1Nephi 1:4-6

1Ne 1:4 Denn es begab sich zu Beginn des ersten Jahres der Regierungszeit Zidkijas, des Königs von Juda (mein Vater, Lehi, hatte in all seinen Tage bei Jerusalem gelebt), und in demselben Jahr kamen viele Propheten, die dem Volk prophezeiten, es müsse umkehren, oder die große Stadt Jerusalem werde zerstört werden müssen.

1Ne 1:5 Aus diesem Grund begab es sich: Mein Vater Lehi ging hinaus und betete zum Herrn, ja, nämlich aus ganzem Herzen, für sein Volk.

1Ne 1:6 Und es begab sich: Als er zum Herrn betete, da kam eine Feuersäule und verweilte vor ihm auf einem Felsen; und er sah und hörte vieles; und wegen der Dinge, die er sah und hörte, zitterte er außerordentlich.

Kommentar

Allgemein

es begab sich

„und es begab sich“ ist wohl die häufigste Phrase im Buch Mormon, und viele Leser haben sich gefragt: Wenn so wenig Platz auf den Platten war und das Schreiben so mühsam, warum haben die Schreiber dann so viel Zeit und PLatz darauf verwendet, jeden zweiten Vers mit „Und es begab sich“ zu beginnen? Mark Twain meinte sogar scherzhaft, wenn man „und es begab sich“ aus dem Buch nehmen würde, ware es nur halb so lang.

In der ersten deutschen Ausgabe des Buches wurde auch tatsächlich „Und es begab sich“ durch „Und [..]“ ersetzt.

Im Hebräischen braucht man für „und es begab sich“ nur ein einziges Wort: Wayehi. Es bedeutet, daß die Geschichte weitergeht. „Es geschah“, oder eben „es begab sich“. Da im Buch Mormon, mehr noch als im Alten Testament, sehr viel Geschichte zusammengefasst ist, ist es nur natürlich, daß es so oft vorkommt. Auch das Alte Testament verwendet das Wort etwa 1300 Mal, aber es wird nur selten mit „und es begab sich“ übersetzt.

Mehr darüber hier.

zu Beginn des ersten Jahres der Regierungszeit Zidkijas

Nach einem kurzen Abriß über die Zeit und den Ort der Handlung sowie ihre Hintergründe schildert Nephi die erste Vision seines Vaters Lehi.

Der historische Zusammenhang ist das Auftreten vieler Propheten zur Zeit des Königs Zidkija. Das Jahr ist 597 v.Chr., Zidkija ist 21 Jahre alt. Sein Vater war Joschija, der die Religion der Juden reformiert hatte.

König Joschijas Reform beginnt mit der Renovierung des Tempels, bei der eine Schriftrolle gefunden wird, wahrscheinlich das heutige Buch Deuteronomium, bzw. eine Urform davon. In der Folge wird der Tempelkult umgestellt. Weiters erhalten die Bücher Mose, die Bücher Josua, Samuel, Chronik und Könige ihre heutige Form.

Die Schriftgelehrten und Tempelpriester bekommen mehr Macht, was nicht nur gut ist. So wird zum Beispiel die Schrift deutlich über die Propheten gestellt. Ein Prophet muß erst beweisen, daß er Prophet ist, indem er etwas vorhersagt, das auch eintrifft (Deut 18:22).

Der Tempelmystizismus, also der Tempel als Ort der Belehrung, in dem man lernt, vor Gott zu stehen, weil man Bündnisse mit ihm eingeht, wo man lernt, so zu werden, wie Er ist, und dann mit seiner Macht ausgestattet als sein Bote zu den Menschenkindern zurückgeschickt zu werden, um die Welt zu heiligen und zu Gott zu ziehen, wird zurückgedrängt. Das Halten des Gesetzes und der Opferkult sind allein seligmachend.

Die Auslegung der Schrift wird Sache der Priester und Gelehrten, die nur eine Auslegungsmöglichkeit zulassen: Ihre. Anklänge dieses Problems zeigen sich u.a. in Jer 8:8, wo Jeremia den Gelehrten entgegenwirft, daß sie die Schrift absichtlich verfälschen:

„Wie könnt ihr sagen: Weise sind wir / und das Gesetz des Herrn ist bei uns? Ja! Aber der Lügengriffel der Schreiber / hat es zur Lüge gemacht.“

Unschwer erkennt man, daß Lehi und Nephi diesen Vorwurf wiederholen:

„Und nachdem sie durch die Hand der zwölf Apostel des Lammes von den Juden zu den Andern gelangt sind, siehst du die Entstehung jener großen und greuelreichen Kirche, die vor allen anderen Kirchen höchst greuelreich ist; denn siehe, herausgenommen haben sie aus dem Evangelium des Lammes viele Teile, die klar und höchst kostbar sind; und auch viele Bündnisse des Herrn haben sie herausgenommen.“ (1Ne 13:26)

Es ist also zu erkennen, daß sich die Kritik der Propheten gegen die Kinder von Joschijas Reform richtet, speziell gegen die, die meinen, besonders rechtschaffen zu sein. Und auch das findet sich in Nephis Schriften:

