Es wird also nichts Spezifisches über Moses gesagt. Weitere 10 reden davon, daß Moses den Messias prophezeit hat. Und 9 schreiben ein Bißchen mehr über Moses, z.B. die Episode bei Meriba. Ja, Moses ist nicht ganz rausgenommen aus dem Text, aber so richtig viel finden wir auch nicht.

    David B. Honey schreibt in http://publications.maxwellinstitute.byu.edu/fullscreen/?pub=1385&index=7:

    ****************
    The Title Page commences by crediting the Book of Mormon to the prophet/historian Mormon: it is „an account written by the hand of Mormon upon plates taken from the plates of Nephi. Wherefore it is an abridgment of the record of the people of Nephi, and also of the Lamanites.“ We learn that the work is a condensation of many historical records written upon plates that originally had been fashioned by the first Nephite historian, Nephi. The fact that the work has been edited out of various other records leads us to conclude that the redactor, Mormon, must have been guided by certain editorial principles by which he decided which records were important to copy, excerpt, or summarize and which data were judged either essential, superfluous, or unnecessary to include. Several editorial guidelines may be construed from the second paragraph (of the modern English translation) of this document.

    The first few guidelines concern questions of history. Since one purpose of the Book of Mormon „is to show unto the remnant of the house of Israel what great things the Lord hath done for their fathers,“ we can safely conclude that matters of genealogy which showed the lineage of the house of Israel must have been important to include so that the remnant of this house would know their identity. This was one reason the brass plates were of such importance, as Nephi records:

    And it came to pass that my father, Lehi, also found upon the plates of brass a genealogy of his fathers; wherefore he knew that he was a descendant of Joseph. . . . And thus my father, Lehi, did discover the geneal ogy of his fathers. (1 Nephi 5:14, 16)

    The fact that detailed genealogies as such are not found in those parts of the Book of Mormon that pertain to the family of Lehi, i.e., the Nephites and Lamanites,4 is due to the loss in the early stages of translation of that part of the Book of Mormon which contained them.5 Enough genealogical information was included to establish lineages, especially among the prophet/ historians who were careful to cite their parentage to support the authority of their office and to help justify their historical accounts.6 And, of course, the Nephites themselves had access to all their historical records, including genealogies, so that even after a thousand years of Nephite history Mormon could claim confidently that he was a „pure descendant of Lehi“ (Mormon 5:20).
    ****************

    Ich hoffe, das erklärt ein Bißchen, was gemeint ist.

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