„Und wir wissen, daß das Volk im Land Jerusalem ein rechtschaffenes Volk gewesen ist; denn sie haben die Satzungen und Richtersprüche des Herrn und alle seine Gebote befolgt, gemäß dem Gesetz des Mose; darum wissen wir, daß sie ein rechtschaffenes Volk sind; und unser Vater hat sie verurteilt und hat uns weggeführt, weil wir auf seine Worte gehört haben“ (1Ne 17:22)

in demselben Jahr kamen viele Propheten

Zu dieser Zeit gibt es zumindest vier in der Bibel namentlich genannte Propheten:

  • Zefanja. Er predigte in erster Linie in den Synagogen, also den Priestern, den Gelehrten und denen, die sich für besonders gläubig hielten. Sein Name bedeutet „Gott hat (schützend) geborgen / verborgen“
  • Jeremia. Er war ein Schüler Zefanjas und möglicher Weise auch Jesajas. Er ist (rabbinischer Tradition zu Folge) ein Nachfahre von Josua, dem Nachfolger des Moses, und Rahab. Er predigt den Männern auf der Straße. Sein Name bedeutet „Gott erhöht“.
  • Die Prophetin Hulda. Auch sie stammt von Josua und Rahab. Ihre Predigt geht in erster Linie an die Frauen auf der Straße, die jüdischen Tradition behauptet aber, daß sie auch an einer Schule unterrichtet hat.
  • Urija, der Sohn Schemajas, aus Kirjat-Jearim. Er weissagte gegenJerusalem mit ganz ähnlichen Worten wie Jeremia (Jer 26:20-24).

Aus diesem Grund begab es sich: Mein Vater Lehi ging hinaus und betete zum Herrn

Hier finden wir ein zentrales Thema des Buches Mormon:

  • Lehi hört Propheten predigen
  • Er glaubt ihnen
  • Er betet zum Herrn
  • Gott offenbart sich Lehi. Er wird also selbst Prophet

Diese Geschichte wird mit Nephi wiederholt (1Ne 11), später mit Enos (Enos 1) und so weiter. Das Buch Mormon endet mit der Verheißung, dass diejenigen, die dieses Buch glaubensvoll lessen, selbst durch Offenbarung wissen können, ob es wahr ist (Moro 10:3-5).

ja, nämlich aus ganzem Herzen, für sein Volk.

Lehis Gebet ist etwas Besonderes, weil er nicht für sich selbst und seine Errettung betet, sondern für sein Volk. Später wird Enos das Gleiche tun – und nach ihm Alma und Nephi, der Jünger. Wahre Nachfolger Jesu sind dadurch ausgezeichnet, dass sie sich nicht so sehr um die eigene Errettung sorgen, wie um die Errettung Anderer. Jesus selbst ist uns hier ein Vorbild, da er für alle sein Leben gegeben hat, damit sie errettet werden können.

da kam eine Feuersäule und verweilte vor ihm auf einem Felsen

Daß Gott Lehi als Feuersäule erscheint, ist eine Erinnerung an das Volk Israel, das von einer Rauchwolke bei Tag und einer Feuersäule bei Nacht geführt wurde (Ex 13:21).

Hiermit wird angedeutet, daß Lehi, wie Moses, ein Volk weg in ein gelobtes Land führen sollte, was Nephi immer wieder erwähnt.

Wir erinnern uns aber auch an den jungen Joseph, der Gott in einer Säule aus Licht sieht.

Weiter….

DAS ERSTE BUCH NEPHI (1Nephi) Kapitel 1:1-3

SEINE REGIERUNG UND SEIN GEISTLICHER DIENST

Ein Bericht von Lehi und seiner Frau Saria und seinen vier Söhnen, die (beginnend mit dem ältesten) Laman, Lemuel, Sam und Nephi heißen. Der Herr warnt Lehi; dass er das Land Jerusalem verlassen solle, weil er dem Volk prophezeit in Bezug auf dessen Übeltun, und sie trachten ihm deshalb nach dem Leben. Er begibt sich mit seiner Familie drei Tagereisen weit in die Wildnis. Nephi nimmt seine Brüder mit und kehrt in das Land Jerusalem zurück, wegen der Aufzeichnungen der Juden. Der Bericht ihrer Leiden. Sie nehmen die Töchter Ischmaels zur Frau. Sie nehmen ihre Familien und brechen in die Wildnis auf. Ihre Leiden und Bedrängnisse in der Wildnis. Der Verlauf ihrer Reisen. Sie kommen zu den großen Wassern. Nephis Brüder lehnen sich gegen ihn auf. Er beschämt sie und baut ein Schiff. Sie benennen den Ort mit dem Namen Überfluß. Sie überqueren die großen Wasser in das verheißene Land usw. All dies gemäß dem Bericht Nephis oder, mit anderen Worten, ich, Nephi, habe diese Aufzeichnung geschrieben.

1.Nephi Kapitel 1

1Ne 1:1 Ich, Nephi, der ich von guten Eltern abstamme, weswegen mir von allem Wissen meines Vaters etwas beigebracht worden ist; und der ich im Laufe meiner Tage viele Bedrängnisse erlebt habe, der ich jedoch vom Herrn alle meine Tage auch hoch begünstigt worden bin; ja, indem ich eine reiche Kenntnis von der Güte und den Geheimnissen Gottes habe, ich mache darum eine Aufzeichung von meinen Vorgehensweisen in meinen Tagen.

1Ne 1:2 Ja, ich mache eine Aufzeichung in der Sprache meines Vaters, die aus der Bildung der Juden und der Sprache der Ägypter besteht.

1Ne 1:3 Und ich weiß, dass die Aufzeichnung, die ich mache, wahr ist; und ich mache sie mit meiner eigenen Hand; und ich mache sie gemäß meiner Kenntnis.

Kommentar

Allgemeines zum 1. Buch Nephi

Ursprünglich enthielt das Buch Mormon vier Bücher, die mit „Das Buch Nephi“ übertitel waren. Im Durckermanuskript wurde dann später „Erster“ und „Zweiter“ dazu geschrieben. Für die Bücher 3. und 4. Nephi wurde diese Ergänzung erst 1879 durch Orson Pratt gemacht.

Die Kapiteltrennung im 1. Buch Nephi sind schon auf dem Originalmanuskript zu finden, wurden also schon so diktiert. Die Kapitelnumerierung dagegen kam erst im Druckermanuskript dazu. 1879 änderte Orson Pratt jedoch die Kapiteleinteilung. So war ursprünglich die Rückkehr von Nephi und seinen Brüdern nach Jerusalem, um die Platten Labans zu holen, ein einziges, großes Kapitel. Orson Pratt machte daraus fünf. Andererseits führte Pratt auch Kapitel zusammen. Zum Beispiel endet das Kapitel V in der 1830 Edition bei dem, was heute 1Ne19:21 ist. Die heutigen Verse 22 bis 24 bilden den Anfang des ursprünglichen Kapitel VI.

Die Absatztrennung wurde ursprünglich vom Setzer vorgenommen. Diese Absätze gingen aber zum Teil über drei Seiten. Orson Pratt trennte die Absätze und führte die heute gültige Verszählung ein. Dabei achtete er darauf, daß kein Kapitel mehr als hundert Verse hatte, wozu er die Kapiteltrennung überarbeitete.

Die RLDS-Ausgabe des Buches Mormon hat die ursprünglichen Kapitel beibehalten, aber die Versteilung der HLT-Ausgabe übernommen bzw. auch noch verfeinert. Manche Kapitel haben daher deutlich über 200 Verse.

Übersetzung

Sie benennen den Ort mit dem Namen Überfluss

Die Formulierung klingt gestelzt, es handelt sich hierbei aber um einen Hebraismus. Interessant ist auch, daß in der 1830 Auflage hier nur steht „Sie nennen den Ort Überfluß“, und in der 1840 Auflage hat Joseph Smith dies geändert, wahrscheinlich, um dem originalmanuskript zu entsprechen. Wir können das nicht mehr nachvollziehen, weil die 1. Seite des Originalmanuskripts nicht erhalten ist.

Während wir auf deutsch und auf Englisch „träumen“, heißt das im Hebräischen, „ich träume einen Traum“. Statt eine Vision (etwas Gesehenes) zu haben, sieht man eine Vision, man fürchtet eine Furcht und man benennt mit einem Namen.

usw

Im Original steht hier „etc.“, in der 1981 Auflage des Buches Mormon wurde dies auf „and so forth“ geändert.

Aufzeichnung und Bericht

Zwei Begriffe, „record“ und „account“ werden in den deutschen Ausgaben des Buches Mormon mit „Bericht“ übersetzt. Um den Unterschied aus dem Original zu erhalten, habe ich in diesem Teil der Übersetzung „record“ mit „Aufzeichnung“ und „account“ mit „Bericht“ übersetzt.

der ich von guten Eltern…

Im Original finden sich in diesem Vers vier Nebensätze, die mit „having“ beginnen. Die Übersetzung „Ich, Nephi, stamme von guten Eltern“ und damit die Auflösung dieser Nebensätze geht auf John Taylor zurück.

Parallelismen und Chiasmen

Ich, Nephi, der ich von guten Eltern abstamme, weswegen mir von allem Wissen meines Vaters etwas beigebracht worden ist; und der ich im Laufe meiner Tage viele Bedrängnisse erlebt habe, der ich jedoch vom Herrn alle meine Tage auch hoch begünstigt worden bin;

A ja, indem ich eine reiche Kenntnis von der Güte und den Geheimnissen Gottes habe,

B ich mache darum eine Aufzeichung von meinen Vorgehensweisen in meinen Tagen.

C Ja, ich mache eine Aufzeichung in der Sprache meines Vaters,

D die aus der Bildung der Juden

C und der Sprache der Ägypter besteht.

B Und ich weiß, dass die Aufzeichnung, die ich mache, wahr ist; und ich mache sie mit meiner eigenen Hand;

A und ich mache sie gemäß meiner Kenntnis.

Wie man hier sehen kann, ist die Bildung der Juden der Wendepunkt, das Zentrum dieses Chiasmus. Nephi ist es wichtig, auf die Bildung (Sprache, Wissen, Kunstfertigkeit und Religion) hinzuweisen.

Inhaltlicher Kommentar

Ich, Nephi

Ein guter Teil der Bücher im Buch Mormon enthält Informationen über den jeweiligen Autor. Mormon hat anscheinend in seiner Zusammenstellung diese Textteile Wort für Wrot kopiert. Im Altertum war dies ein wesentlicher Teil jedes Textes, sozusagen das Selbstzeugnis: Wer bin ich, warum bin ich vertrauenswürdig. Nephis erster Vers entspricht diesem Muster.

Der Name Nephi

Es gibt verschiedene Erklärungen für den Namen Nephi. Zum Beispiel die ägyptischen Namen „Nfr“ („gut“) und Nfw („Anführer“).

„Gut“ würde ganz gut auch in den Text passen, da wir dann ein Wortspiel mit dem Namen „Nephi“ und den „guten Eltern“ hätten. Mehr dazu hier.

Reformiertes Ägyptisch

Eine häufige Annahme ist, daß Nephi mit einem abgewandelten Demotisch geschrieben hat, daß aber die Sprache auf den Platten Hebräisch war.

Weiter….

DAS ZEUGNIS VON ACHT ZEUGEN

Mögen es wissen alle Nationen, Geschlechter, Sprachen und Völkern, zu denen dieses Werk gelangen wird: Dass Joseph Smith Jun., der Übersetzer dieses Werkes uns die Platten gezeigt hat, von denen gesprochen worden ist, welche das Aussehen von Gold haben; Und so viele Blätter, wie der besagte Smith übersetzt hat, haben wir mit unseren Händen angefasst; und wir haben auch die Gravierungen darauf gesehen, welche das Aussehen von antiker Arbeit und seltsamer Kunstfertigkeit haben. Und von diesem geben wir Bericht mit feierlichen Worten, dass besagter Smith uns gezeigt hat, denn wir haben gesehen und hochgehoben und wissen mit Sicherheit dass besagter Smith die Platten hat, von denen wir gesprochen haben. Und wir geben unsere Namen der Welt, um der Welt das zu bezeugen, was wir gesehen haben. Und wir lügen nicht, Gott gibt davon Zeugnis.

Christian Whitmer

Hiram Page

Jacob Whitmer

Joseph Smith Sen.

Peter Whitmer Jun.

Hyrum Smith

John Whitmer

Samuel H. Smith

Kommentar

Geschichte

Das Zeugnis der Acht Zeugen wurde geschrieben, als die Übersetzungsarbeiten am Buch Mormon noch im Gange waren. Die Familie Smith wohnte damals in Manchester. Der Prophet Joseph kam zu diesem Zweck von Fayette nach Manchester, begleitet von einigen Mitgliedern der Familie Whitmer und Hiram Page, um den Druck des Buches vorzubereiten. Joseph Smith sen, Hyrum Smith und Samuel H. Smith kamen dazu und sie gingen in den Wald, zu einem Platz wo die Smiths gerne beteten. Dort zeigte der Prophet diesen acht Zeugen selbst die Platten.

Diese werden beschrieben als etwa 15x20x15 cm groß, die einzelnen Platten kaum dicker als damals übliches Blech (etwa 0.5mm). Das Gesamtgewicht war etwa 18 bis 27 Kilogramm. Sie hatten das Aussehen von Gold. Die Platten waren durch 3 D-förmige Ringe verbunden. Zwei Drittel der Platten waren darüber hinaus verbunden, sodaß man sie nicht umblättern konnte. Die Platten waren beidseitig beschrieben, und die Gravierungen waren geschwärzt, um sie leichter zu erkennen. Üblicher Weise nimmt man an, dass etwa 100 Platten unversiegelt waren.

Bei den angegebenen Dimensionen und dem Gewicht ist es unwahrscheinlich, dass es sich um Reingold gehandelt haben könnte. Das hätte wahrscheinlich das Dreifache gewogen. Ebenso wäre Gold zu weich, dass die Platten übereinander gestapelt Gravierungen behalten hätten. Es wird angenommen, dass die Platten aus dem Metall waren, das im Buch Mormon „Ziff“ genannt wird. Wenn man einen hebräischen Ursprung annimmt, dann heißt der Name „glänzend“. John L. Sorenson vermutet, dass es sich dabei um Tumbaga handelt, eine Gold—Silber-Kupfer-Legierung, die aussieht wie Gold, dabei aber leichter und härter ist.

In antikem Hebräisch kann man etwa 14 Seiten des englischen Buches Mormon auf einer einzigen Seite unterbringen. Das Bild auf dieser Seite zeigt 7 Seiten des Buches Mormon.

Allerdings heißt es, dass die Autoren des Buches Mormon nicht ihre eigene Schrift, sondern eine abgewandelte Form des Ägyptischen verwendeten, weil das noch effizienter war. Es ist nicht falsch von einem Verhältnis von 1:28 auszugehen. Die 1830 Auflage des Buches Mormon hat 592 Seiten. Wenn wir annehmen, dass Handschrift etwa das Dreifache braucht, die verlorenen 116 Seiten dazu geben, dann kommen wir auf 1892 Seiten. Im Verhältnis 1:14 gäbe das 135 Seiten. Und das geht sich auf 100 Platten, doppelseitig beschrieben, bequem aus.

Bedeutung

Das Zeugnis der Drei Zeugen hat den Ursprung und die Übersetzung zum Thema. Es ist ein Zeugnis von der Macht Gottes und Seinem Wirken, ein übernatürliches Erlebnis mit einem Engel Gottes und der Stimme Gottes. Das Zeugnis der Acht Zeugen dagegen ist frei von allem Übernatürlichen. Platten werden gesehen, gewogen und umgeblättert. Einer der Acht Zeugen hatte später den Glauben an Joseph Smith und den Mormonismus verloren. Er bezeugte weiterhin, dass Joseph die Platten gehabt hat, auch wenn er einschränkt, dass er über die Übersetzung nichts sagen kann, weil er die Schriftzeichen nicht lesen konnte.

DAS ZEUGNIS VON DREI ZEUGEN

Mögen es wissen alle Nationen, Geschlechter, Sprachen und Völkern, zu denen dieses Werk gelangen wird: Dass wir durch die Gnade Gottes, des Vaters, und unseres Herrn Jesus Christus die Platten gesehen haben, die diesen Bericht enthalten, und es ist dies ein Bericht über das Volk von Nephi und auch über die Lamaniten, seiner Brüder, und auch über das Volk von Jared, das von dem Turm kam, von dem gesprochen worden ist. Und wir wissen auch, dass sie durch die Gabe und Macht Gottes übersetzt worden sind, denn seine Stimme hat es uns verkündet; darum wissen wir mit Sicherheit, dass das Werk wahr ist. Und wir bezeugen auch, dass wir die Gravierungen gesehen haben, die auf den Platten sind; und sie sind uns durch die Macht Gottes gezeigt worden und nicht die des Menschen. Und wir verkünden mit feierlichen Worten, dass ein Engel Gottes vom Himmel herabkam, und er brachte und legte vor unsere Augen, sodass wir erblickten und sahen die Platten und die Gravierungen darauf; und wir wissen, dass es durch die Gnade Gottes, des Vaters, und unseres Herrn Jesus Christus ist, dass wir geschaut haben und Zeugnis geben, dass es wahr ist. Und es ist wunderbar in unseren Augen. Jedoch, die Stimmes des Herrn hat uns geboten, dass wir Bericht geben; und um den Geboten Gottes zu gehorchen, geben wir davon Zeugnis. Und wir wissen, daß, wenn wir glaubenstreu bleiben in Christo, wir unsere Kleider vom Blut aller Menschen reinwaschen werden und vor dem Richterstuhl Christi ohne Makel befunden und ewiglich mit ihm in den Himmeln wohnen werden. Und die Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geist, was ein Gott ist. Amen.

Oliver Cowdery

David Whitmer

Martin Harris

Übersetzung

ein Bericht über das Volk von Nephi und auch über die Lamaniten, seine Brüder

Im Jahr 1837 änderte der Prophet Joseph Smith den Text an dieser Stelle von „his brethren“ zu „their brethren“.Während sich im Original „his“ auf „Nephi“ bezog, bezieht sich nun „their“ auf „people of Nephi“. Aber da das Original sowohl grammatikalisch als auch vom Inhalt her in Ordnung ist, habe ich hier die Originalform verwendet. Dadurch mußte ich aber auch – dem Englischen Folgend – von „Volk Nephi“ auf „Volk von Nephi“ wechseln.

was ein Gott ist

Im Englischen steht hier „which is one God“. Diese Formulierung ist klar trinitarisch, und deshalb ist es wesentlich, sie so zu erhalten.

Geschichte

Die drei Zeugen haben zwar ein gemeinsames Dokument verfasst, aber wie wir wissen haben Oliver Cowdery, David Whitmer und Joseph Smith zuerst gemeinsam die Vision geteilt, und dann hatten Martin Harris und Joseph Smith noch einmal die gleiche Vision.

Das früheste Manuskript, das wir zum Zeugnis der Drei Zeugen haben, ist das Druckermanuskript. Als Abschrift sind hier auch die Unterschriften der Zeugen in der Handschrift von Oliver Cowdery, aber alle drei haben mehrfach und getrennt voneinander dieses Zeugnis bestätigt.

Martin Harris sagte zwar auch, dass er den Engel und die Platten „mit den Augen des Glaubens“ gesehen hat, dies bedeutet aber nicht, dass er sich die Sache nur intensiv vorgestellt hat. Vielmehr müssen wir annehmen, dass diese Redewendung so viel bedeutet wie „mit gläubigen Augen.“ An anderer Stelle sagte er: „Meine Herren, sehen Sie diese Hand? Sind Sie sicher, dass Sie sie sehen? Spielen Ihnen Ihre Augen einen Streich oder so? Nein. Nun, so sicher, wie sie meine Hand sehen, so sicher sah ich den Engel und die Platten“

Titelseite

DAS BUCH MORMON

EIN BERICHT, VON MORMON MIT EIGENER HAND AUF PLATTEN GESCHRIEBEN, DEN PLATTEN NEPHIS ENTNOMMEN

Darum ist dies ein Auszug der Aufzeichnung des Volkes Nephi und auch der Lamaniten—Geschrieben an die Lamaniten, die ein Überrest des Hauses Israel sind, und auch an die Juden und die Nichtjuden—Geschrieben auf ein Gebot hin und auch durch den Geist der Prophezeiung und der Offenbarung—Geschrieben und versiegelt und dem Herrn verborgen, dass sie nicht zerstört werden— Um durch die Gabe und Macht Gottes hervorzukommen zu ihrer Auslegung—Versiegelt durch die Hand Moronis und dem Herrn verborgen, um zur bestimmten Zeit auf die Weise der Anderen hervorgebracht zu werden—Die Auslegung davon durch die Gabe Gottes.

Weiters ein Auszug dem Buch Ether entnommen, das ein Bericht über das Volk Jareds ist, das zu der Zeit zerstreut wurde, da der Herr die Sprache der Menschen verwirrte, als sie einen Turm bauten, um zum Himmel zu kommen— Was dem Überrest des Hauses Israel zeigen soll, was der Herr Großes für ihre Väter getan hat; und dass sie die Bündnisse des Herrn erkennen mögen, dass sie nicht für immer verstoßen sind—Und auch, um die Juden und die Andern davon zu überzeugen: Jesus ist der Christus, der Ewige Gott, der sich allen Nationen kundtut—Und nun, wenn Mangel darin sei, wäre es der Fehler von Menschen; deswegen verwerft nicht, was von Gott kommt, damit ihr makellos befunden werden mögt vor dem Richterstuhl Christ.

Übersetzt von Joseph Smith jun.

Kommentar

Allgemein

Das Titelblatt hat die antike Form eines Kolophons.

Titel

Es gibt Absplitterungen der Kirche, die das Buch Mormon unter einem anderen Titel verbreiten, wie zum Beispiel „Nephitischer Bericht“. Die ältesten Manuskripte zeigen, daß der Titel „The Book of Mormon“ (inklusive Artikel) von Anfang an verwendet wurden und Teil des Titelblattes waren. Die Formulierung „Book of Mormon“ ist an und für sich schon ein „Hebraismus“, eine hebräische grammatikalische Form. In gutem Englisch müsste man von „Mormon’s Book“ reden.

Autor

„Ich möchte hier erwähnen, daß die Titelseite des Buches Mormon eine buchstäbliche Übersetzung ist, dem letzten Blattt auf der linken Seite der Sammlung von Büchern oder Platten entnommen, die die Aufzeichnung enthalten, die übersetzt worden ist, da die Sprache [Schrift] des Ganzen in die selbe Richtung läuft, wie Hebräisch generell, und dass die Titelseite in keiner Weise eine moderne Zusammenstellung ist, nicht von mir, noch von jemand anderem, der in dieser Generation lebt oder gelebt hat“ (Joseph Smith, Jr., History of The Church of Jesus Christ of Latter-day Saints, ed. B. H. Roberts, 7 vols. (Salt Lake City: Deseret News, 1932–1951), 1:71.

Während wir aber wissen, daß Joseph Smith nicht der Autor dieses Titelblattes ist, gibt es Diskussionen darüber, ob Mormon einen Teil davon geschrieben haben könnte. Die Diskussion kommt daher, dass folgende zwei Textzeilen sehr ähnlich sind:

  1. Geschrieben und versiegelt und dem Herrn verborgen, dass sie nicht zerstört werden – Um durch die Gabe und Macht Gottes hervorzukommen zu ihrer Auslegung
  2. Besiegelt durch die Hand Moronis und dem Herrn verborgen, um zur bestimmten Zeit auf die Weise der Anderen hervorgebracht zu werden—Die Auslegung davon durch die Gabe Gottes.

In dieser Lesart werden Morm 8:34-35 und Morm 8:5 (wo Moroni davon redet, daß Mormon den Zweck (engl. „intent“, also eigentlich Absicht) des Berichts niedergeschrieben hat, was als direkte Beschreibung des Titelblattes gesehen werden kann.

Bei dieser Wiederholung kann es sich auch um einen absichtlichen Parallelismus handeln:

Geschrieben und

Versiegelt und dem Herrn verborgen, dass sie nicht zerstört werden

Um durch die Macht Gottes
hervorzukommen zu ihrer Auslegung

Versiegelt und dem Herrn verborgen

um ….. hervorgebracht zu werden
Die Auslegung davon durch die Gabe Gottes

So betrachtet wäre es eine Bekräftigung des Prinzips, weil das Versiegeln, das Verbergen, das Hervorkommen und Übersetzen durch die Gabe Gottes eine zentrale Botschaft darstellt.

Dr. Sidney Sperry hält es aber für möglich, daß Moroni einen Teil des Titelblattes um etwa 400 n.Chr. geschrieben hat und einen zweiten zwanzig Jahre danach.

Ein überzeugendes Argument für die Autorenschaft von Moroni lässt sich daraus sehen, dass die Worte „versiegelt“ und „Auslegung“ (engl. interpretation) nur bei Nephi und bei Moroni vorkommen, sonst bei keinem Autor im Buch Mormon, und bei Moroni deutlich häufiger als bei Nephi.

Formelles

Was der Prophet Joseph diktierte, wurde von seinen Schreibern geschrieben. Danach schrieb Oliver Cowdery den Text ab. Diese Abschrift wurde der Druckerei E.B. Grandin, gegeben. Da der ursprüngliche Text keine Satzzeichen und keine Großschreibung  hatte, fügte der Vorarbeiter in der Druckerei, John H. Gilbert,  diese ein. (So weit wir feststellen können hat Oliver Cowdery beim Abschreiben (vom Originalmanuskript hin zum sogenannten Druckermanuskript) etwa 140 Fehler gemacht – eine pro Seite. 37 Veränderungen waren absichtliche Verbesserungen der Grammatik – aber zumindest 17 davon haben die Sprache verschlechtert. Nur in 7 Fällen ist das Druckermanuskript besser. Und in diesen Fällen handelt es sich um typisch hebräische Formen, die durch die Verbesserung unkenntlich gemacht wurden. ) Eine ausführlichere Abhandlung des Themas findet man hier.

Es gibt auch noch weitere frühe Abschriften. Eine davon wurde verwendet, um das Copyright für das Buch Mormon zu sichern. In dieser Abschrift hat der Prophet Joseph Smith den ganzen Text, den wir heute als Titelblatt haben, angeführt. Es gibt ein paar Großschriften und eine Menge Satzzeichen, aber ohne Absätze.

Veränderungen

Den Copyright-Gesetzen der damaligen Zeit folgend steht in den ersten Varianten des Titelblattes ganz unten nicht „Übersetzt von Joseph Smith jun.“, sondern „von Joseph Smith, Autor und Eigentümer“. Diese eine Zeile ist also nicht Übersetzung, sondern Hinzufügung. Gegner der Kirche verwenden das gerne, um zu behaupten, daß Joseph Smith selbst nicht glaubte, eine Übersetzung zu liefern, sondern sich als Autor bezeichnete. Diese Behauptung kommt aus einer Unkenntnis der Gesetze der damaligen Zeit und ist haltlos. Joseph konnte als Autor oder Eigentümer des Textes ein Copyright erwerben, und Eigentümer konnte er nur sein, wenn er den Text vom Autor käuflich erworben hatte. Weiters war es damals durchaus üblich, den Übersetzer eines Textes auch als Autor zu bezeichnen. So wurde zum beispiel in der 1834 Ausgabe der King James Bibel ein „Reverend B. Boothroyd“ as „der Autor“ bezeichnet.

Ebenso finden wir im Vorwort zur 1. Auflage des Buches Mormon folgenden Text:

„Ich möchte Sie informieren, daß ich [das Buch Mormon] durch die Gabe und Macht Gottes übersetzt habe und bewegt wurde zu schreiben.“ In den 35 Zeilen des Vorwortes sagt der Prophet nicht weniger als 6 Mal, dass es eine Übersetzung ist.

Um aber Verwirrung zu vermeiden hat Joseph Smith in der 1837 Version diese Zeile auf „übersetzt durch Joseph Smith jun“ geändert.[iv]

Inhaltliches und Übersetzung

Darum ist dies ein Auszug der Aufzeichnung des Volkes Nephi

Die Goldenen Platten waren offensichtlich aus Metall, aber nicht alle Aufzeichnungen der Nephiten waren auf Metallplatten. Zum Beispiel verbrannten die Einwohner der Stadt Ammoniha Schriften(siehe Alma 14:8, vgl. Mosia 2:8; 29:4; und Alma 63:12)– diese können wohl nicht auf Metall geschrieben gewesen sein. Da Metall nur schwer zu bekommen und noch schwerer zu bearbeiten war, ist anzunehmen, dass Schriften für den Alltagsgebrauch auf vergänglicherem Material abgefasst waren. Die Aufzeichnungen des Volkes umfassten die Schriften der Propheten, die Aufzeichungen der Könige und vieles mehr.

Geschrieben an die Lamaniten,… und auch an die Juden und die Nichtjuden

Mormon und Moroni haben nicht für ihre Zeitgenossen geschrieben, sondern für die Menschen der Neuzeit. Von der Auswahl der Quellen, der Ereignisse und Reden bis hin zur Wortwahl richtet sich das Buch Mormon an die Menschen unserer Zeit, nicht an die Nephiten, die in diesem Buch beschrieben warden.

was der Herr Großes für ihre Väter getan hat

Interessanter Weise finden wir im Buch Mormon kaum etwas darüber, was die Vorväter heutiger Juden angeht. Wir können aber annehmen, dass Genealogie im Buch Mormon ursprünglich wichtig war, wie wir auch in 1.Ne 5:14,16 lesen können. Die ausführlichen Genealogien finden sich in den Schriften Lehis, die bei den verlorenen 116 Seiten waren.

um … davon zu überzeugen: Jesus ist der Christus, der Ewige Gott

Hier wollte ich in der übersetzung die eingliedrige Bekenntnisformel erhalten, die in der aktuellen deutschen Übersetzung nicht so klar ist. Das Buch Mormon ist voll von eingliedrigen Bekenntnisformeln, die klar bezeugen: Jesus ist der Christus, Jesus ist der Ewige Gott. Dies findet sich z,B, auch in Moroni 5:14 beinahe mit gleichem Wortlaut, wie hier im Titelblatt, und im gleichen Zusammenhang: Dem Hervorkommen des Buches zu den Juden und den Anderen. Damit zeigt sich, wie Mormon die Materialauswahl getroffen hat: Das, was zeigt, daß Jesus der Christus und der Ewige Gott ist, das hat er gewählt. Es ist kein umfassender historischer Bericht, der alles beleuchtet. Es ist religiöse Geschichtsschreibung, die zum Glauben an Christus bewegen soll.

„Dem zentralen Thema treu und mit christozentrischer Konsequenz reden, predigen und prophezeihen die nephitischen Propheten von ihm, und freuen sich an ihm, sodass jeder von uns wissen kann, zu welcher Quelle wir für die Sündenvergebung aufblicken mögen.“ (Robert J. Millet, „Another Testament of Jesus Christ,“ in The Book of Mormon: First Nephi, 173 Robert J. Millet, „Another Testament of Jesus Christ,“ in The Book of Mormon: First Nephi, 173)

Wenn Mangel darin sei..

Im Originalmanuskript und der 1. Auflage von 1830 steht dieser Satz in Einzahl und Konjunktiv Präsens („and now if there be fault, it be the mistake of men“). In der 1837 Version änderte der Prophet diesen Satz von Singular auf Plural und von Konjunktiv auf Indikativ. Diese editorielle Änderung ist seither der Standard, ich habe hier die ursprüngliche Form übersetzt.

verwerft nicht, was von Gott kommt, damit ihr makellos befunden werden mögt vor dem Richterstuhl Christ.

Für mich ist hier ein Querverweis auf 1Kor 14:37-39 angebracht. Hier wie dort wird dazu aufgefordert, selbst mit Gott in Kontakt zu treten und prophetisch zu reden, dabei aber Acht zu geben, dass man Gottes Propheten nicht verwirft bzw. anerkennt. Nur, wer die Propheten Gottes anerkennt, wird nicht verworfen, und wer das, was von Gott kommt verwirft, der kann nicht makellos befunden werden im Jüngsten Gericht.

Das Buch Mormon – neu übersetzt und kommentiert

Seit Jahren studiere ich die Heiligen Schriften, besonders das Buch Mormon. Leider steht dem deutschsprachigen Leser nicht viel Material zur Verfügung. Eine weitere Schwierigkeit ist, dass wir das Buch Mormon nur in einer Übersetzung lesen. Deswegen habe ich mir für dieses Jahr vorgenommen, in meinem Schriftstudium das Buch Mormon selbst zu übersetzen, nicht weil die offizielle deutsche Übersetzung schlecht wäre, sondern weil man beim selber übersetzen viel mehr aus einem Text nehmen kann.

In dieser Übersetzung werde ich mich auch besonders auf zwei Bücher stützen:

  1. Volume 4 of the Critical Text of the Book of Mormon Analysis of Textual Variants of the Book of Mormon
    Der ursprüngliche Text des Buches Mormon wurde diktiert, dann wurden zwei Abschriften für den Drucker gemacht. Der Drucker hat den Text gesetzt. In jedem dieser Arbeitsschritte wurden Änderungen im Text angebracht. 1837 gab es die zweite Auflage, und auch hier wurden Änderungen gemacht, manche davon durch Joseph Smith selbst. Bei jeder folgenden englischen Auflage wurden Fehler korrigiert, aber auch neue eingeführt. Royal Skousen untersucht die vorhandenen Manuskripte und Auflagen und bewertet die Abweichungen, um zu einem Text zu kommen, der so weit wie möglich „original“ ist. Das ist besonders wichtig, um Hebraismen, also hebräische Wortwendungen, Phrasen und Grammatik zu erhalten, die im Text vorhanden sind.
  2. Poetic Parallelism in the Book of Mormon
    Das Buch Mormon, wie jeder alte Text, hat verschiedene literarische Formen. Wir alle kennen zum Beispiel den Psalm Nephis (in 1Nephi 4). Woran erkennt man nun Gedichte, Lieder und Psalmen im Buch Mormon? Ein wesentliches Element sind Parallelismen und Chiasmen. Gerade solche Strukturen gehen in Übersetzungen oft verloren.

Dazu möchte ich aber auch Links und kurze Kommentare stellen, damit auch deutschsprachige Leser des Buches Mormon an diese Informationen kommen.

Drei Kommentare möchte ich besonders erwähnen:

  1.  FAIRMormon Study Aids ist eine thematisch geordnete Sammlung von Artikeln, die aus apologetischer Sicht die Heiligen Schriften beleuchten.
  2. Second Witness: Analytical and Contextual Commentary on the Book of Mormon ist eine Buchserie geschrieben von Brant Gardner. Es sind Kommentare, die – abgesehen von der Neuübersetzung – die gleichen Ziele hat, wie mein Kommentar und nach ähnlichen Prinzipien aufgebaut ist.
  3. Understanding the Book of Mormon: A Reader’s Guide von Grant Hardy lädt den Leser dazu ein, sich mit dem Text auseinander zu setzen und sich zu fragen, welche Absichten die Schreiber und Zusammenfasser hatten – und was man zwischen den Zeilen lesen kann.